Test: Ford Focus ST 2,3 EcoBoost Styling

17. März 2020
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Ford
Klasse:Kompaktwagen
Antrieb:Vorderrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:280 PS
Testverbrauch:8,4 l/100km
Modelljahr:2020
Grundpreis:41.300 Euro

Sportliche Ableger kompakter Ford haben Tradition, schon als sie noch Escort hießen – wir erinnern uns mit Freude an den wild beflügelten Cosworth. Aber auch unter dem Label Focus entstanden tolle Hot Hatches, etwa mit fünf Zylindern, in der letzten Generation als RS sogar wieder mit Allradantrieb und heißen 317 PS.

So brutal gibt sich der aktuelle ST freilich nicht, obwohl er von der Basis her denselben 2,3 Liter-Motor nutzt. 280 PS und vor allem 420 Nm sind jedenfalls mehr als genug Ausbeute, zumal sie auf die Vorderräder losgelassen werden, wo sich ein elektronisches Sperrdifferenzial um die Portionierung kümmert – sehr erfolgreich, zumindest auf trockenem Untergrund.

Gegenüber den braven Focus-Brüdern wurden beim ST die Schaltwege verkürzt, dazu ist die ohnehin schon feine Lenkung noch direkter ausgelegt – nur mehr zwei Umdrehungen sind es von Anschlag zu Anschlag. Ein Anschlag auf die Bandscheiben ist freilich das verbaute Sportfahrwerk, zumindest in den dynamischen Fahr-Modi, bei denen die elektronischen Dämpfer auf gnadenlos gestellt sind.

Drei Fahrprogramme stehen zur Wahl – dazu ein viertes, nämlich der Race-Modus, wenn man zum Performance-Paket gegriffen hat. Dann gibt’s auch automatisches Zwischengas und eine ganz easy per Knopfdruck aktivierbare „Launch Control“.

Das Handling des ST ist jedenfalls ein Traum, so agil lenkt kaum ein Kompakter ein. Dazu klebt der Focus in schnellen Kurven auf der Straße, dass es eine Fahrfreude ist – und wer dann vom Gas geht, erntet spaßige Heckschwenks. Die Driftwinkel sind dabei erstaunlich hoch, vor allem in den beiden dynamischen Fahr-Programmen. Bei denen ist übrigens auch die sogenannte „Anti Lag“-Funk­tion aktiv – sie verhindert den Ladedruck-Abfall beim Hochschalten, indem sie die Drosselklappen noch etwas offen lässt. 

Und das Sound-Erlebnis? Wie zu erwarten sonor und in den sportlichen Modi noch lauter sowie mit Nachballern aus den beiden Auspuff-Endrohren. Das klingt vor allem außen gut, innen kann das auf der ­Autobahn freilich etwas nervig werden, auch weil die Windgeräusche so niedrig sind.

Wem das alles zu räudig ist, der hat zwei Alternativen: ent­we­der den Griff zum Doppelkupplungs-Getriebe oder zur rund 3000 Euro günstigeren ­Diesel-Version mit 90 PS ­weniger Leistung und drei Liter weniger Verbrauch. Wer so denkt, wird wohl auch die 1500 Euro ­teurere Kombi-Version ins Auge fassen – und damit den eigentlichen Sinn des ST endgültig aus den Augen verlieren. 

Motor & Getriebe – Der großvolumige Vierzylinder zeigt kaum ein Turboloch und schiebt stets motiviert an, sonorer Sound – in den beiden Sport-Modi noch klangstärker sowie mit Auspuff-Geballer bei entsprechender Drehzahl. Sehr gut gestuftes Getriebe, knackig-kurz­wegige Schaltung.

Fahrwerk & Traktion – Ziemlich straffes Fahrwerk schon im Normal-Modus, auf schlechten Straßen zudem poltrige Achsen. Sehr hoher Kurven-Speed möglich, dann freilich lastwechselanfällig (ESP greift erst spät ein, vor allem in den Sport-Modi). Dank Sperrdifferenzial selten Trakti­ons-Probleme auf trockenem Untergrund. Superbe Lenkung, kaum Zerren am Volant. Tadellose Bremsanlage.

Cockpit & Bedienung – Tiefe, aber gute Sitzposition auf nicht zu engem Recaro-Gestühl, optimal wäre noch eine neigungsverstellbare Schenkelauflage. Das per Touchscreen zu bedienende Multimediasystem ist schnell durchschaut, für die Lautstärke gibt es einen klassischen Drehregler. Alu-Schaltknauf an kühlen Tagen anfangs ziemlich kalt. Der optionale Türkanten-Schutz ist praktisch, das Außengeräusch beim Schließen der Pforten dann freilich etwas unschön. ­Optionales Headup-Display „billig“ über Zusatz-Scheibe. Fein: ausreichend Ablagen, integrierter Tankverschluss, gute Rückfahrkamera. 

