Kia Clarus Kombi 1,8 SLX

16. November 2001
1.550 Views
Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Kia
Klasse:Kombi
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:116 PS
Testverbrauch:9 l/100km
Modelljahr:1999
Grundpreis:17.878 Euro

Mobilität ist oft kein Luxus, sondern pure Notwendigkeit. Kia hat diesen Umstand erkannt. Also gilt auch für den neuen Clarus Kombi der koreanische Leitsatz von Preis & Wert: Der Familien-Transporter tritt zwar zum Kampf-Tarif an, spart dabei aber nicht mit serienmäßiger Ausstattung. Klimaanlage, ABS, E-Fensterheber – im Clarus Kombi müssen kaum Abstriche gemacht werden. Seitenairbags und Isofix-Halterung für den Kindersitz fielen allerdings dem Rechenstift zum Opfer. Und auch an den Luxus-Nebenfronten darf man nichts Überdurchschnittliches erwarten: Der laute Vierzylinder – zu dem es derzeit noch keine Alternative gibt – würde eigentlich etwas mehr Dämm-Material erfordern, die Kunststoffe im Interieur sind sichtlich kostengünstig, die Holz-Applikationen aus reflektierendem Plastik. Immerhin: Unsympathisch wirkt die Einrichtung nicht, und trotz nicht ganz regelmäßiger Spaltmaße muß man nicht mit Verarbeitungs-Frust rechnen.
Außerdem ist im Kofferraum des Clarus Kombi ein Zusatz-Goodie versteckt: Mit wenigen Handgriffen kann aus dem Lade-Boden eine dritte Sitzreihe herausgeklappt werden, die zusätzlichen Kinder-Platz bietet. Gegen die Fahrtrichtung positioniert, sind die kleinen Passagiere mit dem Blick durch die Heckscheibe bestens abgelenkt, was letztlich auch Eltern das Kombi-Fahren angenehmer macht.
Jedenfalls, solange sie nicht über die möglichen Folgen eines Heckaufpralls nachdenken. Denn die diesbezügliche Faktenlage – Crashtest-OK vom asiatischen Hersteller einerseits, andererseits die vielsagende Weigerung safety-bewußter europäischer Automarken wie Volvo, solche Extra-Sessel einzubauen – erweist sich als sicherheitstechnisches Nullsummenspiel.

TECHNIK
4-Zylinder-Reihe, 4-Ventil-Technik, 1793 ccm, 85 kW (116 PS) bei 5750/min, max. Drehmoment 152 Nm bei 4500/min, Fünfgang-Getriebe, Vorderradantrieb, vorne: untere Dreiecksquerlenker, McPherson-Federbeine, Stabilisator, hinten: Einzelradaufhängung, Längs- und Querlenker, Stabilisator, Schraubenfedern, Stoßdämpfer, Scheibenbremsen v/h (v bel.), ABS, L/B/H 4750/1785/1495 mm, Radstand 2659 mm, Wendekreis 11,1 m, Servo, Reifendimension 195/65 R 14, Tankinhalt 60 l, Reichweite (bis Tankreserve) ca. 600 km, Kofferraumvolumen 470-1580 l, Leergewicht 1352 kg, zul. Gesamtgewicht 1840 kg, 0-100 km/h in 10,7 sec, 60-100 km/h (im 4. Gang) 10,2 sec, Spitze 185 km/h, CO2-Emission 220 g/km, Normverbr. (Stadt/außerorts/Mix) 12,1/7,8/9,3 l, Testverbrauch 9,0 l ROZ 91
Preis: S 244.900,-

FAHREN & FÜHLEN
Im gesamten Drehzahlbereich werkt der Sechzehnventiler temperamentvoll, durchzugsstark wird er ab 2000 Touren, kernigen Klang produziert er meistens. Hakelige Schaltung, indirekte, doch präzise Lenkung, großer Wendekreis. Fahrwerk: sehr komfortabel gefedert, leichte Tendenz zum Untersteuern, gute Traktion. Bremsen schwer dosierbar, ABS setzt erst sehr spät ein. Die weichen Sitze bieten ausreichend Seitenhalt und Langstrecken-Komfort.

PLATZ & NUTZ
Großzügiges Platzangebot in der ersten Reihe, genügend Bewegungsfreiheit auch im Fond. Die ausklappbare Bank im Kofferraum ist als Notlösung für Kinder-Transporte gedacht. Großer Kofferraum, der über eine hohe Ladekante zu beladen und mittels 60:40 geteilter Rücksitzlehnen erweiterbar ist. Praxis-Plus: Tankdeckel von innen zu entriegeln, Höhenverstellung für Fahrersitz und Lenkrad, großes Handschuhfach, praktische Ablagen. Minus: Fensterheber-One-Touch-Funktion nur fahrerseitig.

DRAN & DRIN
Üppige Serien-Mitgift: Zentralsperre mit Fernbedienung, Alu-Felgen, Klimaanlage, vier E-Fensterheber, E-Außenspiegel, Kofferraum-Abdeckung, Wurzelholz-Look, Radio-Vorbereitung mit 4 LS, Dachreling. Nicht ganz knisterfreie Verarbeitung, sichtlich kostengünstige Materialien. Einziges Werks-Extra: Metallic-Lackierung. Auch mit Automatik, nicht aber mit Schiebedach zu haben.

SICHER & GRÜN
Serienmäßig an Bord: ABS, Fahrer- und Beifahrer-Airbag, sechs Dreipunktgurte (vorne höhenverstellbar), vier höhenverstellbare Kopfstützen (reichen jeweils bis 1,80 m Körpergröße). Minus: keine Seitenairbags erhältlich, ebenso keine Gurtkraftbegrenzer oder -straffer und keine Isofix-Kindersitzhalterung. Umwelt-Checklist komplett bis auf die Verwendung von Wasserbasis-Lacken. Testverbrauch durchschnittlich, der Vierzylinder gibt sich dafür mit ROZ 91 zufrieden.

PREIS & WERT
Beim Preis kann Kia punkten: Egal, ob Renault Laguna, VW Passat oder Mazda 626 – der Clarus schlägt sie alle. Härtester Gegner: der Skoda Octavia, den es auch als Diesel gibt. Clarus-Pluspunkte: großzügige Ausstattung, drei Jahre oder 100.000 Kilometer Fahrzeug-Garantie, fünf Jahre Anti-Rost-Versprechen. Dünnes Werkstatt- und Händlernetz, Service alle 15.000 Kilometer.

ALLES-AUTO-TESTURTEIL:
Der Clarus Kombi überzeugt mit Preis, Ausstattung und attraktivem Design.

Kommentar abgeben