Abholzen für Akkus

2. April 2021
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Alles Klartext

„Shame on you, ZDF info!“ Seit Donald Trump Twitter-Verbot hat, ist Elon Musk endlich wieder an die Spitze der verhaltensauffälligen Nachrichten-Verfasser gerückt. Was den Großmeister des Stromfahrens so erregt hat: Ein Tatsachenbericht des immer sehr sachlichen Doku-Senders über die Vorgänge rund um den Bau der Tesla-Batteriefabrik in Grünheide nahe Berlin. Selbst die umtriebigsten der Umweltschutz-Organisationen schweigen zu dem Projekt lautstark – Greenpeace etwa konnte sich bisher gerade einmal zu zwei quälend zahnlosen Kommentaren durchringen. Man betet lieber eifrig das baldige Ende des Verbrennungsmotors herbei, das bringt mehr Klicks. Oder feiert sich für die Besetzung des Danneröder Forstes. Der hätte abgeholzt werden sollen – so wie der Wald in Grünheide. Dort hat aber niemand ein Baumhaus gebaut, um die Bagger abzuhalten. Weil Abholzen für Akkus ok ist, für Braunkohle aber nicht.

Diejenigen, die in Grünheide dagegen protestieren, sind im Auge des Öko-Mainstreams außerdem uncool. Nämlich keine schulestangelnden Kids und wehleidig dreinschauenden Berufs-Hippies – sondern einfach Ortsbewohner, die ihre Lebensqualität nicht der grünen Lebenslüge anderer opfern wollen. Für Letztere scheint beinahe jede Art von Tatsachenverbiegung gerechtfertigt: Etwa wurde der Wald einfach für überaltert sowie krank erklärt. Was er nicht war. Das Grundwasser, erst jahrzehntelang durch teure und aufwändige Schutzmaßnahmen bewahrt, soll jetzt plötzlich ungefährdet sein. Was nicht der Fall ist. Überhaupt gibt es für das schon weit fortgeschrittene Projekt offenbar gar keine rechtskräftige Baubewilligung – Tesla darf die Fabrik aber trotzdem schon einmal hinstellen, der Papierkram wird später erledigt. Der gelernte Österreicher wird da hellhörig: Wenn sehr viele Politiker etwas ganz toll finden und um jeden Preis unterstützen, ist es höchstwahrscheinlich ein Schwachsinn – oder Korruption. Dank an dieser Stelle an den Youtube-Star Ernst Strasser für seine lebensnahe Demonstration, wie wenig es dafür braucht. Hirn, vor allem.

Selbst, wenn es tatsächlich nur die Erfurcht vor der Macht der Börsen-Blase Tesla sein sollte, die Politik und Behörden gefügig macht – welche Ausrede hat die Öko-Lobby? Die hündische Hingebung eingefleischter Tesla-Jünger an den Firmenchef ist zwar lächerlich, aber nicht weit genug verbreitet. Die schlimmere Erklärung ist der fehlende Realitätsbezug – gut ist, was dazu erklärt wird. Die Energiewende muss sein, egal für welches Opfer. Es geht schon lange nicht mehr um echte Ziele, sondern um die teils absurd schizophrene Verteidigung der Wahrheits-Hoheit. Im Ernstfall werden halt wieder Arbeitsplätze gegen Bäume aufgerechnet – wie bei uns anno dazumal in der Stopfenreuther Au. Nur, dass die Ökos da noch gegen Umweltzerstörung waren.

Foto: Robert May

1 Kommentare

  1. Ich habe diesen Beitrag im ZDF auch gesehen und man kann die oben erwähnten Umweltbelastungen und das äußerst fragwürdige Behördenverfahren nicht schönreden bzw. schönschreiben. Allerdings ist bei der „kritischen Analyse“ wieder einmal einiges danebengegangen:
    1. Die Überschrift „Abholzen für Akkus“ ist falsch, kommt aber beim Zielpublikum sicher gut an. Denn –
    2. In Grünheide wird derzeit keine Tesla-Batteriefabrik errichtet, sondern eine Gigafactory in der im Endausbau bis zu 500.000 Fahrzeuge gebaut werden sollen. Diese Fabrik wird somit über alle Einrichtungen verfügen, die auch andere Autowerke haben wie etwa eine Gießerei, einen Karosseriebau, eine Lackiererei und Fertigungsstraßen. Faktum: Grünheide ist kein Batteriewerk, sondern ein Serienproduktionsstätte für Fahrzeuge. Die geplante Inbetriebnahme ist Juli 2021.
    3. Tesla hat angekündigt, dort auch Batterien fertigen zu wollen, das entsprechende Genehmigungsansuchen jedoch im Juli 2020 zurückgezogen. Bis dato wurde nicht neu eingereicht, das soll jedoch noch heuer im Sommer erfolgen. Faktum: Derzeit gibt es keine Genehmigung für eine Batteriefertigung = kein Abholzen für Akkus. Der Beginn der Batteriefertigung kann (falls genehmigt) lt. Tesla frühestens 2022 erfolgen. Faktum: Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Werkes Mitte des heurigen Jahres werden dort keine Akkus gefertigt.
    4. Die jetzige Baustelle hat nichts mit der Batterieherstellung zu tun. Dafür soll östlich ein eigener Trakt errichtet werden. Faktum: Das jetzige Bauvorhaben und die Genehmigungsverfahren stehen in keinem Zusammenhang mit der zukünftig geplanten Batteriefertigung. Dafür muss Tesla erst neu einreichen.
    Abschließen noch ein Tipp: Weniger fernsehen und mehr recherchieren. Dann wird es vielleicht auch einmal etwas mit der Sachlichkeit.

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