Test: Mercedes EQC 400 4MATIC

3. Oktober 2019
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Mercedes Benz
Klasse:Geländewagen/SUV
Antrieb:Allrad
Treibstoff:Elektro
Leistung:408 PS
Testverbrauch: l/100km
Modelljahr:2019
Grundpreis:75.500 Euro

Reichweite lautet das Zauberwort bei Elektroautos, vor allem bei Premium-Herstellern. Nach Tesla, Jaguar und Audi protzt nun auch Mercedes mit einer beeindruckenden Werksangabe: 471 Kilometer. Und weil Geld in der Prestige-Liga keine so große Rolle spielt, wird Reichweite am leichtesten mit einem großen Akku generiert. Wobei „am leichtesten“ natürlich zynisch ist: 2,5 Tonnen Leergewicht sind für einen SUV mittlerer Größe ziemlich heftig.

Der EQC ist jedenfalls sechs Zentimeter länger als ein C-Klasse T-Modell und bietet ein ähnliches Platzangebot für Passagiere sowie Gepäck. Bei der Ellbogenfreiheit und beim Basis-Kofferraum liegt der Stromer leicht voran, Kniefreiheit hinten und maximales Ladevolumen sprechen dagegen für den klassischen Kombi.

Beim Fahren begeistert der Strom-Stern mehr. Zumindest, wenn man auf souveräne und lautlose Kraftentfaltung steht – wogegen formal wenig spricht. Dank Allrad gibt es selbst auf Nässe nie Traktions-Probleme, was angesichts von 760 Nm vom Stand weg schon überrascht. Für Überraschung sorgt auch der Blick auf den Basis-Preis: Jaguars I-Pace und der (größere, aber deutlich schwächere) Audi e-tron sind teurer, vom Tesla Model X ganz zu schweigen.

Ein Grund dafür: Mit 80 kWh ist das im konzerneigenen Werk nahe Dresden produzierte Akku-Pack des EQC nicht ganz so aufnahmefähig wie bei den drei Mitbewerbern. Die ­Norm-Reichweite ist dank geringerem Verbrauch aber ähnlich gut.

Und rund ums wichtige Thema Stromen & Laden bietet auch der E-Stern jede Menge praktische Details: Die Rekuperation kann via Lenkrad-Paddels ganz easy vierstufig eingestellt oder in einen empfehlenswerten, weil vorausschauenden Auto­matik-­Modus versetzt werden, bei angestecktem Fahrzeug ist eine Vor­­klimatisierung möglich (wahlweise nur für den Fahrersitz), dazu werden zwei ­Ladeka­­bel in zwei wählbaren Längen aufpreisfrei mitgeliefert, und das Navi plant bei Reisen entsprechende „Tank“-Stopps ein.

Wie sieht’s nun mit dem eingangs erwähnten Kern-Thema Reichweite aus? 471 Kilometer wie versprochen gehen sich in der Praxis natürlich nicht aus, zumal bei den optionalen 20-Zöllern. Hochgerechnet mit dem Stromverbrauch auf unserer bei 21 Grad Außentemperatur gefahrenen Normrunde mit 50 Prozent Autobahn-Anteil ergeben sich 340 Kilometer – das ist also tatsächlich das Niveau von Jaguar (320) sowie Audi (340) und jedenfalls besser als Tesla (290).

Motor & Getriebe – Enormes Beschleunigungsvermögen in praktisch jeder Lebenslage bei kaum hörbarem Motorsound, naturgemäß keine Schaltrucke, weil quasi Eingang-Getriebe. 

Fahrwerk & Traktion – Bequem, aber nicht schwammig abgestimmt. Überraschend agile Lenkung, Übergang von Rekuperation (über Lenkrad-Paddels vierstufig zu variieren) auf herkömmliche Betriebsbremse durchaus harmonisch. Top-Traktion dank Allradantrieb und trotz massig Drehmoment. Im Grenzbereich sicher untersteuernd, nur geringe Lastwechsel-Reaktionen. 

Stock & Stein –  Für einen SUV geringe Bodenfreiheit – damit sind bestenfalls Feldweg-Passsagen souverän zu bewältigen.

