Großer Test BYD Atto 3 Design

26. Mai 2023
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FAHRZEUGDATEN

Marke:BYD
Klasse:Geländewagen/SUV
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Elektro
Leistung:204 PS
Testverbrauch:16,8 kWh/100km
Modelljahr:2023
Grundpreis:45.000 Euro

Test BYD Atto 3: Die hierzulande mehr oder weniger unbekannte Marke BYD (die Abkürzung steht für „build you dreams“, zu deutsch „bau dir deine Träume“) ist zur Zeit der drittwertvollste Autohersteller der Welt – zumindest was den Aktienwert betrifft. Das ist umso bemerkenswerter, als es sich um einen vergleichsweise jungen Autohersteller handelt. 

Das erste Fahrzeug lief 2005 vom Band, nun hat der Konzern mit Sitz im chinesischen Shenzhen (mit 17 Millionen Einwohnern übrigens die drittgrößte Stadt des riesigen Landes) Europa im Visier. Da Kompaktwagen hierzulande ­besonders beliebt sind, verwundert es nicht, dass den Anfang ein Crossover-Ver­treter genau dieses Segments macht.

Zur Größen-Einordnung

Der BYD Atto 3 ist demnach von der Größe her in etwa mit einem VW ID.3 oder Cupra Born zu vergleichen. Spätestens beim Blick auf das Preisschild wird einem bewusst, was der Hersteller ohnehin selbstbewusst verlautbart: Bei einem BYD handelt es sich nicht um eine günstige China-Alternative zu den etablierten Herstellern, sondern um ein Qualitätsprodukt. So nahm man sich auch bei gewissen Details Nobel-Hersteller zum Vorbild, beim Lenkrad etwa Aston Martin, beim Lautstärke-Regler Mercedes oder beim gläsernen Startknopf BMW. 

Ebenfalls gediegen: der große Multimedia-Schirm im Innenraum, der sich per Knopfdruck um 90 Grad drehen lässt und so mit seiner vertikalen Ausrichtung stark an Tesla erinnert. 

Dennoch ist das Interieur einzigartig gestaltet: Nicht minder auffällig sind die extravagant geformten Lüftungsdüsen und die Gummibänder in den Türverkleidungen, die wie Saiten einer Gitarre gespielt werden können. 

Ob der Atto 3 aus ästhetischer Sicht dem Premium-Anspruch gerecht wird, muss wohl jeder für sich persönlich entscheiden. Fest steht jedoch, dass dieser BYD im technischen Bereich einiges zu bieten hat. 

Kernkompetenz Elektorantrieb

Den Anfang macht die Kernkompetenz der Marke, die Batterie. Diese baut auf Lithium-Eisenphosphat als Rohmaterial auf. Das hat mehrere Vorteile: Erstens wird auf die umweltfeindlich abbaubaren Stoffe Nickel und Kobalt verzichtet, zweitens besteht die „Blade“ genannte Einheit sämtliche Crashtests, ohne dabei in Brand zu geraten – denn diese Akku-Art ist selbst bei Eindringen von Metall so gut wie nicht entzündlich. 

Weitere Vorteile gibt es beim Thermo-Management (eine Wärmepumpe ist zudem stets mit an Bord), der Hersteller garantiert eine Lebensdauer von 5000 Lade- und Entlade-Zyklen. Der einzige echte Nachteil dieser Batterie-Bauart – deren höheres Gewicht – ist verkraftbar, der 60,5 kWh-Akku wiegt 420 Kilo – das sind rund 60 Kilo mehr als der vergleichbare Strom-Spender des VW ID.3.

Ein weiteres Highlight: Im 8-in-1-Antriebsstrang sind alle Schlüsselkomponenten in einer Einheit zusammengelegt: Steuergerät, Batteriemanagement-System, Motorsteuerung, Stromverteilereinheit, Gleichspannungs-Wandler, On-Board-Ladegerät, Antriebsmotor und Getriebe teilen sich ein einziges Gehäuse. 

