McLaren 12C Spider

28. Januar 2013
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:McLaren
Klasse:Cabrio/Roadster
Antrieb:Hinterrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:625 PS
Testverbrauch:11,7 l/100km
Modelljahr:2012
Grundpreis:280.500 Euro

Er ist gutmütig und bissig – und verliert nie die Geduld. Wäre der McLaren 12C Spider nicht so verdammt teuer, könnte er der Supersportler für jedermann sein

Im Standgas lacht die Seele, nach einem Gasstoß rast das Herz, und beim Gasgeben kribbeln die Zehen. Supersportler wie Porsche 911 Turbo, Lamborghini Gallardo oder Ferrari 458 beschleunigen so extrem, dass es einem das Blut aus den Füßen zieht und direkt ins Herz drückt. Ein Gefühl zum Niederknien, das auch im McLaren 12C beflügelt. Aber der Brite hat den X-Faktor – eine Eigenschaft, die ihn von seinen Konkurrenten unterscheidet. Und die ist auf keinem Papier mit einem blumigen Marketing-Spruch greifbar zu beschreiben oder mit nüchternen technischen Daten nachzuvollziehen. Nur am Steuer spürt man sie.
Der X-Faktor lässt sich ab Jahresende auch in der Cabrio-Version erleben. Ein knappes Jahr nach dem Coupé bringt der britische Formel I-Rennstall den Spider auf den Markt. Wobei das versenkbare Hardtop, 40 Kilo mehr Gewicht und der 38.250 Euro höhere Preis die einzigen Unterschiede gegenüber der geschlossenen Variante sind. Ein Vorteil, der sich aus der parallelen Entwicklung ergibt, alle Bauteile wurden von Beginn an für beide Versionen konstruiert.

Das Lenkrad im Spider hat den gleichen Durchmesser wie das Volant in Lewis Hamiltons Formel I-Boliden

Der Motorklang, der Umgebungs-Geruch, der Sturm im Haar – offen fährt es sich einfach intensiver. Im McLaren Spider spürt man aber auch bei geschlossenem Hardtop viel vom Cabrio-Feeling. Die flache Heckscheibe, die bei offener Fahrt den Orkan im Cockpit bändigt, lässt sich wie ein Seitenfenster versenken. Der Sound, der dann das Trommelfell bespielt, ist V8-Musik vom Feinsten. Ungefiltert grollt oder brüllt, bollert oder grölt der 3,8-Liter-Biturbo von hinten in die Kabine. Und aus den Endrohren beschallt ein akustisches Spektakel die Gassen, das Alt & Jung und Kind & Kegel die Hälse verdrehen, Augen rollen und vor Begeisterung die Hände hochreißen lässt. Doch der Fahrer bleibt entspannt: Im Gegensatz zu anderen Supersportlern lässt sich der Brite überraschenderweise mit einem Finger lenken, weil das siebenstufige Getriebe auch bei geringen Geschwindigkeiten nicht als zickige Diva auffällt und das Fahrwerk kleine Unebenheiten mit der Diskretion eines britischen Butlers ausbügelt.

Ungewöhnlicher Hintern: Die zwei Auspuffrohre bollern, grölen und schreien die 625 PS auf Hüfthöhe ins Land

Werden die beiden Schalter in der Mittelkonsole jedoch auf Track“ gestellt, ist es vorbei mit der Gemütlichkeit. Das ESP wird zu mehr Toleranz genötigt, die Lenkung schärfer und das Fahrwerk härter. Plötzlich ist jeder Kieselstein im Sitzfleisch spürbar, die Gangwechsel werden hart wie Faustschläge, und der Motor dreht noch lustvoller bis in den roten Bereich. Zu gerne würde man den Lewis Hamilton mimen, denn der innere Schrei nach Selbstbeherrschung verhallt immer mehr im akustischen Inferno des Auspuffs.
Überraschenderweise lässt sich der McLaren aber auch im Track-Modus mit einer verblüffenden Unbeschwertheit um die Schikanen steuern. Selbst wenn man längst mit dem sprichwörtlichen Messer zwischen den Zähnen die Kurven schneidet, das
eigene Limit weit überschritten hat und das fahrerische Talent ausgeschöpft ist, reagiert der Brite scheinbar gelangweilt und gähnt: „Ist das alles, was du kannst?“
Und dieses Verhalten ist der Wesenskern des McLaren Spider. Seine Limits sind so hoch, dass er selbst den schlechtesten Fahrer die gewagtesten Manöver durchgehen und ihn glauben lässt, er sei ein Profi. Diese souveräne Gutmütigkeit ist sein X-Faktor, der die Seele lachen, das Herz rasen und die Zehen kribbeln lässt – auch wenn man schon längst wieder auf der Couch sitzt.

Das Design ist vergleichsweise zurückhaltend. Mit geöffneten Flügeltüren macht der McLaren allerdings im Stand auf dicke Hose

[ i]TECHNIK:[ /i]
V8, 32V, Biturbo, 3799 ccm, 625 PS (460 kW) bei 7500/ min, max. Drehmoment 600 Nm bei 3000-7000/min, Siebengang-Doppelkupplungs-Getriebe, Hinterradantrieb, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4509/2093/1203 mm, Radstand 2670 mm, 2 Sitze, Reifendimension 235/35 R 19 (v), 305/30 R 20 (h), Tankinhalt 72 l, Kofferraumvolumen 144-196 l, Leergewicht 1434 kg, 0-100 km/h 3,1 sec, Spitze 329 km/h, Normverbrauch (Mix) 11,7 l ROZ 95, CO2 279 g/km
Preis: EUR 280.500,-

Fotos: Robert May „

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