Peugeot 1007 Sporty 1,6 16V 2-Tronic

28. September 2005
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Peugeot
Klasse:Kleinwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:109 PS
Testverbrauch:7,9 l/100km
Modelljahr:2005
Grundpreis:19.300 Euro

Der Peugeot 1007 zieht mit seinen elektrischen Schiebetüren alle Blicke auf sich. Doch auch in seinem Inneren zeigt der gallische Microvan auf

Schauplatz Einkaufszentrum, am Parkplatz steht brav ein putziger Microvan. Plötzlich gleitet wie von Geisterhand eine Schiebetür nach hinten, gemächlich nähert sich sein Besitzer, besteigt den Fahrersitz, und ohne die Pforte berührt zu haben, schließt sich diese wieder lautlos.
Schon beim Besteigen des Peugeot 1007 erregt man also Aufsehen, zumindest derzeit noch. Das Konzept des Schiebetüren-Coupés entstammt übrigens der Studie Sésame“, mit der die Franzosen vor drei Jahren auf dem Pariser Automobilsalon Publikums-Reaktionen testen wollten – offensichtlich waren diese derart positiv, dass man sich zur Serienfertigung entschloss.
Die Anpassung der bislang nur bei wesentlich größeren Vans verwendeten Schiebetüren an einen Kleinwagen verlangte einiges Geschick. So musste zum Beispiel ausreichend bequemer Zugang zur zweiten Sitzreihe gewährleistet sein, doch durften die Türen auch in offenem Zustand nicht über das Heck hinausragen. Das bedingte quasi eine doppelte A-Säule mit großem Dreiecksfenster dazwischen.
Außerdem sollten die Türen beim Öffnen nicht zu weit nach außen schwenken, schließlich war ein Hauptargument das leichtere Einsteigen in engen Parklücken. Irgendwohin musste der Gleitmechanismus jedoch. Deshalb weist der 1007 im Fond um ganze 20 Zentimeter weniger Innenbreite auf als vorne. Das verhinderte von vornherein einen fünften Passagier-Platz und stempelte den 1007 zu einem – an Kleinwagen-Maßstäben gemessen – komfortablen Viersitzer.
Lange dauerte es auch, bis das neue Konzept allen Sicherheitsansprüchen der Franzosen genügte. Letztlich wurden die Bemühungen der Techniker jedoch belohnt: 36 von 37 möglichen Punkten und fünf Sterne für Insassen-Schutz im NCAP-Crashtest bedeuten für den 1007 absolute Kleinwagen-Spitze.
Ganz ohne Zugeständnisse kommt das ungewöhnliche Tür-System allerdings nicht aus. So geriet der Peugeot 1007 mit mehr als 1200 Kilo für ein 3,73-Meter-Auto sehr schwer. Die hohe Karosserie mit ebensolchem Luftwiderstand tut noch das ihre dazu, den Microvan selbst mit dem von uns getesteten 109 PS starken 1,6-Liter-Benziner nicht unbedingt „Sporty“ – so der Name der Top-Version – erscheinen zu lassen. Dementsprechend bleibt auch der Normverbrauch von 6,6 Liter im Mix graue Theorie, in der Praxis fährt man kaum unter acht Liter.
Das obligate automatisierte Fünfgang-Getriebe – die Motor-Getriebe-Kombination ist übrigens identisch mit der unseres Intensivtest-Citroën C2 (siehe Seite 74) – kann allerdings nichts dafür. Zwar gehen Gangwechsel im Automatik-Modus erst nach einigem Zögern vor sich, manuell via serienmäßiger Lenkrad-Wippen geschaltet, ist man jedoch so gut bedient wie mit einem normalen Schaltgetriebe und spart zudem lästiges Kuppeln.
In Sachen Variabilität bietet der 1007 einzeln verschiebbare Rücksitze mit Umlege-Lehnen, bei Bedarf kann auch die komplette Bank geteilt vorgeklappt werden. Dazu gibt´s unzählige, oft versteckte Ablagen, ein riesiges Handschuhfach sowie einen kleinen Panoramaspiegel zur Überwachung von Kindern & Co. im Fond.
Der eigentliche Innenraum-Clou betrifft jedoch die Farbgestaltung: Sollte das 1007-Interieur nach einiger Zeit von Kind und Kegel stark mitgenommen worden sein, kann man um 250 Euro einen neuen „Kit Caméléo“ erstehen – ein 18-teiliges Set von Armaturenbrett-Auflagen über Sitz- und Türpolsterungen bis zu den Luftaustritts-Einfassungen, in zwölf Farbkombinationen erhältlich und einfach selbst zu tauschen.

TECHNIK
R4, 16V, 1587 ccm, 80 kW (109 PS) bei 5800/min, max. Drehmoment 147 Nm bei 4000/min, automatisiertes Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: Dreiecksquerlenker, Federbeine, hinten: Verbundlenkerachse, Schraubenfedern, Teledämpfer, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 3731/ 1686/1620 mm, Radstand 2315 mm, 4 Sitze, Wendekreis 10,1 m, Servo, Reifendimension 195/50 R 16, Tankinhalt 40 l, Reichweite (bis Tankreserve) 460 km, Kofferraumvolumen 178-1048 l, Leergewicht 1216 kg, zul. Gesamtgewicht 1596 kg, max. Anh.-Last 1137 kg, 0-100 km/h 11,8 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 12,8 sec, Spitze 190 km/h, Steuer (jährl.) EUR 369,90, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 8,6/5,4/6,6 l, Testverbrauch 7,9 l ROZ 95
Preis: EUR 19.300,-