Bis auf Komponenten wie die Reifen werden übrigens sämtliche Teile von BYD selbst gefertigt (auch Halbleiter und eben die Batterien), was dem Unternehmen in der aktuelle Situation mit Lieferschwierigkeiten der Zulieferindustrie ungemeine Vorteile verschafft. Kein Wunder, dass die Zulassungszahlen der Marke weltweit rasant steigen.

Insgesamt erstaunlich: Wie gut ein Auto einer Marke gemacht sein kann, von der in der alten Welt noch kaum jemand etwas gehört hat. Ob das angepeilte Premium-Image am Markt angenom-men wird, bleibt freilich abzuwarten. Die genaue Bewertung des Test BYD Atto 3 lesen Sie unten.

Dieser Test erschien übrigens mit vielen weiteren in der Ausgabe März 2023 von Alles Auto, hier online zu bestellen.

Motor & Getriebe

Der E-Motor drückt vom Stillstand weg kräftig an, erst bei Autobahn-Tempo lässt der Schub etwas nach. Kein künstlicher ­Stromer-Klang. Verstärkte Rekuperation über eige­nen Fahrmodus per Knopfdruck.

Fahrwerk & Traktion

Der hohe Fahrkomfort schließt dynamisches Kurvenfahren nicht aus, auch wenn der Aufbau leicht wankt. Hinterachse poltert ab und an leicht. Sicher abgestimmt, sanftes Untersteuern im Extremfall, eher zurückhaltende Regelsysteme. In Sachen Traktion ist der Fronttriebler schnell am Limit, ein eigener Modus für schlechte Witterung schafft Abhilfe. Bremsen OK, allerdings nicht immer ganz feiner Übergang von Rekuperation auf konventionelle Stopper.

Bedienung & Multimedia

Ergonomisch weitgehend fehlerfrei, komfortabel Sitze. Eher mauer Digital-Tacho, dafür tolles Multimedia-Erlebnis: Der brillante und hochauflösende Großbildschirm reagiert flott auf den Touch-Input, für die Regelung der Lautstärke steht ein Drehrad parat. Weite­re relevante Settings werden über echte Knöpfe an der Mittelkonsole gesteuert, Sprachsteuerung ist serienmäßig. Smartphone-Integration aktuell noch nicht verfügbar, induktives Handyladen sehr wohl. Ausreichend Ablagen samt „flexibler“ Türtaschen, passable Rundumsicht (360 Grad-Kameras zudem Serie). „Vehicle to load“-Funktion. 

Innen- & Kofferraum

Viel Platz vorne, hinten noch luftiger – die Beinfreiheit kann sich sehen lassen. Recht großer, gut nutzbarer Kofferraum, nach dem Umlegen der 2:1-Fondlehnen bleibt ­allerdings eine Stufe – was per Höhenverstellung des doppelten Bodens behoben werden kann. 

Dran & Drin

Bei der besseren der beiden Ausstattungen, dem „Design“, ist alles dabei, was das Herz begehrt. Kann man ohne elektrische Heckklappe und mit einem kleineren 12,8 Zoll-Touchscreen leben, spart man beim „Comfort“ 2400 Euro. Materialien und Verarbeitung ohne Tadel.

Schutz & Sicherheit

Volle fünf Sterne beim NCAP-Crashtest. Übliches Airbag-Aufgebot, reichhaltige Assistenz-Bestückung  – und das serienmäßig in beiden Ausstattungs-Varianten. Alles Systeme arbeiteten im Test verlässlich. 

Reichweite & Laden

Von den versprochenen 420 Kilometern waren bei winterlichen Temperaturen immerhin 360 drin – eine passable Reichweiten-Ausbeute. Mit bis zu 88 kW Gleichstrom-Aufnahme ist man nicht vorne dabei (Ladedauer 1:20 Stunden auf 100 Prozent), die 11 kW Wechselstrom sind Standard. Bei 7 kW dauert eine Ladung knapp zehn Stunden. 

