Skoda Roomster 1,4 TDI Sport

18. Dezember 2006
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Skoda
Klasse:Van
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:80 PS
Testverbrauch:6 l/100km
Modelljahr:2006
Grundpreis:20.520 Euro

Neuer, unkonventioneller Zugang im Segment der Microvans: Skoda Roomster, im Test als Topversion Sport“ mit 80-PS-Diesel

Skoda näherte sich dem Thema Microvan, indem man den Fond eines Kleinwagens zum familiengerechten Wohnraum aufblies. So entstand der Roomster innerhalb von nur zweieinhalb Jahren überwiegend aus vorhandenen Bauteilen. Antriebsstrang und Vorderachse nehmen den nächsten Fabia vorweg, die Hinterachse stammt aus der Vorgänger-Generation des Octavia und das Sitzkonzept aus dem Touran von Konzern-Mutter VW. Gänzlich neu ist die gefällig gestylte Karosserie mit ihren großen Glasflächen.

FAHREN & FÜHLEN
Am Stand und unter Last nagelt der Dreizylinder-Diesel unüberhörbar, rüttelt dank Ausgleichswelle aber nie. Um zügig voranzukommen, muss man sich in dem schmalen Band zwischen 2000 und 3500 Touren bewegen. Fällt die Drehzahl beim Anfahren oder bei niedrigem Tempo zu stark ab, kann es quälend lang dauern, bis der 80-PS-Selbstzünder loslegt.
Einmal in Fahrt, zieht sich der Motor dann akustisch zurück, auch Wind- und Abroll-Geräusche bleiben im Rahmen. Der Roomster federt straff, bei voller Beladung kann er jedoch leicht hoppeln. In schnell gefahrenen Kurven beginnt er früh und gutmütig zu untersteuern, störende Lastwechsel-Reaktionen sind ihm fremd.
Die Lenkung arbeitet präzise, aber nicht besonders direkt. Schaltung und Bremsen – die Top-Modelle „Sport“ und „Comfort“ haben auch an der Hinterachse Scheiben – versehen ihren Dienst unauffällig. Die Sitze sind straff, körpergerecht geformt und einfach zu verstellen, allerdings etwas knapp bemessen.

PLATZ & NUTZ
Vier Erwachsene finden im Roomster gut Platz, der schmale mittlere Fondsitz ist nur eine Notlösung. Dafür genießt man hinten dank großer Fensterflächen und um fünf Zentimeter höherer Sitzposition ungewohnt gute Aussicht.
Die Fondsitze kann man einzeln längs verschieben und deren Lehnen in der Neigung verstellen sowie komplett umlegen. Zudem lassen sich die Möbel als Ganzes hochklappen oder mit wenigen Handgriffen einfach ausbauen.
Der glattflächige Kofferraum fasst schon in Basis-Konfiguration 450 Liter, maximal sind es 1780. Mehrere Haken, Ösen, Extra-Staufächer und ein abnehmbares Halte-Netz sind serienmäßig, beim Einräumen hilft zudem die niedrige Ladekante.
Es gibt viele praktische Ablagen im Roomster, darunter zwei Handschuhfächer sowie große Fond-Türtaschen. Tadellose Rundumsicht und kleiner Wendekreis machen Rangieren zum Kinderspiel.
Nicht zu Ende gedacht ist die Tagfahrlicht-Logik: Mit dem permanent aktivierten Abblend- und Rücklicht ist man zwar auch bei Nacht und in Tunnels korrekt unterwegs, die dabei fehlende Armaturen-Beleuchtung zwingt aber erst wieder zu manuellem Auf- und Abdrehen des Lichts.

Gewohnt gute Skoda-Ergonomie, erstaunlich hochwertige Materialien: Roomster-Cockpit

DRAN & DRIN
Die beiden preisgleichen Top-Versionen „Sport“ und „Comfort“ unterscheiden sich ausschließlich in Design-Elementen, nicht aber in der Ausstattung. Beide haben etwa Klimaautomatik, CD-Radio, vier One-Touch-Fensterheber und Einparkhilfe serienmäßig, die Aufpreisliste ist für die Klasse geradezu üppig (siehe Liste oben).
Ein fragwürdiges (und mit 735 Euro nicht gerade billiges) Extra ist das große Glas-Panoramadach. Es bringt zwar viel Licht in den Innenraum, bei starker Sonneneinstrahlung aber auch unerträgliche Hitze – die Abdeck-Rollos sind nämlich ziemlich durchlässig.
Die Verarbeitung ist solide, einzig das optionale mobile Navigationssystem unseres Testwagens schepperte auf schlechten Straßen. Dafür sind die Materialien relativ gediegen, bis hin zu Dachhimmel und Kofferraum-Auskleidung.

