VW Passat Variant 1,9 TDI Comfortline

24. November 2014
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:VW
Klasse:Kombi
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Diesel
Leistung:105 PS
Testverbrauch:6,3 l/100km
Modelljahr:2005
Grundpreis:28.423 Euro

Die elegante Hülle verbirgt einen der größten Kofferräume der Mittelklasse: neuer VW Passat Variant

Doppelte Lösung

Viel Laderaum und elegante Linienführung vereinen will jeder Kombi. Beim neuen VW Passat Variant gelang es aber besonders gut.

Grundsätzlich betrachtet gibt es zwei Kombi-Gattungen: Zum einen den klassischen Last-Esel, der auch entsprechend genützt wird. Zum anderen die Lifestyle-Abteilung, die gern Laderaum zugunsten der schicken Linienführung opfert. Die Vorteile beider Varianten zu vereinen, fordern natürlich heraus.
Genau das will der neue Passat Variant jetzt schaffen. Leicht ist dieses Vorhaben nicht: Neue Käufer durch ein gelungenes Design zu gewinnen, ist die eine Sache. Langjährige Kunden durch einen zu kleinen oder zu unpraktischen Laderaum zu verlieren, kann sich Volkswagen aber bei einem derart wichtigen Modell nicht leisten. Denn schließlich hatte der Variant bei der vorangegangenen Passat-Generation einen Anteil von satten 70 Prozent und gehört damit seit Jahren zu den meistverkauften Kombis in Österreich.

Das hochwertige und ergonomische Cockpit wurde unverändert aus der Limousine übernommen

Damit er dabei den Nobel-Ladern von Konzern-Tochter Audi nicht in die Quere kommt, ist er größenmäßig genau zwischen A4 und A6 Avant positioniert, die drei Modelle trennen jeweils rund 20 Zentimeter Außenlänge.
In Sachen Laderaum kann der VW aber nicht nur die beiden Bayern-Brüder distanzieren, sondern auch fast die gesamte Mittelklasse: Beeindruckende 603 Liter Basisvolumen verteilen sich glattflächig und eben im Heck, maximal sind 1731 Liter möglich. Ein Wert, den einzig der Vectra Kombi übertrifft. Zum Vergleich: Der um gut neun Zentimeter kürzere und sieben Zentimeter schmälere Vorgänger brachte es auf 495 bis 1600 Liter.
Genug Platz hat der neue Lade-Passat also, doch wie steht es nun um den Premium-Anspruch, vor allem abseits der beliebten Top-Ausstattungslinie Highline“? Unser Testwagen war ein schlichter „Comfortline“, also die zweitbilligste von vier Ausstattungs-Stufen und wird vom beliebtesten Passat-Motor, dem 1,9-Liter TDI mit 105 PS (ohne Partikelfilter) angetrieben.
Damit ist der immerhin 1477 Kilo schwere Kombi für den Alltag ausreichend motorisiert – mehr aber auch nicht. Vor allem auf der Autobahn merkt man, dass dem Vierzylinder langsam die Puste ausgeht. Das wird mittels kurz übersetztem fünften Gang zwar mehr oder weniger kaschiert, nur äußert sich das in hohen Drehzahlen und einem ebensolchen Geräuschniveau. Der Verbrauch bleibt dennoch sparsam, lediglich 6,3 Liter genehmigte sich der 1,9-Liter-TDI im Test.

