Jetzt steht dessen Nachfolger parat, und gegen die schnittige Neuauflage X118 wirkt das Design des Vorgängers X117 im direkten Vergleich fast ein bisserl patschert. Formal hat sich wenig getan: Das Grundvolumen des Kofferraums blieb gleich, das Gepäckabteil wurde jedoch deutlich breiter – das gilt auch für die Öffnung, die die elektrische Heckklappe freigibt. Allerdings stieg die Höhe der Ladekante um satte sechs Zentimeter, sehen wir es positiv im Sinne der Karosserie-Steifigkeit.
Beim Passagier-Platzangebot tat sich im Grunde nichts, der CLA Shooting Brake ist also innen nach wie vor knapp geschnitten, vor allem im Fond. Man ahnt es schon beim mühsamen Einstieg über die kleinen Türen – doch das kennt man bereits von der Ausgangs-Basis, also dem „normalen“ CLA.
Der Shooting Brake-Aufschlag ist je nach gewählter Motorisierung unterschiedlich, beim getesteten mittleren Diesel beträgt er 1080 Euro. Der moderne Vollalu-Motor mit zwei Liter Hubraum und 150 PS stellt übrigens eine gute Wahl dar, er ist kultiviert sowie ausreichend bullig – und wirklich sparsam. Dazu glänzt der 200 d in Sachen Abgase als Musterschüler.
Kann der Rucksack-CLA ein Konkurrent zum größeren Kombi-Bruder C-Klasse T-Modell sein? Attraktiver ist er jedenfalls nicht nur optisch, sondern auch preislich – die Differenz beträgt satte 3330 Euro. Doch wer öfters mit großem Gepäck oder erwachsenen Fond-Passagieren fährt, sollte sich den Lader auf A-Klasse-Basis verkneifen.
Vielmehr ist der Shooting Brake ein Lifestyle-Produkt – und weil es vom aktuellen CLS keinen „Kombi“ mehr gibt, auch irgendwie konkurrenzlos.
Wäre da nicht ein ähnlich gearteter Konkurrent: der Kia ProCeed. Bei Premium-Kunden mag diese Alternative Naserümpfen auslösen, dazu ist der Koreaner vom Basis-Tarif her nicht viel billiger – doch angesichts der weitaus besseren Serienausstattung und der Siebenjahres-Garantie könnte man durchaus einen Seitenblick zum Fernost-Wagen wagen.
Fahrwerk & Traktion – Auch mit dem bei der AMG Line obligaten Sportfahrwerk nicht unkomfortabel, dabei agil und sicher in flotten Kurven – ohne Tücken beim Gaswegnehmen. Die feinfühlig-exakte Lenkung könnte einen Tick direkter sein. Bremsen auf Sportwagen-Niveau, selten Traktions-Probleme.
Cockpit & Bedienung – Gute Sitzposition auf den vielfach justierbaren Sportmöbeln, der enge Schnitt im Schulterbereich und die mühsame manuelle Verstellung stören freilich. Nach etwas Eingewöhnung klappt die Bedienung inklusive Multimediasystem gut (auch dank 1A-Sprachsteuerung). Nicht sonderlich sinnvoll sind die kleinen Touchpads am Lenkrad, am zentralen Touchpad-Controller in der Mittelkonsole kommt man oft unabsichtlich an. Genug Ablagen. Minus: kleiner Kraftstoff-Tank, Sicht nach hinten schlecht (Rückfahrkamera immerhin Serie, Rundum-Kameras als Option).
Innen- & Kofferraum – Vorne genug Platz, im Fond spürbar enger – auch gelingt der Einstieg dorthin ob schmaler Türausschnitte nicht so easy. Grundvolumen des Kofferraums durchaus OK (Maximalwert ob elegantem Dachabschluss eher nicht), dazu breite Öffnung, aber hohe Ladekante. Keine Stufe nach Umlegen der 2:1:2-Fondlehnen. Zwei interessante Extras um jeweils 194 Euro: umlegbare Beifahrersitz-Lehne sowie das Laderaum-Paket mit Netzen, Wendematte und neigungsverstellbaren Fondlehnen.
Dran & Drin – Als AMG Line mit sportlichem Optik-Aufputz innen wie außen sowie ausreichend Komfort-Features. Massig Extras, zum Teil in sinnvollen Paketen zusammengefasst. Sehr gute Material- und Verarbeitungsqualität. Allrad gegen 3420 Euro Aufpreis. Schwarz und gelb (!) sind die einzigen aufpreisfreien Farben.
Schutz & Sicherheit – Sieben Airbags serienmäßig, als Extra gibt es sogar Seitenpolster hinten. Einige Assistenzsysteme aufpreisfrei (in der Praxis agieren diese bisweilen übervorsichtig bzw. unharmonisch und sind eher mühsam zu deaktivieren), die restlichen Helferlein sind über die Extraliste dazukaufbar.
Preis & Kosten – Der einzige echte Konkurrent, der etwas schwächere Kia ProCeed, ist mit optionaler Automatik nur 1250 Euro günstiger als der CLA im Basis-Trimm ohne AMG Line, aber deutlich besser bestückt. Benz-Plus: sehr günstiger Verbrauch. Jahresservice Pflicht, vermutlich gute Werthaltung, vier Jahre Garantie.