Cockpit & Bedienung – Dank Touchpad, Touchscreen und ausgeklügelter Sprachsteuerung hat man die zahlreichen Fahrzeug-Funktionen recht gut im Griff. 1A-Sitzposition, konfigurierbare Digital-Instrumente. Einpark-Auto­matik und Rückfahrkamera aufpreisfrei, Rundum-Kameras empfehlenswert. Serie: E-Heckklappe mit Sensorsteuerung. Fein: Fahrzeug vorklimatisierbar, wenn angesteckt (optional auch via Smartphone).

Innen- & Kofferraum – Ordentliches Platzangebot für vier Passagiere (hinten freilich relativ wenig Schenkelauflage), in Sachen Kofferraumvolumen hat die Konkurrenz mehr zu bieten. Das Gepäckabteil ist immerhin gut nutzbar, die Ladefläche bleibt auch nach Umlegen der 2:1:2 geteilten Fondlehnen eben, unterm doppelten Boden warten Kleinzeugfächer für Ladekabel & Co. sowie ein faltbarer Einkaufskorb. Trenn-Netz gegen Aufpreis.

Dran & Drin – Ordentliche Serienausstattung (u.a. mit Navigation und HiFi-Sound), Benz-typisch bleibt viel Spielraum für Optionen – ob fehlender NoVA sind diese relativ günstig. Keine Patzer bei der Verarbeitung, die ­Materialien wirken hochwertig.

Schutz & Sicherheit – Unauffälliges Airbag-Aufkommen (Fond-Seitenairbags als Option), einige Assistenzsysteme aufpreisfrei – praktisch alle gängigen E-Helferlein (bis hin zum teilautonomen Fahren) gegen Aufpreis erhältlich.

Reichweite & Laden – Ordentliche Praxis-Reichweite, Ladekabel für Haushaltssteckdose (Vollladung dauert hier 41 Stunden) und Typ 2 mit dabei (wahlweise 4 oder 8 Meter lang). Elf Stunden muss man für eine Vollladung mit Wechselstrom an einer Wallbox oder öffentlichen Ladestation (maxi­mal 7,4 kW) einkalkulieren, bei Gleichstrom mit 110 kW sind die Akkus nach 40 Minuten zu 80 Prozent voll.

Preis & Kosten – Günstiger als die Mitbewerber von Jaguar, Audi und vor allem Tesla, wie diese ist der EQC vorsteuerabzugsberechtigt. Strom-Verbrauch angemessen. Die vierjährige Garantie (Batterie acht Jahre oder 160.000 Kilometer) lässt sich gegen Aufpreis auf sechs Jahre verlängern. Jahres-Inspektion Pflicht, Hol- und Bring-Service zu den 17 Elektro-Partnern von Mercedes Österreich gegen Aufpreis.

Gewohntes Benz-Cockpit mit zwei 10,25- Zoll-Monitoren (der rechte als Touchscreen), beim EQC sieht man jedoch nach langem wieder rechteckige Lüftungsdüsen. 

