Skoda Fabia 1,6 16V Sport

6. November 2007
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Skoda
Klasse:Kleinwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:105 PS
Testverbrauch:7,8 l/100km
Modelljahr:2007
Grundpreis:18.050 Euro

Der neue Skoda Fabia tritt ein schweres Erbe an. Hat er das Zeug dazu, über Jahre hinweg die Verkaufs-Hitlisten zu dominieren wie sein Vorgänger?

Skoda ging bei der Neuauflage des Fabia recht sachte vor. Logisch, markierte der Vorgänger doch lange Zeit die Spitze heimischer Kleinwagen-Verkäufe. Selbst in seinem siebenten Jahr verpasste er die Nummer Eins – Konzern-Bruder Polo – nur knapp. Die restliche Konkurrenz hechelte chancenlos hinterher.
So renovierten die Tschechen vor allem das biedere Äußere. Der Fabia lächelt nun freundlich mit dem Kühlergrill und lässt keck seine Gürtellinie nach hinten hin ansteigen. Doch am modischen Pummelheck oder den tropfenförmigen Scheinwerfern könnten wir uns mit der Zeit satt sehen.
In unserem Testwagen steckt der 105 PS-Benziner. Dank variabler Ventilsteuerung schiebt der 1600er schon bei niederen Touren brav an und dreht willig bis 6000 hoch. Das reicht für flottes Vorankommen. Diesel-Verwöhnte werden sich freilich mehr Punch wünschen. Unter Volllast wird der Vierzylinder rau und laut, sonst hält er sich akustisch im Hintergrund.
Ein dickes Lob verdient die Schaltung, die Gänge flutschen wie von selbst. Allein die kurze Übersetzung lässt auf der Autobahn Sehnsucht nach einer sechsten Fahrstufe aufkommen – schon des Verbrauchs wegen. Bei hohem Tempo wird der Tscheche nämlich rasch zum Tschecheranten. Dann kann der Bordcomputer auch einmal gut neun Liter anzeigen.
Der Fabia federt für einen Kleinwagen ausgesprochen komfortabel, dabei fährt er sich quirlig und handlich. Trotz nicht gerade direkter Lenkung waren unsere Slalom-Tests das reine Vergnügen. Im Grenzbereich reagiert der Skoda neutral, Lastwechsel drängen allerdings das Heck nach außen – vor allem bei voller Beladung. Da heißt es entweder sachte ein- oder beherzt gegenlenken. Die 380 Euro Aufpreis fürs ESP könnten zum Lebensretter werden.
Mit voller Zuladung kämpfen auch die Bremsen ein wenig. Zu Beginn noch einwandfrei, ließ ihre Wirkung nach den obligaten zehn Vollstopps aus 100 km/h merkbar nach, obwohl alle 105 PS-Versionen hinten mit Scheiben statt Trommeln ausgerüstet sind.
Bei unseren Tests auf teilweise glatten Fahrbahnen blieb der Fabia (mit ESP) stets gut kontrollierbar. Die langen Bremswege stellen aber weder der elektronischen Regelung noch dem Nassgriff der Reifen ein gutes Zeugnis aus.
Zum Innenraum: Die Sitze stehen höher als im Vorgänger, und die hohe Gürtellinie animiert die Insassen zusätzlich, sie nach oben zu pumpen – der Kopfraum lässt das locker zu. Damit sitzt man aufrecht, das verschafft ein üppiges Raumgefühl (und in Pole-Position schlechte Sicht auf Ampeln). Einzig der Schalthebel hat diese Entwicklung verschlafen. Er steht noch da wie eh und je – jetzt also zu tief.
Wer gewohnt ist, viel Kleinzeug mitzuführen, wird im Fabia aufleben. Praktische Ablagen finden sich in den Türen, in der Mittelkonsole, unter den Vordersitzen sowie in deren Rücklehnen. Zwei Handschuhfächer, eine aufklappbare Mittelarmlehne und ein Brillenfach im Dachhimmel komplettieren das Angebot. Wem das noch immer nicht reicht, der kriegt für 55 Euro zusätzlich Fächer in den Fondtüren sowie eine Korbhalterung und zwei Klapp-Haken im Kofferraum.
Das Gepäckabteil fasst für einen Kleinwagen beachtliche 300 Liter. Die Fondbank umzulegen bedarf allerdings ziemlicher Arbeit. Zum einen dürfen die Vordersitze nicht zu weit zurückgeschoben sein. Und dann müssen auch noch die Kopfstützen runter – die lassen sich aber nur bei halb vorgeklappter Lehne aus den Schienen ziehen.
Die vorgesehenen Einstecklöcher in der hochgeklappten Sitzfläche erweisen sich in der Folge als unbrauchbar. Am besten sind die abgenommenen Kopfstützen im Fond-Fußraum aufgehoben. Immerhin: Nach vollbrachtem Umbau steigt das Volumen auf 1163 Liter – Klassenbestwert.
Qualitativ ist Skoda längst zu einer der Vorzeige-Marken des VW-Konzerns gereift. Die tadellose Verarbeitung des Testwagens überraschte uns also nicht. Bleibt zuletzt noch die Frage nach dem Preis. Mehr als 20.000 Euro sind für einen Kleinwagen kein Klax, auch wenn er gut motorisiert und so reich bestückt ist wie unser Fabia. Zu den Billigmarken gehört Skoda mittlerweile jedenfalls auch nicht mehr.