Innen- & Kofferraum – Genug Passagier-Platz, vor allem die Kniefreiheit hinten gefällt. Das tiefe und breite Gepäckabteil ist durchaus groß – nach Umlegen der 2:1-Fondlehne entsteht allerdings eine Stufe, weil kein doppelter Boden an Bord ist. Praktische Wendematte im Koffer­raum für 67 Euro Aufpreis.

Dran & Drin – Sehr solide Serien-Mitgift inklusive Navi und DAB-Tuner, in der 2500 Euro billigeren Basis-Variante, also ohne Styling-Zusatz, ­unter anderem ohne E-Sitzverstellung, Rückfahrkamera, Sitzheizung, LED-Licht und mit 18- statt 19-Zöllern. Einige wirklich fair gepreiste Extras zur Auswahl, das spannende Performance-Paket ist aber gar teuer. Solide Verarbeitung, gefällige Materia­lien. In Bälde auch mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe zu haben.

Schutz & Sicherheit – Klassenübliches Aufkommen an Airbags und E-Fahrhilfen, mit dem günstigen Technologie-Paket und dem ebenfalls optionalen Toterwinkel-Warner fährt man auf der absolut sicheren Seite.

Preis & Kosten – Ohne Styling-Paket ist der Focus ST nach dem Renault Mégane RS der billigste Golfklassler in der Liga um die 300 PS, Hyundai i30 N und vor allem Honda Civic Type R sowie Seat Leon Cupra sind teurer. Ford-Vorteil gegenüber Honda & Renault: fünf Jahre Garantie. Vertretbarer Testverbrauch, relativ nahe an der Werksangabe. Lange Service-Intervalle, dazu dichtes Werkstatt-Netz. Mit so viel ­Leistung nicht ganz leichter Wiederverkauf.

ST-Aufputz innen eigentlich nur durchs unten abgeflachte Lenkrad. Klassische Analog-Instrumente mit digitalem Info-Monitor dazwischen – leider gibt’s in der neuen Generation keine hübschen Zusatz-Uhren

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Sportliche Ableger kompakter Ford haben Tradition, schon als sie noch Escort hießen – wir erinnern uns mit Freude an den wild beflügelten Cosworth. Aber auch unter dem Label Focus entstanden tolle Hot Hatches, etwa mit fünf Zylindern, in der letzten Generation als RS sogar wieder mit Allradantrieb und heißen 317 PS. So brutal gibt sich der aktuelle ST freilich nicht, obwohl er von der Basis her denselben 2,3 Liter-Motor nutzt. 280 PS und vor allem 420 Nm sind jedenfalls mehr als genug Ausbeute, zumal sie auf die Vorderräder losgelassen werden, wo sich ein elektronisches Sperrdifferenzial um die Portionierung kümmert – sehr erfolgreich, zumindest auf trockenem Untergrund. Gegenüber den braven Focus-Brüdern wurden beim ST die Schaltwege verkürzt, dazu ist die ohnehin schon feine Lenkung noch direkter ausgelegt – nur mehr zwei Umdrehungen sind es von Anschlag zu Anschlag. Ein Anschlag auf die Bandscheiben ist freilich das verbaute Sportfahrwerk, zumindest in den dynamischen Fahr-Modi, bei denen die elektronischen Dämpfer auf gnadenlos gestellt sind. Drei Fahrprogramme stehen zur Wahl – dazu ein viertes, nämlich der Race-Modus, wenn man zum Performance-Paket gegriffen hat. Dann gibt’s auch automatisches Zwischengas und eine ganz easy per Knopfdruck aktivierbare „Launch Control“. Das Handling des ST ist jedenfalls ein Traum, so agil lenkt kaum ein Kompakter ein. Dazu klebt der Focus in schnellen Kurven auf der Straße, dass es eine Fahrfreude ist – und wer dann vom Gas geht, erntet spaßige Heckschwenks. Die Driftwinkel sind dabei erstaunlich hoch, vor allem in den beiden dynamischen Fahr-Programmen. Bei denen ist übrigens auch die sogenannte „Anti Lag“-Funk­tion aktiv – sie verhindert den Ladedruck-Abfall beim Hochschalten, indem sie die Drosselklappen noch etwas offen lässt.  Und das Sound-Erlebnis? Wie zu erwarten sonor und in den sportlichen Modi noch lauter sowie mit Nachballern aus den beiden Auspuff-Endrohren. Das klingt vor allem außen gut, innen kann das auf der ­Autobahn freilich etwas nervig werden, auch weil die Windgeräusche so niedrig sind. Wem das alles zu räudig ist, der hat zwei Alternativen: ent­we­der den Griff zum Doppelkupplungs-Getriebe oder zur rund 3000 Euro günstigeren ­Diesel-Version mit 90 PS ­weniger Leistung und drei Liter weniger Verbrauch. Wer so denkt, wird wohl auch die 1500 Euro ­teurere Kombi-Version ins Auge fassen – und damit den eigentlichen Sinn des ST endgültig aus den Augen verlieren. [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width="1/2" css=".vc_custom_1446571503268{padding-top: 5px !important;}"][vc_column_text el_class="testkategorien"]Motor & Getriebe - Der großvolumige Vierzylinder zeigt kaum ein Turboloch und schiebt stets motiviert an, sonorer Sound – in den beiden Sport-Modi noch klangstärker sowie mit Auspuff-Geballer bei entsprechender Drehzahl. Sehr gut gestuftes Getriebe, knackig-kurz­wegige Schaltung. Fahrwerk & Traktion - Ziemlich straffes Fahrwerk schon im Normal-Modus, auf schlechten Straßen zudem poltrige Achsen. Sehr hoher Kurven-Speed möglich, dann freilich lastwechselanfällig (ESP greift erst spät ein, vor allem in den Sport-Modi). Dank Sperrdifferenzial selten Trakti­ons-Probleme auf trockenem Untergrund. Superbe Lenkung, kaum Zerren am Volant. Tadellose Bremsanlage. Cockpit & Bedienung - Tiefe, aber gute Sitzposition auf nicht zu engem Recaro-Gestühl, optimal wäre noch eine neigungsverstellbare Schenkelauflage. Das per Touchscreen zu bedienende Multimediasystem ist schnell durchschaut, für die Lautstärke gibt es einen klassischen Drehregler. Alu-Schaltknauf an kühlen Tagen…