Serienausstattung: adaptive Front-, vordere Seiten-, durchgehende Kopfairbags, fahrerseitiger Knieairbag, ABS, Bremsassistent, ESP, Isofix, Klimaautomatik, Bordcomputer, E-Fensterheber, beheizbare E-Außenspiegel, FB-Zentralsperre, Servolenkung, Licht- und Regensensor, CD-Radio mit Lenkstock-FB, Sportsitze, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer, Aluräder etc.
Extras: Alarmanlage EUR 397,-, CD-Wechsler EUR 397,-, HiFi-System mit 8 LS
EUR 458,-, Dachreling EUR 231,-, Metallic-Lack EUR 398,-, E-Schiebedach EUR 770,-, Tempomat EUR 288,-, City-Paket (Einparkhilfe und anklappbare Spiegel) EUR 300,-, Navigationssystem ab EUR 1745,-, Winter-Paket (Sitzheizung und Scheinwerferreinigungsanlage) EUR 321,-
Zubehör: Kit Caméléo (austauschbare Interieur-Applikationen) EUR 250,-

FAHREN & FÜHLEN
Der 1600er-Benziner läuft seidig und ist gut gedämmt, Fahrleistungen und Durchzug des schweren und hohen Autos sind ausreichend. Guter Federungs-Komfort ohne Stoß-Neigung, längere Wellen lassen die Karosserie leicht nicken und wanken. In schnell gefahrenen Kurven gutmütig untersteuernd, das serienmäßige und bis 50 km/h abschaltbare ESP greift früh korrigierend ein. Direkte, eher schwergängige Lenkung mit hohen Rückstell-Kräften. Das automatisierte Getriebe schaltet weich, aber langsam und im Automatik-Modus oft zögerlich, die griffgünstigen Lenkrad-Wippen erleichtern manuelles Eingreifen. Bremsen gut dosierbar und standfest. Ausreichend komfortable Sitze mit geringer Wirbelsäulen-Unterstützung und wenig Seitenführung sowie mühsamer Höhenverstellung.

PLATZ & NUTZ
Vorne viel Kopf- und Ellbogenfreiheit, im Fond leidlich Platz für die Beine, aber eingeschränkte Breite. Kleiner Kofferraum mit hoher Ladekante, doch viel Erweiterungs-Potenzial: Die beiden Fond-Einzelsitze verfügen über Umlege-Lehnen und lassen sich – auch vom Heck aus und mit nur einer Hand – längs verschieben sowie komplett vorklappen, wobei am Ladeboden etwas störend die Sitzschienen zurück bleiben. Zahlreiche Ablagen wie etwa Laden unter den Vordersitzen oder Fächer im Fond-Boden, riesiges Handschuhfach. Karosserie-Übersicht nach vorne schlecht (auch wegen der massiven geteilten A-Säulen), nach hinten jedoch gut. Cockpit übersichtlich & logisch. Praktisch: gut platzierte Radio-Fernbedienung, angenehm regelnde und fast zugfreie Klimaautomatik, zusätzlicher Fondüberwachungs-Innenspiegel. Schade: keine seitlichen Tür-Armlehnen vorne, beengter Fond-Einstieg, Tank extra zu sperren.

Freundlich, praktisch, aufgeräumt: 1007er-Cockpit

DRAN & DRIN
Die Topausstattung „Sporty“ enthält Klimaautomatik, CD-Radio mit Lenkstock-Fernbedienung, E-Fensterheber und vieles mehr, gegen Aufpreis sind unter anderem Dachreling, E-Glas-Schiebedach und Navigation erhältlich (Details siehe Liste S. 51). Als Top-Benziner nicht mit herkömmlichem Schaltgetriebe zu haben. Verarbeitung sauber & klapperfrei. Polsterung strapazfähig, Kunststoff teilweise hart und nicht ganz kratzfest. Der Dachhimmel liegt seitlich zu den Schiebetüren hin frei und ist dementsprechend verformungs-anfällig. Putziges Außen-, freundlich-funktionelles Innen-Design, mittels „Kit Caméléo“ überdies farblich je nach Lust & Laune zu verändern.

SICHER & GRÜN
Besser als Kleinwagen-Standard: sieben Airbags (inkl. Knie-Polsterung), alle elektronischen Helferlein, fünf Sterne im NCAP-Crashtest. Kopfstützen (reichen vorne bis 1,90, hinten bis 1,75 Meter) und Dreipunktgurte für alle Sitzplätze, Isofix-Halterungen. Umwelt-Check ohne Tadel. Wagengröße und -gewicht schlagen sich im relativ hohen Testverbrauch nieder.

PREIS & WERT
Vom Tür-Konzept her steht der 1007 allein auf weiter Flur, eine Alternative ist noch am ehesten der fünftürige Renault Modus, der ähnlich motorisiert und ausgestattet etwas billiger kommt. Noch günstiger sind die – zwar stärkeren, im Raumkonzept aber nicht ganz vergleichbaren – Daihatsu YRV und Suzuki Ignis. Zwei Jahre Fahrzeug-Garantie inklusive Mobilitäts-Schutz, zwölf Jahre Garantie gegen Durchrosten. Service alle 30.000 Kilometer bzw. jährlich, dichtes Werkstatt-Netz. Werthaltung als Top-Benziner vermutlich nicht optimal.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Praktischer Microvan, originell dank Schiebetür-Technik & austauschbaren Innen-Dekors.


Fotos: Len Vincent

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 7-8/2005

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