Auto-Beziehungen: Van der Bellen, Kreisky, Schüssel

27. Mai 2022
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Bundespräsident Alexander Van der Bellen, einstiger grüner Vorkämpfer für eine giftfreie Umwelt, huldigte nicht nur unerschrocken dem Dauerrauchen, sondern erfreute sich einst auch an seinem munteren Alfa 146, ehe er auf einen Toyota Prius Hybrid umstieg und schließlich 2016 als honoriges Staatsoberhaupt den alten 7er-BMW von seinem Vorgänger Heinz Fischer übernahm.

Langzeitbundeskanzler Bruno Kreisky (1970 bis 1983) wohnte in einer vornehmen Villa in der Armbrustergasse in Wien 19, trug Hantak-Maßanzüge und fuhr privat Rover und Zwölfzylinder-Jaguar. Den wenig geliebten Dienst-Mercedes ließ er oft stehen, und sein Chauffeur durfte ans Steuer des Jaguar. Kreisky saß dann auf dem Beifahrersitz und stöberte in Geschäftsunterlagen. Im Fernsehen, bei einer Diskussionsrunde über Kaiser Joseph II., sagte der Kanzler, mehr als ein Jahrzehnt Chef einer sozialdemokratischen Alleinregierung, privat Liebhaber gepflegten englischen Lebensstils: „Es ist nicht leicht, ein Monarch zu sein.“

Auch ein späterer Bundeskanzler, Wolfgang Schüssel, benützte manchmal sein Privatauto. Als Schüssel im Jahr 2006 hochoffiziell den Christkindlmarkt in Wien-Schönbrunn eröffnete, gab er dem Chauffeur frei und fuhr mit seinem bescheidenen Privatauto, einem VW New Beetle, nach Schönbrunn, wo er den Wagen auf dem für ihn vorgesehenen Parkplatz abstellte. Allerdings wussten die Parkplatz-Sheriffs nichts von Schüssels geänderter Disposition und ließen den Beetle kurzerhand abschleppen. Frei nach Kreisky könnte man sagen: Es ist halt auch nicht leicht, als Bundeskanzler inkognito einen Parkplatz zu finden.

Text: Wendelin Narrowetz

Fotos: Manfred Werner/Tsui, Werk

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