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FAZIT

Richtig dynamischer Golfklassler ums faire Geld.

Motor & Getriebe
Fahrwerk & Traktion
Cockpit & Bedienung
Innen- & Kofferraum
Dran & Drin
Schutz & Sicherheit
Preis & Kosten
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8

R4, 16V, Turbo, 2261 ccm, 280 PS (206 kW) bei 5500/min, max. Drehmoment 420 Nm bei 3000–4000/min, Sechsgang-Getriebe, Vorderradantrieb, Scheibenbremsen v/h (v bel.), L/B/H 4388/1848/1440 mm, Radstand 2700 mm, 5 Sitze, Wendekreis 11,3 m, Reifendimension 235/35 R 19 (Testwagen-Bereifung Dunlop SP Winter Sport 3D), Tankinhalt 52 l, Reichweite 620 km, Kofferraumvol. 375–1354 l, Leergew. 1467 kg, zul. Gesamtgewicht 2000 kg, max. Anh.-Last 1600 kg, 0–100 km/h 5,7 sec, 60– 100 km/h (im 4./5. Gang) 4,6/6,3 sec, Spitze 250 km/h, Steuer (jährl.) € 1513,44, Werkstätten in Österreich 192, Service alle 30.000 km (mind. alle 2 Jahre), WLTP-Normverbrauch (kombiniert) 8,1 l, Testverbr. 8,4 l ROZ 98, CO2 (Norm/Test) 187/193 g/km

Front- und vordere Seiten­airbags, durchgehende Kopfairbag-Vorhänge, Spurhalte- und Brems-Assistent, Auffahr-Warner mit Fußgänger- und Radfahrer-Erkennung, LED-Scheinwerfer, Licht- und Regensensor, Sperrdifferenzial, Sportfahrwerk mit adaptiven Dämpfern, Innenspiegel autom. abblend., el. klappb. Außenspiegel, vier E-Fensterheber, Navigationssystem, 8 Zoll Touchscreen-Multimediasystem mit USB-Slot und 6 LS, DAB-Tuner, WLAN-Hotspot, el. verstell- und beheizbare Recaro-Sportsitze, Leder/Alcantara-Pols­terung, 19 Zoll-Aluräder, Klimaautomatik, Multifunktions-Sportlederlenkrad, Tempomat, Einparkhilfe v/h, Rückfahrkamera, FB-Zentralsperre etc.

Toterwinkel-Assistent € 388,–, Technologie-Paket (Abstandsregel-Tempomat, Ausweich-Assistent, Müdigkeits-Warner, Verkehrszeichen-Erkennung, autom. Fernlicht etc.) € 554,–, Per­formance-Paket (zusätzlicher Rennstrecken-Fahrmodus, Launch Control, Zwischengas-Funktion etc.) € 1141,–, Family-Paket (Rückbank mit Durchlade-Klappe, el. Kindersicherung h, Mittelarmlehne h) € 166,–, Easy Parking-Paket (Einpark-Assistent, Türkantenschutz) € 421,–, B&O-Sound € 664,–, Winter-Paket (heizb. Windschutzscheibe, Lenkrad-Heizung) € 285,–, Headup-Display € 534,–, abgedunkelte Fondscheiben € 443,–, Notrad € 111,–, Standheizung mit FB € 997,–,  Panorama-Schiebedach € 1337,–, schlüsselloser Zugang € 332,–, induktives Handyladen € 188,–, CD-Player € 265,–, Metallic-Lack ab € 970,– etc.

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