Mercedes ML 350

31. Oktober 2005
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Mercedes Benz
Klasse:Geländewagen/SUV
Antrieb:Allrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:272 PS
Testverbrauch:12,8 l/100km
Modelljahr:2005
Grundpreis:58.255 Euro

Reisekomfort und Geländegängigkeit unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. Der neue Mercedes ML 350 geht diese Aufgabe höchst ambitioniert an

Der spektakuläre Erstauftritt der Mercedes M-Klasse in Steven Spielbergs Film Jurassic Park“ ist wahrscheinlich noch vielen in Erinnerung. Was danach folgte, war eine Erfolgsstory mit rund 650.000 verkauften Autos, dem Großteil davon in den USA, wo das Auto (neben Graz) auch gebaut wurde.
Jetzt schicken die Schwaben die zweite Generation ihres SUV aus, um mit mehr Noblesse und Sportlichkeit auch in Europa verstärkt Kunden anzulocken. Länger, breiter und niedriger sind die äußerlichen Attribute der neuen Karosserie, die sowohl aus Kosten- wie aus Gewichtsgründen selbsttragend und nicht mehr – wie beim Vorgänger – auf einen Leiterrahmen aufgesetzt ist. Steifigkeit ging dabei nicht merkbar verloren, das Eigengewicht schrumpfte jedoch um über 100 Kilo, was Fahrleistungen und Verbrauch zugute kommt.
Der Innenraum bietet nun nicht nur Platz wie in einer Oberklasse-Limousine, Mercedes bemühte sich auch um angenehme Reise-Atmosphäre, die, egal ob mit Alu- oder Holzdekor, fast schon luxuriös ausfällt. Doch auch die großflächig eingesetzten Kunststoffe wirken durchaus hochwertig.
Weitere wichtige Faktoren im alltäglichen Gebrauch sind Komfort, Handlichkeit und Straßenlage. Und auch in diesen Punkten kann der neue M durchaus bestehen, wenngleich man Handlichkeit bei einem Zweitonnen-SUV etwas relativieren muss. Immerhin hinterließ der Testwagen mit seinen 19-Zoll-Rädern einen einigermaßen sportlichen Eindruck, zu dem auch elektrisch verstellbare Sportsitze und Alu-Dekor auf Armaturenbrett und Pedalen beitrugen – alles enthalten im 3834 Euro teuren Sportpaket.
Der ML 350 verfügt neben dem bekannten 3,5-Liter-V6 mit 272 PS über die Siebengang-Automatik, die erstmals in der Mercedes-Neuzeit über einen kleinen Lenkstockhebel – ähnlich dem 7er BMW – bedient wird. Auffallend im M: Es gibt kein Sport-, dafür ein Gelände-Programm, das im Offroad-Modus zum Einsatz kommt.
Apropos Offroad: In dieser Disziplin haben die Schwaben die neue M-Klasse etwas abgespeckt. Serienmäßig verfügt der ML 350 weder über eine Getriebe-Untersetzung noch über mechanische Differenzialsperren, beides ist jedoch im Offroad-Pro-Paket um 2520 Euro zukaufbar – und absolut entbehrlich, so man nicht in wirklich schweres Gelände fährt.
Denn wie der Test zeigte, bewährt sich auch schon die serienmäßige Schlupfregelung über selektive Bremseingriffe selbst auf steilen Schotter-Passagen. Und die große Spreizung der Automatik mit ihrem kurzen ersten Gang ist schon höchst offroad-tauglich.
Bodenfreiheit, Böschungs- und Rampenwinkel sind geringfügig schlechter als beim alten Modell, aber absolut ausreichend. Wer mehr will, kann eine Luftfederung ordern, die dann – im Wortsinn – alle drei Werte über das Vorgänger-Niveau hebt.
Serienmäßig mit an Bord sind ein Bergabfahr- und ein automatischer Anfahr-Assistent. Ersterer erlaubt auf Tastendruck eine konstante Geschwindigkeit zwischen vier und 18 km/h (regelbar mittels Tempomat), letzterer verhindert Zurückrollen beim Anfahren auf starken Steigungen.
Über eine weitere Taste aktiviert man den Offroad-Modus, dieser passt Automatik-Steuerung, ABS und Schlupfregelung an Gelände-Erfordernisse an.
Abseits ausgeklügelter Technik-Features zählt für die Mercedes-Mannen natürlich in erster Linie der Verkaufserfolg. Rekordabsätze in den USA – dort wird die M-Klasse seit April verkauft – und über 26.000 Bestellungen aus Westeuropa schon vor Marktstart bestätigen die schwäbische Erwartung, mit der M-Klasse die Spreizung zwischen On- und Offroad gut gemeistert zu haben.

