Nach GM lässt auch VW Marchionne abblitzen

13. März 2017
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Aktuelles

Irgendwann bekam ich einmal beigebracht, dass eine freie Marktwirtschaft quasi zwangsläufig auf ein Monopol, zumindest aber ein Oligopol hinausläuft. Die Zeichen, dass diese in der Autobranche durchaus wahr sein könnte, sind durchaus zu sehen: Trotz vieler unterschiedlicher Automarken teilen sich nur wenige Konzerne den Gesamtkuchen, der da Automarkt heißt, untereinander auf.

Und gerade in Europa hat sich die Lage hier zuletzt wieder weiter verschärft. Nachdem PSA nun Opel geschluckt hat, ist quasi über Nacht eine neue „Großmacht“ entstanden, die vor allem die europäische Sparte von Fiat Chrysler Automobiles (hierzulande die Dachmarke von Fiat, Abarth, Alfa Romeo, Jeep und Ferrari) weiter in Bedrängnis bringt.

Wachstum alleine ist hier für FCA kaum eine Option: Um die Profite in für die Aktionäre interessantere Bereiche zu bringen, muss ein Partner her. Und Sergio Marchionne sucht schon länger nach einem. Sein Favorit war der US-Konzern General Motors (der sich ja nun gerade von Opel/Vauxhal getrennt hat), bei dem er schon diverse Male angefragt hat. GM President Dan Ammann fand in Genf gegenüber Reportern aber deutliche Worte:

„Wir waren zuvor nicht interessiert und sind es jetzt noch weniger.“

Marchionnes #2 auf der Wunschliste wäre Volkswagen. Er meinte, dass die Bereitschaft zu einem Gespräch nun höher sein könnte, da man sich durch eine erstarkte PSA-Opel-Konkurrenz zusehends unter Druck befinde. Die Reaktion von VW-Chef Matthias Müller war aber ähnlich harsch wie die aus den USA. In einem Gespräch mit Reuters sagte er:

„Wir sind zu keinen Gesprächen in irgendeiner Art bereit … wir haben aktuell wirklich andere Probleme.“

Um die Machtverhältnisse zum Schluss noch ein wenig zu konkretisieren: VW hält mit rund 30% mit großem Vorsprung den Bärenanteil am europäischen Markt. Dahinter kommt auf Platz 2 nun PSA, die inklusive Opel auf rund 17 Prozent kommen. FCA hingegen ist weit abgeschlagen: Ihr Anteil liegt bei rund sieben Prozent. Zudem hat Volkswagen ja erst vorige Woche einen Deal mit dem indischen „Big-Player“ Tata unterzeichnet, über den man in Hinblick auf den wichtigen, asiatischen Markt zusammenarbeiten möchte.

1 Kommentare

  1. Jetzt hat dieser Shareholdervalueritter – denn Autofreak war er nie – zuerst Lancia durch „Chrysler-Badgeengeneering“ umgebracht.
    Fiat – einst unter Agnelli eine Marktmacht mit einem breiten Angebot von Kleinwagen bis in die Mittelklasse (man denke an 130 bis 132, den ersten Croma) – scheint nur mehr mit Panda und den Glücksgriff 500 in den Zulassungsstatistiken auf. Denn die aufgeblasenen 500er kann man vergessen und beim türkischen Tipo muss man erst abwarten, ob der was bringt. Alfa hat derzeit eine – vom Auftritt komplett verpatzte – Wiedergeburt – hoffentlich erfolgreich. Ferrari und Maserati sind ihm offenbar bisher entglitten.
    Und dann wundert er sich auch noch, wenn sich keiner um den von ihm verursachten Scherbenhaufen reisst und er Abfuhren bekommt. Man wartet eben als kluger Manager, bis FCA eine schöne Leich ist und pickt sich dann die Rosinen günstig raus.
    Gratulation, Herr Marchionne!

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