SICHER & GRÜN
ESP und mittlere Fond-Kopfstütze kosten extra, alle anderen wichtigen Safety-Features sind serienmäßig an Bord. Dem NCAP-Crashtest wurde der Roomster noch nicht unterzogen, Skoda verspricht aber höchste Sicherheit, auch beim erst 2010 obligaten Fußgänger-Schutz.
Der Partikelfilter ist beim 80-PS-Diesel Standard, der Verbrauch des 1400ers liegt im Roomster zwar höher als in Polo oder Fabia, aber immer noch im Rahmen.

PREIS & KOSTEN
Skoda lässt sich die Top-Ausstattung ordentlich bezahlen, die Basis „Shine“ ist um über 3000, der „Style“ um immer noch knapp 2900 Euro billiger. Damit liegt der Roomster „Sport“ preislich über ähnlich motorisierten Konkurrenten wie Citroën Berlingo, Fiat Doblò, Opel Meriva oder Renault Kangoo – gegenüber Letzterem sogar deutlich.
Konzern-üblich gibt es zwei Jahre Fahrzeug-Garantie, deren zwölf gegen Durchrosten und bei Service-Treue lebenslänglichen Mobilitäts-Schutz. Ein Indiz für ausgezeichnete Werthaltung ist die große Nachfrage. Noch vor dem Marktstart musste Skoda im tschechischen Werk Kvasiny eine dritte Produktionsschicht einführen.

FAZIT :
Pfiffiger und praktischer Wohn-Laster, der Microvans die Show stehlen könnte.

TECHNIK
R3, 6V, Turbo, 1422 ccm, 59 kW (80 PS) bei 4000/min, max. Drehmoment 195 Nm bei 2200/min, Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (v bel.), L/B/H 4205/1684/1607 mm, Radstand 2617 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,3 m, Reifendimension 195/55 R 15, Tankinhalt 55 l, Reichweite (bis Tankreserve) 830 km, Kofferraumvolumen 450-1780 l, Leergewicht 1245 kg, zul. Gesamtgewicht 1760 kg, max. Anh.-Last 1000 kg, 0-100 km/h 14,7 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 10,9 sec, Spitze 165 km/h, Steuer (jährl.) EUR 231,-, Werkstätten in Österreich 145, Inspektion/Ölwechsel alle 30.000/15.000 km, Normverbr. (Stadt/außerorts/Mix) 6,5/4,4/5,2 l, Testverbrauch 6,0 l Diesel
Preis: EUR 20.520,-

Serienausstattung: Front-, vordere Seiten- und durchgehende Kopfairbags, fünf Dreipunktgurte, vier Kopfstützen, ABS, Bremsassistent, Traktionskontrolle, Isofix, Klimaautomatik, CD-Radio mit 8 LS, beheizbare E-Außenspiegel, E-Fensterheber v, Sitzheizung v, Einparkhilfe h, FB-Zentralsperre, Aluräder, Nebelscheinwerfer etc.
Extras: Alarmanlage EUR 230,-, Kurven/Abbiegelicht EUR 465,-, Reifendruck-Kontrolle EUR 55,-, CD-Wechsler EUR 360,-, Navigationssystem ab EUR 720,-, Dachreling EUR 165,-, ESP EUR 415,-, Ablage-Paket EUR 55,-, Fahrrad-Halter im Gepäckraum EUR 195,-, E-Fensterheber h EUR 180,-, mittlere Fond-Kopfstütze EUR 30,-, Lederlenkrad EUR 225,-/335,-, Multifunktions-Lenkrad EUR 80,-, Teilleder-Polsterung EUR 845,-, Aluräder 16″ EUR 175,-, Panoramadach EUR 735,-, Tempomat EUR 140,-, Metallic-Lack EUR 380,- etc.


Fotos: Robert May

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 10/2006

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