VW Golf 1,9 SDI

30. Oktober 2002
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:VW
Klasse:Kompaktwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:68 PS
Testverbrauch:5 l/100km
Modelljahr:2002
Grundpreis:16.809 Euro

Die 68er-Bewegung ist längst vorbei, und nicht nur Mick Jagger wird älter, auch bei vielen Autofahrern gewinnt die Vernunft langsam die Oberhand. Da kommt das neue Golf-Sondermodell mit seinem 68 PS starken Saugdiesel gerade recht. Während Wolfsburg am oberen Ende der Skala aufrüstet und mit dem R 32 den Über-Golf für die betuchtere Wörthersee-Fraktion loslässt, startet mit eben jenem Spar-Diesel“ gleichzeitig der günstigste, vernünftigste und zahmste Kompakt-VW.
Vorweg: Bis auf flottes Mitschwimmen im Stadt-Verkehr (die unteren Gänge sind recht kurz übersetzt) darf man keine dynamischen Überraschungen erwarten. Für den Sprint auf 100 km/h muss man siebzehn Sekunden kalkulieren, auf der Autobahn bergauf fleißig schalten. Dem gegenüber stehen der relativ günstige Einstiegspreis von knapp 16.000,- Euro für den Dreitürer, an der Tankstelle darf man sich dazu über Vier-Liter-Verbräuche freuen. Schade bloß, dass Wolfsburg den Spar-Gedanken auch auf die Serien- und Sicherheits-Mitgift übertragen hat. Sofern man nämlich nicht zusätzlich gut 1.000,- Euro in die (empfehlenswerte) „Comfortline“-Ausstattung investiert, fährt der SDI ohne elektronisches Stabilitätsprogramm, für die Klimaanlage muss in jedem Fall extra gezahlt werden. Da bleibt die Frage, ob man nicht lieber bei der Konkurrenz gustiert, wo um ähnliche Preise frischere Modell-Generationen angeboten werden – mit mehr Ausstattung, mehr Platz und mehr Power als 68 Saugdiesel-PS.

TECHNIK
4-Zylinder-Reihe, 1896 ccm, 50 kW (68 PS) bei 4200/min, max. Drehmoment 133 Nm bei 2200/min, Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: Querlenker, Stabilisator, Federbeine, hinten: Mehrlenkerachse, Stabilisator, Schraubenfedern, Stoßdämpfer, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4149/1735/1444 mm, Radstand 2511 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,9 m, Servo, Reifendimension 195/65 R 15, Tankinhalt 55 l, Reichweite (bis Tankreserve) 900 km, Kofferraumvolumen 352-735 l, Leergewicht 1158 kg, zul. Gesamtgewicht 1710 kg, 0-100 km/h 17,2 sec, 60-100 (im 4. Gang) 12,5 sec, Spitze 160 km/h, Steuer (jährl.) EUR 171,60, Normverbrauch (Stadt/ außerorts/Mix) 6,9/4,2/5,1 I, Testverbrauch 5,0 l Diesel
Preis (5tg.): EUR 16.809,-

FAHREN & FÜHLEN
Der Direkteinspritz-Saugdiesel springt flott an und liefert – neben erfreulich spontaner Gas-Annahme – erstaunlich kräftigen und gleichmäßigen Vortrieb. Ähnlich rau wie die TDI-Kollegen bei Diesel-Sound und Laufkultur. Komfortabel und relativ weich ausgelegtes Fahrwerk, brav untersteuernd und sicher im Grenzbereich, gute Traktion, direkt-präzise Lenkung. In den unteren Gängen spaßig kurz gestuftes Getriebe, fallweise hakt die Schaltung aber. Bremsen: wirksam, frei von Fading, doch gewöhnungsbedürftig bissig und nicht ganz leicht zu dosieren. Große, gut gepolsterte, absolut langstreckentaugliche Sitze.

PLATZ & NUTZ
Platzmäßig merkt man dem Golf sein Alter an, hier bietet die Konkurrenz schon mehr Raum für Knie, Kopf & Koffer. Das kompakte, aber gut nutzbare Ladeabteil ist via 2:1 geteilt umlegbarer Fondlehnen erweiterbar und über eine niedrige Ladekante einfach zu befüllen. Ausreichend Ablagen im Inneren, Vordersitze in der Höhe, Lenkrad auch in der Reichweite verstellbar, alle Fensterheber mit One-Touch. Minus: zu tief platzierte Heizungs-Regler.

DRAN & DRIN
Serie im günstigsten Golf: Zentralverriegelung, Servolenkung, vier E-Fensterheber, Kassettenradio mit 4 LS etc. Die „Comfortline“-Ausstattung bietet um rund 1.000,- Euro Aufpreis zusätzlich FB-Zentralsperre, Bordcomputer, Alarmanlage und Mittelarmlehne vorne. Außerdem gegen Extra-Geld: Klimaanlage, Xenon-Licht etc. Nicht erhältlich: Automatik. Fein verarbeitete, recht hochwertige Materialien.

SICHER & GRÜN
„Spar-Diesel“-Sicherheit: Front- und Seitenairbags vorne, ABS, fünf Dreipunktgurte (vorne mit Straffern und Kraftbegrenzern) und vier Kopfstützen (reichen vorne bis 1,85, hinten bis 1,75 m), Isofix-Halterungen. Erst gegen Aufpreis an Bord: Traktionskontrolle, ESP, Kopfairbags vorne. Toller Verbrauch, tadellose Umwelt-Bilanz.

PREIS & WERT
Zwar ist das Sondermodell der günstigste Einstieg in die Golf-Welt, um gerade 400,- Euro mehr steht aber etwa schon ein stärkerer und weit geräumigerer Peugeot 307 mit Common-Rail-Diesel in der Liste. Golf-Pluspunkte: stabile Werthaltung, dichtes Werkstatt-Netz, problemlose Technik. Zwei Jahre Neuwagen-Gewährleistung, ein Jahr Mobilitäts-Garantie, zwölf Jahre gegen Durchrosten. Plus: Service & Ölwechsel verschleißabhängig.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL
Günstigster Golf mit erstaunlich kräftigem Spar-Diesel. Schade nur, dass VW auch bei der Sicherheit knausert.

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 10/2002

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