Weniger geradlinig als beim Vorgänger: schwungvolles Passat-Heck

Was es sonst zum „Comfortline“ zu sagen gibt? Die Optik ist bis auf die fehlenden Alufelgen mit jener der teureren Versionen identisch, im Innenraum erkennt man den Preisunterschied lediglich an einigen Dekor-Elementen.
Allerdings auch an der Ausstattung: Zwar ist man beim „Comfortline“ mit manueller Klimaanlage, vier E-Fensterhebern und Tempomat nicht schlecht unterwegs, VW lässt es sich aber nach wie vor nicht nehmen, für Features wie Nebelscheinwerfer oder Lederlenkrad extra zuzugreifen. Interessantes Detail am Rande: Wer den Passat wirklich zum Transportieren nützen möchte, kommt am Comfortline nicht vorbei, da die umlegbare Beifahrersitz-Lehne bei den teureren Niveaus „Sportline“ und „Highline“ nicht eingebaut ist – Grund: Die stark konturierten Sportsitze.
Absolut empfehlenswert ist das vom A6 stammende, optionale Gepäckmanagement-System, bestehend aus zwei Schienen in Längsrichtung
sowie darauf verschiebbaren Spanngurten und Streben. Einzig das Verrücken der einzelnen Elemente kann mühsam werden, da sie sich in den Schienen leicht verhaken können.
Alles in allem hat der Passat Variant trotz schicker Optik von seinen bisherigen Praxis-Talenten nichts eingebüßt. Der Spagat zwischen den zwei Kombi-Gattungen gelang also erstaunlich gut.

Fahren & Fühlen
Der Vierzylinder-Diesel springt spontan an, läuft ruhig und ist gut gedämmt. Nach Mini-Turboloch liefert er ausreichende Fahrleistungen sowie guten Durchzug. Straffes, aber nicht unkomfortables Fahrwerk mit hohem Schluckvermögen. Tadellose Traktion. Weitgehend neutrales, im Grenzbereich ins Untersteuern übergehendes Eigenlenkverhalten, das Heck bleibt frei von Lastwechsel-Tendenzen. Das Stabilitätsprogramm ist immer rechtzeitig zur Stelle, greift dabei angenehm sanft ein. Leichtgängig-präzise, aber nur mäßig direkte Lenkung mit angenehmen Rückstellkräften und minimalen Antriebseinflüssen. Optimal positionierter und exakt geführter Schalthebel, die Getriebe-Abstufung ist eng, der fünfte Gang geriet etwas zu kurz. Kräftige und fein dosierbare Bremsen ohne Fading-Anfälligkeit. Auch für groß Gewachsene ausreichend dimensionierte, doch schwach konturierte Sitze mit vielfachen, teil-elektrischen Verstellmöglichkeiten.

Platz & Nutz
Das Raumangebot auf allen fünf Plätzen liegt über dem Klassenschnitt. Großer und glattflächiger Kofferraum, leicht zu beladen dank weit aufschwingender Heckklappe, großer Öffnung und niedriger Ladekante. Die Fondlehnen sind 2:1 umlegbar, dabei können die Kopfstützen dranbleiben, der Ladeboden ist aber nicht ganz eben. Weitere Lade-Details: vorklappbare Beifahrersitzlehne, Verzurrösen und seitliche Staufächer ab Werk, praktisches, wenn auch mühsam zu verstellendes Gepäckmanagement-System (Trennwände- und Netze auf Schienen) gegen Aufpreis, ebenso eine elektrische Heckklappe. Zahlreiche, große Ablagen. Die Karosserie-Übersicht ist gut, der Wendekreis durchschnittlich. Tadellose Cockpit-Ergonomie, gute Sitzposition, große Reichweite. Weniger fein: der überladene Tempomat-Hebel ist etwas umständlich zu bedienen.

Dran & Drin
Die zweite von vier Ausstattungslinien enthält u.a. Klima, CD-Radio, E-Fensterheber, Tempomat und Regensensor (Details siehe Liste auf Seite 49). Gegen Aufpreis: Klimaautomatik, Navigation, diverse Lederausstattungen, Einparkhilfe etc. Tadellose Verarbeitung, fast durchwegs hochwertige und kratzfeste Materialien, Design nobel-funktionell innen, elegant und stimmig außen.

