So ging es Skoda wohl beim Karoq, an dem kaum etwas zu bemängeln war. Trotzdem schafften es die Tschechen, ihm mit wenigen Federstrichen mehr Charakter zu verleihen. Geradezu genial ist der neue Kühlergrill, der mit seinen ausgestellten Längsstreben im 3D-Design um (im Wortsinn) Ecken edler wirkt. Scheinwerfer und Heckleuchten gerieten zudem deutlich schmäler – das ist dank durchwegs
eingesetzter LED-Technik keine Hexerei, sieht aber wesentlich eleganter aus als zuvor.
Eleganz im Verein mit Praxiswert lautet auch die Parole des Cockpits: In Sachen Materialwahl mutierte Skoda nachhaltig vom Saulus zum Paulus des VW-Konzerns. Volldigitalisierung, ein größerer Touchscreen und eine Ladung an Assistenzsystemen (wenn auch nur gegen Aufpreis) sind weitere Früchte des Facelifts.
Auf der Suche nach noch ein paar Zehntellitern Sprit-Ersparnis fand man die Aero-Felgen. Plastik-Einsätze im Aluminium? Den Gedanken muss man erst einmal verdauen. Schlecht sehen sie aber nicht aus, vor allem als 19 Zoll-Wagenräder wie am Testwagen – die größten für den Karoq erhältlichen.
Nachteil an der Sache: Die Sanftheit der Skoda-Federung geht damit ein Stück weit flöten, der Präzision beim Einlenken tun die flachen Sohlen aber gut. Wer keinen Aufpreis zahlen will, nimmt mit 17-Zöllern Vorlieb. Dann tut sich der Karoq auch im Gelände leichter, falls man ihn denn dorthin scheuchen will.
Der dafür sinnvolle Allradantrieb ist übrigens nur noch in Kombination mit DSG erhältlich. Weil man dann über 5000 Euro Aufpreis zahlt, erhält man auch noch 20 Newtonmeter mehr Drehmoment spendiert. Ein raffinierter Schachzug, da das Plus an Schmalz gefühlt das 4WD-Mehrgewicht aufhebt.
Überhaupt ist der Zweiliter-TDI ein feines Aggregat. Das fällt umso mehr auf, je weniger neue Dieselmodelle es zur Auswahl gibt. Kraftvoll, geschmeidig, sparsam. Da muss manches Hybrid-Modell oft und lang an der Ladesäule nuckeln, damit es ansatzweise in die Nähe solcher Unter-sechs-Liter-Werte kommt.
Als Minus bleibt die fette Preiserhöhung gegenüber dem Vorgänger. Generell darf man Preislisten heutzutage nicht aus den Augen lassen, denn selbst kurzes Wegschauen scheinen die Tarife zu nützen, um klammheimlich weiter zu steigen.
Fahrwerk & Traktion – Mit serienmäßigen 17 Zoll-Rädern sanft gefedert, die am Testwagen montierten (maximal möglichen) 19-Zöller lassen jedoch allerlei Stöße durch. Die Wankneigung hält sich in Grenzen, am Limit wird sanft untersteuert. Sehr präzise Lenkung, tadellose Bremsen, Traktion dank Allrad souverän
Bedienung & Multimedia – Fünf verschiedene, im Detail weiter individualisierbare Layouts für die Digital-Instrumente erfreuen verspielte Naturen, übersichtlich sind sie alle. Ebenfalls gelungen: die logische Touchscreen-Menüführung und die brauchbare Sprachsteuerung, der bewährte Drehregler für die Radio-Lautstärke entfällt nur bei Bestellung des größeren Bildschirms. Zahlreiche brauchbare Fächer und Ablagen, sehr gute Rundumsicht, langstreckentaugliches Gestühl. Wie immer praktisch: die vielen schlauen „Simply Clever“-Details.
Innen- & Kofferraum – Sehr viel Platz vorne, ordentliche Raumverhältnisse hinten, die Kopffreiheit passt auch mit aufpreispflichtigem Panoramaglasdach. Den großzügig bemessenen Kofferraum befüllt man via nicht allzu hoher Ladekante und weit aufschwingender E-Heckklappe. Knausrig nur, dass es einen doppelten Ladeboden erst gegen Aufzahlung von 182 Euro gibt, ohne diesen entsteht nach Umlegen der 2:1-Lehnen (plus Ski-Durchreiche) eine Stufe. Interessante Extras: 1:1:1 verschieb- und herausnehmbare Fondsitze für 685 Euro, Netztrennwand für 178 Euro, klappbare Beifahrersitz-Lehne für 100 Euro.
Dran & Drin – Als Style herzeigbar ausgestattet (Navi, Rückfahrkamera, induktives Handyladen, Lenkradheizung etc.), dennoch gibt es zahlreiche, meist preisgünstige Extras. Wer auf Allrad und DSG verzichten kann (einzelne Abwahl nicht möglich), spart 5290 Euro. Ansehnliche Materialien, saubere Verarbeitung.
Schutz & Sicherheit – Zum Standard-Aufkommen an Airbags kommt ein Luftsack für die Fahrerknie. Gegen Aufpreis gibt es Fond-Sidebags. Abgesehen vom Adaptiv-Tempomat kaum Serien-Assistenzsysteme, erst der Travel-Assistent (648 Euro) bringt den Karoq auf zeitgemäßes Niveau. Empfehlenswert: die lichtstarken, geschickt jegliche Blendung vermeidenden Matrix-LED-Scheinwerfer für 1796 Euro.
Preis & Kosten – Etwas teurer, aber auch besser ausgestattet als Bruder Seat Ateca, zahlreiche Konkurrenten in diesem Segment sind nicht mehr mit Diesel und/oder Allrad erhältlich. Bescheidener Verbrauch. Solide Werthaltung, lange Wartungs-Intervalle, dichtes Servicenetz. Zwei Jahre Garantie, ab 399 Euro auf fünf Jahre verlängerbar.