TECHNIK
V6, 24V, 3498 ccm, 200 kW (272 PS) bei 6000/min, max. Drehmoment 350 Nm bei 2400/min, Siebengang-Automatik, Allradantrieb, vorne: Doppelquerlenker, Stabilisator, Federbeine, hinten: Vierlenkerachse, Schraubenfedern, Teledämpfer, Stabilisator, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4780/ 1911/1815 mm, Radstand 2915 mm, 5 Sitze, Wendekreis 11,6 m, Servo, Reifendimension 235/65 R 17, Tankinhalt 95 l, Reichweite (bis Tankreserve) 640 km, Kofferraumvolumen 551-2050 l, Leergewicht 2060 kg, zul. Gesamtgew. 2830 kg, max. Anh.-Last 3500 kg, 0-100 km/h 8,4 sec, Spitze 225 km/h, Steuer (jährl.) EUR 1161,60, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 15,3/ 9,5/11,6 l, Testverbrauch 12,8 l ROZ 95
Preis: EUR 58.255,-

Offroad-Daten: Allradantrieb mit mechanischem Mitteldifferenzial (Basis-Kraftverteilung 50:50), Schlupfregelung mittels selektiver Bremseingriffe, Bergabfahr-Assistent (optionales Offroad-Pro-Paket mit Gelände-Untersetzung und Sperren an Mittel- und Hinterachs-Differenzial), Böschungswinkel v/h 27°/26° (35°/30°), Rampenwinkel 17° (23°), max. Bodenfreiheit 210 (291) mm, Wattiefe 500 (600) mm (Werte in Klammer für Offroad-Pro-Paket und Luftfederung)

Serienausstattung: adaptive Front-, vordere Seiten- und durchgehende Kopfairbags, fünf Dreipunktgurte und Kopfstützen, Isofix, ESP, Bremsassistent, Klimaautomatik, CD-Radio mit 8 LS, Bordcomputer, vier E-Fensterheber, beheizbare E-Außenspiegel, FB-Zentralsperre, Tempomat, Teilleder-Polsterung, teilelektr. Sitzverstellung v, Multifunktions-Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer, Reifendruck-Kontrolle, Fondbank und -lehnen 2:1 umlegbar, Aluräder etc.
Extras: Luftfederung EUR 2443,-, Seitenairbags hinten EUR 515,-, 3-Zonen-Klimaautomatik EUR 919,-, Navigation ab EUR 2311,-, CD-Wechsler EUR 633,-, el. anklappbare Außenspiegel EUR 327,-, Bi-Xenon-Kurvenlicht EUR 2095,-, Regensensor EUR 146,-, Dachreling EUR 390,-, Alarmanlage ab EUR 404,-, Lederpolsterung ab EUR 1281,-, Keyless-Go EUR 1559,-, Metallic-Lack EUR 1218,-, el. Heckklappen-Betätigung EUR 632,-, Offroad-Pro Technik-Paket EUR 2520,-, Einparkhilfe vorne und hinten EUR 1023,-, E-Schiebedach EUR 1663,- u.v.m.

