Mitsubishi Colt 1,3 MPI Instyle

1. November 2005
Keine Kommentare
2.603 Views
Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Mitsubishi
Klasse:Kleinwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:95 PS
Testverbrauch:7,2 l/100km
Modelljahr:2004
Grundpreis:16.990 Euro

Auf ihm ruhen Mitsubishis Hoffnungen für die nächsten Jahre: neuer Hochbau-Kleinwagen Colt

Die letzten Jahre waren kein Honiglecken für Mitsubishi. Eine verstaubte Modellpolitik brachte dem fernöstlichen Auto-Hersteller Milliarden-Verluste, und auch die vier Rallye-WM-Titel von Tommi Mäkinen (1996 bis 1999) waren längst verblasst. Mit einer kräftigen Kapitalerhöhung (bei der allerdings Allianz-Partner Daimler Chrysler nicht mitzog) und einem beinharten Sparprogramm (eines der drei japanischen Werke wird geschlossen) will man die Krise meistern.
Vor allem aber mit frischem Wind in der Modellpalette, die in den nächsten Jahren um nicht weniger als zehn Neuerscheinungen erweitert werden soll. Oberster Hoffnungsträger dabei ist der neue Colt. Dieses erste Mitsubishi-Modell aus der Allianz mit DaimlerChrysler tritt als Crossover zwischen klassischem Kleinwagen und Microvan auf.
Bereits der Plattform-Bruder Smart forfour, mit dem sich der Japaner 60 Prozent seiner Komponenten teilt, erntete größtenteils positive Kritik. Zu ihm stellt der Colt nun sozusagen die Vernunft-Alternative dar. Unter der gegenüber dem Smart wesentlich glattflächigeren Form findet sich mehr Platz, so manches verspielte Detail wich im Colt nüchterner Alltagstauglichkeit. Dabei besticht aber auch der Japaner sowohl außen wie innen durch moderne, ansprechende Formen.
Generell sieht Mitsubishi in Europa die besten Chancen, wieder an Boden zu gewinnen. Hier stiegen bereits im vergangenen Jahr die Verkäufe wieder an, erstmals schrieb man schwarze Zahlen. Entsprechend präsentiert Mitsubishi den Colt auch als europäisches Auto. Immerhin wird er in den Niederlanden zusammengebaut, die Benzinmotoren lässt man in Deutschland fertigen.
Dass jedoch die Entwickler in Japan saßen, merkt man an kleinen Details wie der 2:1 geteilten Rückbank: Entgegen europäischem Usus befindet sich der schmale Teil nämlich links, was nur bei einem Rechtslenker in Kombination mit dem serienmäßig umlegbaren Beifahrersitz Platz für lange Lasten plus drei Personen ergibt.
Doch das kann die insgesamt bestechende Raum- und Variabilitäts-Bilanz nicht schmälern. Der Colt wartet mit Features auf, wie man sie sonst nur aus wesentlich größeren und teureren Kompaktvans kennt: verschiebbare Rücksitzbank, umklappbare Fondlehnen, komplett vorklappbare und ausbaubare Rücksitze, umlegbare Beifahrer-Sitzlehne etc. Und dazu gibt´s eine Fond-Beinfreiheit, die zum Beispiel einen VW-Golf um elf und die neue A-Klasse immer noch um fünf Zentimeter übertrifft.
Nicht so enthusiastisch fällt die Beurteilung des Fahreindrucks aus, hier spürt man den Rotstift deutlich: Der 1300er-Benziner unseres Testwagens – die motorische Mitte der Otto-Palette – reicht trotz 95 PS nur für die Stadt oder beschauliches Cruisen. Vor allem dem vollbepackten Colt verordnet er über Land praktisch Überholverbot und macht Autobahn-Steigungen zur anspruchsvollen Aufgabe.
Wem Platz und Vernunft mehr wert sind als reines Fahrvergnügen, für den stellt der Mitsubishi Colt sicher eine gelungene Bereicherung am Kleinwagen-Markt dar. Und ein wenig Spaß kommt ja noch nach: Der Dreitürer mit 150 Turbo-PS steht im Herbst am Pariser Automobilsalon.

TECHNIK
R4, 16V, 1332 ccm, 70 kW (95 PS) bei 6000/min, max. Drehmoment 125 Nm bei 4000/min, Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: Dreiecksquerlenker, Federbeine, hinten: Verbundlenkerachse, Schraubenfedern, Teledämpfer, Scheibenbremsen v (bel.), Trommeln h, ABS, L/B/H 3870/1695/1550 mm, Radstand 2500 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,8 m, Servo, Reifendimension 205/45 R 16, Tankinhalt 47 l, Reichweite (bis Tankreserve) 570 km, Kofferraumvolumen 220-645 l, Leergewicht 970 kg, zul. Gesamtgewicht 1460 kg, max. Anh.-Last 1000 kg, 0-100 km/h 11,1 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 14,3 sec, Spitze 180 km/h, Steuer (jährl.) EUR 303,60, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 7,4/4,8/5,8 l, Testverbrauch 7,2 l ROZ 95
Preis: EUR 16.990,-

Serienausstattung: Front- (beifahrerseitig abschaltbar) und vordere Seitenairbags, fünf Kopfstützen, fünf Dreipunktgurte, Isofix-Halterungen, ABS, Klimaanlage, CD-Radio mit sechs LS und Lenkrad-FB, vier E-Fensterheber, Bordcomputer, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, höhenverstellbarer Fahrersitz, Nebelscheinwerfer, Lederlenkrad, FB-Zentralsperre, Aluräder etc.
Extras: Metallic EUR 496,-
Zubehör (Preise inkl. MWSt, exkl. Einbau): Navigationssystem ab EUR 1870,-, CD-Wechsler ab EUR 494,-, Einparkhilfe ab EUR 261,- etc.