Fabia-Cockpit: übersichtlich, logisch und praktisch – nur der Schalthebel sitzt zu tief

MOTOR & GETRIEBE
Der 1600er-Benziner packt schon aus niederen Touren spontan zu, unter Last klingt er rau und kernig. Brauchbare Fahrleistungen. Präzise und leichtgängige Schaltung, kurze Getriebe-Übersetzung. Schalthebel sitzt zu tief.

FAHRWERK & TRAKTION
Leichtgängige und überaus exakte Lenkung. Guter Fahrkomfort, neutrales Eigenlenkverhalten mit ausgeprägter Lastwechselreaktion. Bremsen fein dosierbar und einigermaßen standfest.

COCKPIT & BEDIENUNG
1A-Ergonomie, auch Klima und Radio begreift man rasch (die optionale Lenkstock-Fernbedienung kann man sich sparen). Exzellente Aufpreis-Sportsitze mit simpler Verstellung. Fein: die leise und zugfreie Klimaautomatik.

INNEN- & KOFFERRAUM
Viel Platz im Passagier- und Gepäckraum. 2:1 geteilte Fondbank umständlich vorzuklappen. Ladeabteil glattflächig, im Boden bleibt eine kleine Stufe. Weit aufschwingende, große Hecktür. Viele praktische Ablagen. Mäßige Karosserie-Übersicht, immerhin Heck-Einparkhilfe. Angenehm kleiner Wendekreis.

DRAN & DRIN
Sport“, die höchste der vier Ausstattungsstufen, enthält einige kleinwagen-unübliche Features wie Klimaautomatik, hochwertige Audioanlage und (zweistufige) Sitzheizung. Lange Extra-Liste mit ausgesprochen moderaten Preisen. Verarbeitung auf höchstem Niveau. Optisch und haptisch ansprechender Kunststoff, adrette Polsterung. Nur Boden und Kofferraum wirken billig ausgelegt, die Unterseite der Hutablage franst zudem aus.

SICHER & GRÜN
Komplettes Airbag-Programm. Bis auf ESP sind alle Elektronik-Fahrhilfen Serie. Ebenfalls Aufpreis kostet die dritte Fond-Kopfstütze. Der NCAP-Crashtest steht noch aus. Hohes Autobahn-Tempo treibt den sonst moderaten Verbrauch in die Höhe.

PREIS & KOSTEN
Fünftürig und in Top-Ausstattung kosten der identisch motorisierte VW Polo und der stärkere und noch reichlicher bestückte Renault Clio mehr. Alle anderen Kleinwagen sind billiger, Konzern-Bruder Seat Ibiza sogar um 2500 Euro. Übliche Garantie-Dauer, für die Klasse akzeptable Service-Intervalle. Trotz Top-Benziner ausgezeichnete Werthaltung zu erwarten.

FAZIT:
„Ein überzeugender Kleinwagen fast ohne Schwächen. Dem überaus erfolgreichen Vorgänger ist er aber nur in Kleinigkeiten wirklich überlegen.“

MOTOR-BAUART:
Vierzylinder Reihenmotor aus Aluminiumguss vorne quer liegend. Fünffach gelagerte Kurbelwelle, zwei oben liegende Nockenwellen mit Kettenantrieb, vier Ventile pro Zylinder, kontinuierliche Nockenwellen-Verstellung der Saugventile. Elektronische Saugrohr-Benzineinspritzung, kontaktlose Zündung mit vier Zündspulen. Abgasreinigung über zwei Dreiweg-Katalysatoren.