Sicher & Grün
Serien-Sicherheit: Sechs Airbags, fünf Dreipunktgurte und Kopfstützen (vorne aktiv, reichen jeweils bis 1,85 Meter Körpergröße), ABS, ESP und Bremsassistent, Isofix-Kindersitz-Halterungen. Gegen Aufpreis: Fond-Seitenairbags, Bi-Xenon-Kurvenlicht, Reifendruck-Kontrolle. Grün-Check aufgrund fehlenden Partikelfilters nicht ganz positiv absolviert, niedriger Sprit-Verbrauch.

Preis & Wert
Die Hauptkonkurrenten Opel Vectra Caravan 1,9 CDTI (100 PS) und Renault La-
guna 1,9 dCi (120 PS) sind bei vergleichbarer Ausstattung deutlich billiger, nur der Ford Mondeo Traveller 2,0 TDCi (115 PS) rangiert preislich auf gleichem Niveau. Wiederverkaufs-Prognose dank vernünftiger Motorisierung und Ausstattung positiv. Fein: drei Jahre Fahrzeug-Garantie, lebenslanger Mobilitäts-Schutz bei Service-Treue, zwölf Jahre Antidurchrost-Versprechen. Inspektion und Ölwechsel verschleißabhängig (maximal 30.000 Kilometer), sehr dichtes Werkstatt-Netz.

F A Z I T
Fescher Lade-Kaiser der Mittelklasse, mit Basis-Diesel ausreichend motorisiert.

TECHNIK:
R4, 8V, Turbo, 1896 ccm, 77 kW (105 PS) bei 4000/min, max. Drehmoment 250 Nm bei 1900/min, Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: Dreiecksquerlenker, Stabilisator, Federbeine, hinten: Mehrlenkerachse, Schraubenfedern, Teledämpfer, Stabilisator, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4774/ 1820/1517 mm, Radstand 2709 mm, 5 Sitze, Wendekreis 11,4 m, Servo, Reifendimension 205/55 R 16, Tankinhalt 70 l, Reichweite (bis Tankreserve) 1000 km, Kofferraumvolumen 603-1731 l, Leergewicht 1477 kg, zul. Gesamtgewicht 2100 kg, max. Anh.-Last 1500 kg, 0-100 km/h 12,4 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 8,6 sec, Spitze 185 km/h, Steuer (jährl.) EUR 349,80, Normverbrauch (Stadt/außerorts/Mix) 7,5/5,0/5,9 l, Testverbrauch 6,3 l Diesel

Serienausstattung: Front-, vordere Seiten- und durchgehende Kopfairbags, ABS, Bremsassistent, ESP, Regensensor, Tempomat, teilelektrische Fahrersitz-Verstellung, fünf Dreipunktgurte und Kopfstützen (vorne aktiv), Isofix, Klimaanlage, CD-Radio, vier E-Fensterheber, beheizbare E-Außenspiegel, FB-Zentralsperre, elektronische Parkbremse, Rückbank 2:1 umklappbar, Dachreling.
Extras: Fond-Seitenairbags EUR 338,-, Klimaautomatik, EUR 449,-, div. höherwertigere Audio-Anlagen ab EUR 135,-, Navigation ab EUR 2013,-, Reifendruck-Kontrolle EUR 55,-, Lederpolsterung ab EUR 2237,-, Bordcomputer EUR 168,-, E-Sitze inkl. elektr. anklappbarer Außenspiegel EUR 927,-, Einparkhilfe vorne und hinten
EUR 529,-, Bi-Xenon-Kurvenlicht EUR 1288,-, Standheizung EUR 1176,-, Gepäckmanagement-System EUR 259,-, E-Heckklappe EUR 416,-, Niveauregulierung für die Hinterachse EUR 744,-, Aluräder (bis 18 Zoll) ab EUR 357,-, Sportfahrwerk ab
EUR 290,- etc.

Basis-Preis: EUR 28.423,-

Diesen Test finden Sie in ALLES AUTO 10/2005

Fotos: Len Vincent

Text: Roland Scharf „

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