Preis & Kosten

Nicht günstig: Die chinesische Alternative in Form des MG4 ist ­deutlich billiger, dafür auch weniger Premium. Bei gleicher Ausstattung ist die europäische Konkurrenz VW ID.3 und Cupra Born sowie Renault Mégane Electric spürbar teurer. Garantie-Umfang: vier Jahre und 120.000 Kilometer. Dünnes Werkstatt-Netz, braver Stromverbrauch. 

Test BYD Atto 3 (Cockpit)

Für das europäische Auge unkonventionelle Farben ohne Wahl-Option und extravagant gestylte Bedienelemente, Stichwort Lüftungsdüsen und Türschnallen.

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Test BYD Atto 3: Die hierzulande mehr oder weniger unbekannte Marke BYD (die Abkürzung steht für „build you dreams“, zu deutsch „bau dir deine Träume“) ist zur Zeit der drittwertvollste Autohersteller der Welt – zumindest was den Aktienwert betrifft. Das ist umso bemerkenswerter, als es sich um einen vergleichsweise jungen Autohersteller handelt.  Das erste Fahrzeug lief 2005 vom Band, nun hat der Konzern mit Sitz im chinesischen Shenzhen (mit 17 Millionen Einwohnern übrigens die drittgrößte Stadt des riesigen Landes) Europa im Visier. Da Kompaktwagen hierzulande ­besonders beliebt sind, verwundert es nicht, dass den Anfang ein Crossover-Ver­treter genau dieses Segments macht. Zur Größen-Einordnung Der BYD Atto 3 ist demnach von der Größe her in etwa mit einem VW ID.3 oder Cupra Born zu vergleichen. Spätestens beim Blick auf das Preisschild wird einem bewusst, was der Hersteller ohnehin selbstbewusst verlautbart: Bei einem BYD handelt es sich nicht um eine günstige China-Alternative zu den etablierten Herstellern, sondern um ein Qualitätsprodukt. So nahm man sich auch bei gewissen Details Nobel-Hersteller zum Vorbild, beim Lenkrad etwa Aston Martin, beim Lautstärke-Regler Mercedes oder beim gläsernen Startknopf BMW.  Ebenfalls gediegen: der große Multimedia-Schirm im Innenraum, der sich per Knopfdruck um 90 Grad drehen lässt und so mit seiner vertikalen Ausrichtung stark an Tesla erinnert.  Dennoch ist das Interieur einzigartig gestaltet: Nicht minder auffällig sind die extravagant geformten Lüftungsdüsen und die Gummibänder in den Türverkleidungen, die wie Saiten einer Gitarre gespielt werden können.  Ob der Atto 3 aus ästhetischer Sicht dem Premium-Anspruch gerecht wird, muss wohl jeder für sich persönlich entscheiden. Fest steht jedoch, dass dieser BYD im technischen Bereich einiges zu bieten hat.  Kernkompetenz Elektorantrieb Den Anfang macht die Kernkompetenz der Marke, die Batterie. Diese baut auf Lithium-Eisenphosphat als Rohmaterial auf. Das hat mehrere Vorteile: Erstens wird auf die umweltfeindlich abbaubaren Stoffe Nickel und Kobalt verzichtet, zweitens besteht die „Blade“ genannte Einheit sämtliche Crashtests, ohne dabei in Brand zu geraten – denn diese Akku-Art ist selbst bei Eindringen von Metall so gut wie nicht entzündlich.  Weitere Vorteile gibt es beim Thermo-Management (eine Wärmepumpe ist zudem stets mit an Bord), der Hersteller garantiert eine Lebensdauer von 5000 Lade- und Entlade-Zyklen. Der einzige echte Nachteil dieser Batterie-Bauart – deren höheres Gewicht – ist verkraftbar, der 60,5 kWh-Akku wiegt 420 Kilo – das sind rund 60 Kilo mehr als der vergleichbare Strom-Spender des VW ID.3. Ein weiteres Highlight: Im 8-in-1-Antriebsstrang sind alle Schlüsselkomponenten in einer Einheit zusammengelegt: Steuergerät, Batteriemanagement-System, Motorsteuerung, Stromverteilereinheit, Gleichspannungs-Wandler, On-Board-Ladegerät, Antriebsmotor und Getriebe teilen sich ein einziges Gehäuse.  Bis auf Komponenten wie die Reifen werden übrigens sämtliche Teile von BYD selbst gefertigt (auch Halbleiter und eben die Batterien), was dem Unternehmen in der aktuelle Situation mit Lieferschwierigkeiten der Zulieferindustrie ungemeine Vorteile verschafft. Kein Wunder, dass die Zulassungszahlen der Marke weltweit rasant steigen. Insgesamt erstaunlich: Wie gut ein Auto einer Marke gemacht sein kann, von der in der alten Welt noch kaum jemand etwas gehört hat. Ob das angepeilte Premium-Image am Markt angenom-men wird, bleibt freilich abzuwarten. Die genaue Bewertung des Test BYD Atto 3 lesen Sie unten. Dieser Test erschien übrigens…

