Toyota Prius 1,5 VVT-i Hybrid Komfort

22. Dezember 2004
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Toyota
Klasse:Kompaktwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:146 PS
Testverbrauch:5,8 l/100km
Modelljahr:2004
Grundpreis:26.327 Euro

Vollwertige Fünftür-Limousine mit Hybrid-Antrieb: Toyota Prius in der Zweitauflage

Die Idee, einen kleinvolumigen Benziner mit einem Elektromotor zu kombinieren und dadurch Verbrauch und vor allem Abgas-Emissionen deutlich zu senken, ist inzwischen nicht mehr neu. Toyota war nämlich mit dem Prius I Ende 2000 der erste Anbieter auf dem europäischen Markt. Verkäufe in größeren als homöopathischen Dosen waren allerdings nicht drin.
Vorweg: Die Nachteile des Vorgängers, nämlich eingeschränkte Alltagstauglichkeit, schwache Fahrleistungen und ein altmodisch-biederes Äußeres, hat der Neue zu einem Gutteil abgelegt. Der Prius II wurde zum vollwertigen Auto. Mit genügend Platz, guter Beschleunigung und einer eigenwilligen, aber nicht unharmonischen Karosserie. Kriterien, die auf unserem Kontinent wirklich wichtig sind – die Erstauflage war ja nur in Japan und den USA eine fixe Größe in der Zulassungsstatistik. Vor allem in Kalifornien gilt es inzwischen schon als schick, derlei Fahrzeuge zu bewegen und sich damit als Umwelt-Freund zu outen, prominente Piloten wie Leonardo DiCaprio und Cameron Diaz inklusive.
Zurück zum Testwagen: Kernstück des sogenannten Hybrid Synergy Drive“ ist ein stufenloses Planeten-Verteilergetriebe, auf das sowohl der 78-PS-Benziner (eine Weiterentwicklung des 72-PS-Aggregats im alten Prius), als auch der 68-PS-Elektromotor ihre Kraft übertragen.
Eine aufwändige Steuer-Elektronik sorgt permanent für die sinnvollste Antriebs-Art: Beim Anfahren, im Retourgang und bei gemächlichem Tempo ist etwa der drehmomentstarke Stromer der Chef, bei hohen Geschwindigkeiten arbeitet der Benziner effizienter. Will man jedoch alles aus seinem Prius herausholen, packen beide gleichzeitig an.
Beim bergab Fahren und Bremsen entstehende Energie geht nicht wie üblich verloren, sondern wird per Generator den im Boden des Hecks gelagerten Batterien einverleibt. Werden die Akkus doch einmal leer, lädt sie der Benziner automatisch wieder auf, der Elektromotor hat in diesem Fall kurzfristig Sendepause.
Kommt das Fahrzeug zum Stillstand, stellt sich der Verbrennungsmotor sofort ab, Klimaanlage und andere Verbraucher werden dann über die Batterien gespeist. Steigt man wieder aufs Gas, ist der E-Motor schlagartig präsent. Dank seiner jederzeit zur Verfügung
stehenden 400 Newtonmeter schaltet sich der Benziner erst ab rund 40 km/h zu – sanfte Gaspedal-Behandlung allerdings vorausgesetzt.
Das Ungewohnte dabei: In Parkgaragen oder verkehrsberuhigten Zonen surrt man nahezu lautlos – eben rein elektro-getrieben – dahin und sollte besser vorausschauend fahren. Passanten überhören den Prius nämlich häufig.
Generell ist die Stadt das bevorzugte Revier des Hybrid-Toyota, hier kann er seine Drehmoment- und Verbrauchs-Vorzüge am besten ausspielen. Auf der Autobahn müht er sich dagegen ab, wie der dann lärmende Benzin-Motor dokumentiert.
Von einem schalen Kompromiss kann beim neuen Prius trotzdem nicht die Rede sein. Denn neben passablen Platzverhältnissen für vier Personen plus Gepäck gibt´s natürlich die bekannten Toyota-Meriten wie Qualität und Zuverlässigkeit. Und der Praxis-Verbrauch liegt immerhin auf Diesel-Niveau.

TECHNIK
R4, 4-Ventil-Technik, 1497 ccm, 57 kW (78 PS) bei 5000/min, max. Drehmoment 115 Nm bei 4000/min, (E-Motor: Drehstrom-Synchronmotor mit Dauermagnet, 50 kW (68 PS) bei 1200-1540/min, max. Drehmoment 400 Nm bei 0-1200/min) stufenloses Planeten-Verteilergetriebe, Vorderradantrieb, vorne: Federbeine, Querlenker, Stabilisator, hinten: Verbundlenkerachse, Stabilisator, Federbeine, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4450/1725/1490 mm, Radstand 2700 mm, 5 Sitze, Reifendimension 195/55 R 16, Wendekreis 11,0 m, Tankinhalt 45 l, Reichweite (bis Tankreserve) ca. 690 km, Kofferraumvolumen 408 l, Leergewicht 1315 kg, zul. Gesamtgewicht 1725 kg, max. Anh.-Last -, 0-100 km/h 10,9 sec, Spitze 170 km/h, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 5,0/4,2/4,3 l, Testverbrauch 5,8 l ROZ 95
Preis: EUR 26.327,-