MOTOR-DATEN:
Hubraum 1598 ccm, Bohrung x Hub 76,5 x 86,9 mm, Verdichtungsverhältnis 10,5:1, Max. Leistung 77 kW (105 PS) bei 5600/min, Spez. Leistung 48,2 kW/l (65,7 PS/l), Max. Drehmoment 153 Nm bei 3800/min, Ölinhalt 3,6 l, Kühlwasserinhalt 5,9 l

KRAFTÜBERTRAGUNG:
Vorderradantrieb, Fünfgang-Getriebe.
I. 3,77, II. 2,10, III. 1,39, IV. 1,03, V. 0,81, R. 3,18
Achsantrieb 3,93

FAHRWERK:
Vorne: Dreiecksquerlenker, McPherson-Federbeine, Torsionsstabilisator. Hinten: Verbundlenker-Kurbelachse, Schraubenfedern, Gasdruck-Teleskopdämpfer. Radstand 2462 mm, Spurweite vorne/hinten 1432/1422 mm. Zahnstangen-Lenkung mit elektrohydraulischer Servounterstützung. Hydraulische Zweikreisbremse mit Bremskraftverstärker, Scheibenbremsen mit Einkolben-Schwimmsattel (vorne innenbelüftet). Feststellbremse auf die Hinterräder wirkend. Reifen & Räder: 205/45 R 16 83W Continental SportContact2 auf Leichtmetall-Felge 6,5 J x 16.

KAROSSERIE:
5 Türen/5 Sitze, Luftwiderstandsbeiwert cw 0,33, Stirnfläche A 2,12 m2, Luftwiderstandsindex A x cw 0,70, Länge/Breite/Höhe 3992/1642/1498 mm, Wendekreis 10,0 m, Tankinhalt 45 l, Eigengewicht 1070 kg, max. zul. Gesamtgewicht 1585 kg, max. zul. Dachlast 75 kg, max. zul. Anhänge-Last 1000 kg, Kofferraumvolumen (VDA-Norm) 300-1163 l

VERBRAUCH:
Norm (Stadt/außerorts/ Mix) 9,1/5,6/6,9 l, Testverbrauch 7,8 l/100 km ROZ 95 (entspricht CO2 182 g/km), Reichweite (bis Tankres.) 510 km

FAHRLEISTUNGEN:
Werksangaben: 0-100 km/h 10,1 sec, Spitze 190 km/h
ALLES AUTO-Messwerte: 0-80 km/h 7,8 sec, 0-100 km/h 11,4 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 11,9 sec, 80-120 km/h (im 4. Gang) 12,1 sec

WARTUNG:
Service/Ölwechsel alle 15.000/15.000 Kilometer

GARANTIE:
2 Jahre Fahrzeug-Garantie ohne Kilometerbegrenzung, 3 Jahre Lack-Garantie, 10 Jahre Garantie gegen Durchrosten, lebenslange Mobilitätsgarantie (bei vorschriftsmäßiger Wartung)

PREIS UND AUSSTATTUNG:
Basispreis: EUR 18.050,-
Serienausstattung: Front-, vordere Seiten- und durchgehende Kopfairbags, ABS, Bremsassistent, fünf Dreipunktgurte (Gurtstraffer vorne), vier höhenverstellbare Kopfstützen, Isofix, Klimaautomatik, CD-Radio mit 8 LS, E-Fensterheber vorne, beheizbare E-Außenspiegel, Bordcomputer, Einparkhilfe hinten, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer, beheizbare und höhenverstellbare Vordersitze, längs- und höhenverstellbare Lenksäule, Rückbank und -lehne 2:1 umlegbar, Aluräder, FB-Zentralsperre etc.
Extras: ESP EUR 380,-, mittlere Fond-Kopfstütze EUR 30,-, Beifahrer-Airbag abschaltbar EUR 55,-, Alarmanlage EUR 230,-, Navigationssystem (Via Michelin) EUR 495,-, CD-Wechsler EUR 360,-, Bluetooth-Freisprechanlage EUR 330,-, Audio-Fernbedienung EUR 80,-, E-Fensterheber hinten EUR 180,-, Sportsitze EUR 205,-, Teilleder-Polsterung EUR 845,-, Ablage- Paket EUR 55,-, Abbiegelicht EUR 115,-, Kurven- und Abbiegelicht EUR 265,-, Reifendruck-Kontrolle EUR 55,-, Tempomat EUR 140,-, Schlechtwege-Paket (Fahrwerk höher, Unterfahrschutz) EUR 185,-, E-Schiebedach EUR 530,-, getönte Seitenscheiben ab B-Säule EUR 70,-, Metallic-Lack EUR 380,- etc.


Fotos: Robert May

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 7-8/2007

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