7.5

FAZIT

Kompakter Premium-Stromer ohne Premium-Image.

Motor & Getriebe
Fahrwerk & Traktion
Bedienung & Multimedia
Innen- & Kofferraum
Dran & Drin
Schutz & Sicherheit
Reichweite & Laden
Preis & Kosten
User-Wertung : Keine Bewertungen bisher!
8

Synchronmotor, Spitzenleistung 204 PS (150 kW), Dauerleistung 88 PS (65 kW), max. Drehmoment 310 Nm, Akku (netto) 60,5 kWh, Vorderradantrieb mit fixer Übersetzung, Scheibenbremsen v/h (v bel.)

L/B/H 4455/1875/ 1615 mm, Radstand 2720 mm, 5 Sitze, Wendekreis 10,7 m, Reifendimension 235/50 R 18, Kofferraumvolumen 440–1338 l, Leergewicht (EU) 1750 kg, zul. Gesamtgewicht 2160 kg, max. Anh.-Last k.A.

0–100 km/h 7,3 sec, 60–100 km/h 4,6 sec, Spitze 160 km/h, Steuer (jährl.) keine, Werkstätten in Österreich 15, Service alle 20.000 km (mind. 1x/Jahr), WLTP-Normverbrauch kombiniert 15,6 kWh, Testverbrauch 16,8 kWh, Reichweite Norm/Test 420/360 km, Ladedauer bei11 kW (100%) 6:30 Std, bei 88 kW Gleichstrom (10–80%) 44 Min

sechs Airbags plus Zentral-Airbag, Notbrems-Assistent, Adaptiv-Tempomat, Spurhalte-, Spurführungs-, Spurwechsel- und Stau-Assistent, Toterwinkel- und Querverkehrs-Warner, Verkehrszeichen-Erkennung, Bergabfahrhilfe, LED-Scheinwerfer mit Fernlicht-Automatik, digitale Instrumente 5 Zoll, Navigation mit Echtzeit-Verkehrsinfos, 15,6 Zoll-Touchscreen, Soundsystem mit 8 LS, 4x USB, Bluetooth, DAB-Tuner, Sprachsteuerung, induktives Handyladen, Zweizonen-Klimaautomatik, Lederpolsterung, el. klappbare Außenspiegel, aut. abblendender Innenspiegel, Vordersitze heizbar und el. verstellbar, heizbares Multi­funktions-Lederlenkrad, Licht- und Regensensor, schlüsselloser Zugang, E-Heckklappe, Rückfahrkamera, Rundumkameras, Einparkhilfe v+h, Alarmanlage, 18 Zoll-Aluräder, Wärmepumpe, Metallic-Lack etc.

Österreich-Paket (Unterbodenversiegelung, Veloursmatten, Ladekabel, Vehicle to load-Adapter) € 390,–.