Serienausstattung: Front- und Seitenairbags vorne, durchgehende Kopfairbag-Vorhänge, ABS, Bremsassistent, elektron. Stabilitätsprogramm, Isofix-Halterungen, Kopfstützen und Dreipunktgurte für alle fünf Sitzplätze, Klimaautomatik, FB-Zentralsperre, E-Fensterheber, Tempomat, Bordcomputer, Fahrersitz in Höhe verstellbar, CD-Radio inkl. CD-Wechsler, Lenkrad-FB u. JBL-Soundsystem mit 9 LS, Nebelscheinwerfer, Alufelgen, schlüsselloser Zugang etc.
Extras: Metallic-Lack EUR 433,-, Navigationssystem EUR 2472,-

FAHREN & FÜHLEN
Drückt man den Startknopf, ist der E-Motor sofort einsatzbereit, der Benziner meldet sich erst bei Bedarf automatisch zu Wort. Kraftvoller Durchzug und gleichmäßige Beschleunigung vom Stand weg sorgen für recht gute Fahrleistungen. Bei hoher Geschwindigkeit wird allerdings der – dann auf sich allein gestellte – Benziner müde und laut. Komfortabel: das stufenlos und damit ruckfrei arbeitende Planeten-Getriebe. Lenkung: sehr leichtgängig, aber unpräzise, auf der Autobahn etwas nervös. Sehr bissig ansprechende, ausreichend wirksame Bremsen, nicht ganz fading-frei. Fahrwerk: sanft abgestimmt, nur bei kurzen Stößen überfordert, starke Untersteuer-Tendenz. Früh und ruckartig eingreifende Stabilitäts- und Traktionskontrolle. Sitze: schwach konturiert, zu geringe Schulter- und Schenkelauflage.

PLATZ & NUTZ
Platzangebot vorne auf Kompaktklassen-Niveau, im Fond geringe Kopf-, aber großzügige Kniefreiheit. Ausreichend großer, jedoch flacher Kofferraum mit verstecktem Fach unter dem Ladeboden, erweiterbar via 2:1 geteilt umklappbaren Fondlehnen. Übersicht nach vorne schlecht, nach hinten dank vertikaler Zusatz-Scheibe OK. Bordcomputer gewöhnungsbedürftig, dank großem Touch-Screen aber leicht zu bedienen. Minus: Sitzposition nicht optimal, da das Lenkrad in der Reichweite gar nicht und in der Höhe nur unzureichend verstellt werden kann, One-Touch-Fensterheber nur fahrerseitig. Praxis-Plus: zahlreiche Ablagen, Lenkrad-Fernbedienung für Klima, Radio und Bluetooth-Freisprecheinrichtung.

DRAN & DRIN
Feine Ausstattung in der Top-Version namens „Komfort“, zusätzlich zum Basis-Prius (bereits u. a. mit Klimaautomatik, Hifi-Anlage und Bordcomputer) gibt´s CD-Wechsler, schlüssellosen Zugang und Tempomat. Nur zwei Extras erhältlich: Metallic-Lack und Navigationssystem. Nahezu perfekte Verarbeitung, teils billig wirkende Materialien, nicht sehr strapazfähige Sitzbezüge. Technoide Atmosphäre innen, durchaus gefällig geformte Karosserie.

SICHER & GRÜN
Sicherheit auf hohem Niveau: adaptive Frontairbags, Seitenairbags und durchgehende Kopfairbag-Vorhänge gibt es ebenso ab Werk wie ABS, Bremsassistent, elektronische Stabilitätskontrolle und Isofix-Kindersitz-Halterungen. Auf allen Plätzen Dreipunkt-Gurte und Kopfstützen (reichen vorne bis 1,85 Meter, hinten nur bis 1,70 Meter Körpergröße). Tadelloser Umwelt-Check inklusive toller Abgas-Bilanz, Praxis-Verbrauch nicht ganz auf dem versprochenen Niveau.

PREIS & WERT
Wirkliche Konkurrenten gibt es für den Prius nicht, auch der um rund vier Tausender billigere Soft-Hybrid Honda Civic IMA ist nur bedingt vergleichbar. Nüchtern betrachtet liegt er preislich am oberen Ende der Kompaktklasse, bietet immerhin genug Platz und revolutionäre Technik. Werthaltung dennoch fraglich. Drei Jahre Neuwagen-Garantie (inklusive Mobilität), erweiterbar auf fünf Jahre, acht Jahre auf alle Hybrid-Komponenten, zwölf Jahre Antidurchrost-Versprechen. Service alle 30.000, Ölwechsel alle 15.000 Kilometer, dichtes Werkstatt-Netz.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL :
Unauffällig-souveräne Hybrid-Technik im alltagstauglichen Kompaktklasse-Paket.

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 4/2004

Fotos: Alois Rottensteiner „

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