FAHREN & FÜHLEN
Via Startautomatik zum Leben erweckt, läuft der Dreieinhalbliter-V6 seidig, wenn auch unter Last stets hörbar. Für gute Fahrleistungen braucht der schwere SUV höhere Drehzahlen, die die Siebengang-Automatik bei Bedarf prompt liefert, störend nur ihr allzu adaptives Verhalten (verbleibt oft in einem zu niedrigen Gang). Serien-Fahrwerk straff, doch nicht unkomfortabel, steckt selbst grobe Unebenheiten ohne Poltern oder Durchschlagen weg. In flotten Kurven harmlos untersteuernd, das teil-deaktivierbare ESP ist unauffällig zur Stelle. Lenkung präzise, nicht gerade leichtgängig und fast ohne Rückstellkräfte. Kraftvolle, gut dosierbare und fadingfreie Bremsen. Die optionalen Sportsitze mit simpler E-Verstellung bieten guten Seitenhalt und exzellente Schenkel- sowie Rücken-Unterstützung.

STOCK & STEIN
Schon serienmäßig gute Geländegängigkeit dank permanentem Allradantrieb mit mechanischem Mitteldifferenzial und 50:50 Kraftverteilung. Die Schlupfregelung über selektive Bremseingriffe funktioniert effektiv und unauffällig, Gelände-ABS sowie Bergabfahr-Assistent stehen auf Knopfdruck zur Verfügung. Ausreichende Bodenfreiheit und Achsverschränkung. Kurzer erster Gang ermöglicht Schritttempo auch ohne Gelände-Untersetzung. Gegen Aufpreis: Luftfederung mit erhöhter Bodenfreiheit, Offroad-Pro-Paket mit Untersetzung und elektronischen Sperren an Mittel- sowie Hinterachs-Differenzial.

PLATZ & NUTZ
Großzügiges Raumangebot auf allen fünf Plätzen. Großes, glattflächiges Gepäckabteil, Fondbank und -lehne sind einfach 2:1 umlegbar. Die Kopfstützen können dabei dran bleiben, der Ladeboden ist eben. Viele praktische Ablagen, unterteiltes Handschuhfach. Passable Karosserie-Übersicht und erfreulich kleiner Wendekreis. Bis auf den kombinierten Blinker/Wischer/Licht-Hebel 1A-Ergonomie, griffgünstige Automatik-Bedienung am Lenkrad. Weiters angenehm: sehr weite Verstellbereiche von Sitz und Lenkrad, logischer Tempomat. Mini-Manko: kleine Außenspiegel.

Übersichtlich, logisch und stimmig im Design: hochwertiges M-Klasse-Cockpit

DRAN & DRIN
Klassenübliche Serienausstattung mit Klimaautomatik, CD-Radio, E-Fensterhebern u.s.w., üppige Aufpreisliste von Drei-Zonen-Klimaautomatik über Navigation, Holz und Leder bis hin zu Luftfederung und Offroad-Pro-Paket (Details siehe Liste Seite 37). Erstklassige Verarbeitung, auch die großflächig verwendeten Kunststoffe wirken hochwertig. Design innen funktionell und stimmig, außen sportlich-elegant.

SICHER & GRÜN
Gute Serien-Sicherheit: Sechs Airbags, fünf Dreipunktgurte und Kopfstützen (reichen überall für 1,90 Meter), Isofix sowie die üblichen Elektronik-Hilfen (ABS, ESP, Bremsassistent). Gegen Aufpreis: aktive Kopfstützen vorne, Fond-Seitenairbags. Positiv bestandener Umwelt-Check, Verbrauch angesichts Wagengröße und -gewicht im Rahmen.

PREIS & WERT
Haupt-Konkurrenten sind der günstigere VW Touareg V6 3,2 (241 PS) sowie der mit Ö-Paket gleich teure BMW X5 3,0i (231 PS). Volvo XC90 T6 und Lexus RX bieten schlechtere Offroad-Eigenschaften, der Porsche Cayenne 3,2 ist deutlich teurer. Wertverlust als Benziner hoch. Zwei Jahre Fahrzeug-Garantie, bei Service-Treue 30 Jahre Mobilitäts-Schutz und ebenso langes Antidurchrost-Versprechen. Service-Intervalle verschleißabhängig, Werkstatt-Netz durchschnittlich dicht.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Die neue M-Klasse verbindet hohen Reisekomfort mit guter Geländegängigkeit.


Foto: Len Vincent

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 9/2005

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