FAHREN & FÜHLEN
Der 1,3-Liter-Benziner läuft vibrationsarm, jedoch nicht besonders leise, unter Last sogar kernig-laut. Durchzug unterhalb 4000 Touren sowie Fahrleistungen insgesamt eher enttäuschend. Relativ hohe Wind-Geräusche bei Autobahntempo. Schaltung leichtgängig und kurzwegig, Hebel etwas zu tief platziert. Lenkung relativ schwergängig und etwas indifferent, merkbare Antriebseinflüsse. Fahrkomfort höchstens Kleinwagen-Durchschnitt, Stuckern auf kurzen Stößen sowie Wanken in welligen Kurven. Im Grenzbereich leicht untersteuernd, zarte Lastwechselreaktionen. Bremsen gut dosierbar und ausreichend standfest. Große, straff-komfortable Sitze mit viel Schenkelauflage, aber wenig Seitenhalt, einfache Verstellung (Lehnen-Neigung nicht stufenlos).

PLATZ & NUTZ
Viel Platz in beiden Reihen, der Beinraum im Fond erreicht Oberklasse-Dimensionen. Einschränkung: die hintere Kopffreiheit. Kleiner Basis-Kofferraum, vielseitig erweiterbar: Rücksitze 2:1 längs verschiebbar und Lehnen umlegbar (Kopfstützen bleiben dabei dran, aber hohe Stufe im Ladeboden). Zudem komplettes Vorklappen sowie einfacher Ausbau der Rücksitze möglich. Fein: auch Beifahrer-Sitzlehne umlegbar, mehrere brauchbare Ablagen. Karosserie-Übersicht gut bis auf die mächtige A-Säule, die in Linkskurven die Sicht einschränkt. Außerdem: übersichtliches Cockpit, vier One-Touch-Fensterheber, große Außenspiegel. Störend: Lenkrad nicht in Reichweite verstellbar, Bordcomputer bei Tageslicht schlecht abzulesen, nervige Anschnall-Warnung schon vor dem Anstarten.

Nüchtern, praktisch, dabei nicht ungefällig: Colt-Cockpit

DRAN & DRIN
Die Top-Ausstattung Instyle” bietet unter anderem eine manuelle Klimaanlage, ein CD-Radio mit sechs Lautsprechern und Lenkrad-Fernbedienung sowie vier elektrische Fensterheber (Details siehe Kasten Seite 43). Als einzige Option gibt´s Metallic-Lack, der Zubehör-Shop hält zahllose Extras vom Navigationssystem über eine Einparkhilfe bis zur Hutablage mit Staufach oder gumminoppen-besetzten Aluminium-Pedalen bereit. Moderne, van-ähnliche Außenansicht mit extrem kurzem Heck-Überhang. Gefälliges Innen-Design, peppige Mittelkonsole im Transparent-Plastik-Look. Alle Materialien hochwertig und strapazfähig, auch das weitläufige Kunststoff-Armaturenbrett. Erstklassige Verarbeitung, keine störenden Karosserie-Geräusche. Auch mit automatisiertem Sechsgang-Getriebe erhältlich.

SICHER & GRÜN
Serienmäßig mit an Bord: Fahrer- und Beifahrer-Airbag (letzterer abschaltbar), vordere Seitenairbags, fünf Dreipunktgurte und höhenverstellbare Kopfstützen (reichen vorne bis 1,85, hinten bis 1,80 Meter), Isofix-Halterungen, ABS. Kopfairbags sind unverständlicherweise in Österreich ebenso wenig erhältlich wie eine Stabilitätskontrolle. Positiv abgehakter Umwelt-Check, angesichts der mäßigen Fahrleistungen nicht allzu günstiger Verbrauch.

PREIS & WERT
Konkurrenz-Check: Etwa gleich groß, stark und teuer sind der Mazda2 und der Fiat Idea, etwas teurer der neue Lancia Musa sowie Plattform-Bruder Smart forfour. Billiger sind nur klassische Kleinwagen wie Nissan Micra, Opel Corsa und Fiat Punto. Drei Jahre Fahrzeug-Garantie inklusive Mobilitäts-Schutz, zwölf Jahre gegen Durchrosten. Gute Wiederverkaufs-Chancen noch fraglich, vor allem beim Benziner. Anzahl der Markenwerkstätten guter Durchschnitt, Service und Ölwechsel alle 20.000 Kilometer.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Gefälliger und praktischer Kleinwagen mit viel Platz und noch mehr Variabilität.


Fotos: Len Vincent

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 9/2004