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Reichweite lautet das Zauberwort bei Elektroautos, vor allem bei Premium-Herstellern. Nach Tesla, Jaguar und Audi protzt nun auch Mercedes mit einer beeindruckenden Werksangabe: 471 Kilometer. Und weil Geld in der Prestige-Liga keine so große Rolle spielt, wird Reichweite am leichtesten mit einem großen Akku generiert. Wobei „am leichtesten“ natürlich zynisch ist: 2,5 Tonnen Leergewicht sind für einen SUV mittlerer Größe ziemlich heftig. Der EQC ist jedenfalls sechs Zentimeter länger als ein C-Klasse T-Modell und bietet ein ähnliches Platzangebot für Passagiere sowie Gepäck. Bei der Ellbogenfreiheit und beim Basis-Kofferraum liegt der Stromer leicht voran, Kniefreiheit hinten und maximales Ladevolumen sprechen dagegen für den klassischen Kombi. Beim Fahren begeistert der Strom-Stern mehr. Zumindest, wenn man auf souveräne und lautlose Kraftentfaltung steht – wogegen formal wenig spricht. Dank Allrad gibt es selbst auf Nässe nie Traktions-Probleme, was angesichts von 760 Nm vom Stand weg schon überrascht. Für Überraschung sorgt auch der Blick auf den Basis-Preis: Jaguars I-Pace und der (größere, aber deutlich schwächere) Audi e-tron sind teurer, vom Tesla Model X ganz zu schweigen. Ein Grund dafür: Mit 80 kWh ist das im konzerneigenen Werk nahe Dresden produzierte Akku-Pack des EQC nicht ganz so aufnahmefähig wie bei den drei Mitbewerbern. Die ­Norm-Reichweite ist dank geringerem Verbrauch aber ähnlich gut. Und rund ums wichtige Thema Stromen & Laden bietet auch der E-Stern jede Menge praktische Details: Die Rekuperation kann via Lenkrad-Paddels ganz easy vierstufig eingestellt oder in einen empfehlenswerten, weil vorausschauenden Auto­matik-­Modus versetzt werden, bei angestecktem Fahrzeug ist eine Vor­­klimatisierung möglich (wahlweise nur für den Fahrersitz), dazu werden zwei ­Ladeka­­bel in zwei wählbaren Längen aufpreisfrei mitgeliefert, und das Navi plant bei Reisen entsprechende „Tank“-Stopps ein. Wie sieht’s nun mit dem eingangs erwähnten Kern-Thema Reichweite aus? 471 Kilometer wie versprochen gehen sich in der Praxis natürlich nicht aus, zumal bei den optionalen 20-Zöllern. Hochgerechnet mit dem Stromverbrauch auf unserer bei 21 Grad Außentemperatur gefahrenen Normrunde mit 50 Prozent Autobahn-Anteil ergeben sich 340 Kilometer – das ist also tatsächlich das Niveau von Jaguar (320) sowie Audi (340) und jedenfalls besser als Tesla (290).[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width="1/2" css=".vc_custom_1446571503268{padding-top: 5px !important;}"][vc_column_text el_class="testkategorien"]Motor & Getriebe - Enormes Beschleunigungsvermögen in praktisch jeder Lebenslage bei kaum hörbarem Motorsound, naturgemäß keine Schaltrucke, weil quasi Eingang-Getriebe.  Fahrwerk & Traktion - Bequem, aber nicht schwammig abgestimmt. Überraschend agile Lenkung, Übergang von Rekuperation (über Lenkrad-Paddels vierstufig zu variieren) auf herkömmliche Betriebsbremse durchaus harmonisch. Top-Traktion dank Allradantrieb und trotz massig Drehmoment. Im Grenzbereich sicher untersteuernd, nur geringe Lastwechsel-Reaktionen.  Stock & Stein -  Für einen SUV geringe Bodenfreiheit – damit sind bestenfalls Feldweg-Passsagen souverän zu bewältigen. Cockpit & Bedienung - Dank Touchpad, Touchscreen und ausgeklügelter Sprachsteuerung hat man die zahlreichen Fahrzeug-Funktionen recht gut im Griff. 1A-Sitzposition, konfigurierbare Digital-Instrumente. Einpark-Auto­matik und Rückfahrkamera aufpreisfrei, Rundum-Kameras empfehlenswert. Serie: E-Heckklappe mit Sensorsteuerung. Fein: Fahrzeug vorklimatisierbar, wenn angesteckt (optional auch via Smartphone). Innen- & Kofferraum - Ordentliches Platzangebot für vier Passagiere (hinten freilich relativ wenig Schenkelauflage), in Sachen Kofferraumvolumen hat die Konkurrenz mehr zu bieten. Das Gepäckabteil ist immerhin gut nutzbar, die Ladefläche bleibt auch nach Umlegen der 2:1:2 geteilten Fondlehnen eben, unterm doppelten Boden warten Kleinzeugfächer für…

7.8

FAZIT

Wer es sich leisten kann, bekommt mit dem EQC das vielleicht vollwertigste Elektroauto am Markt.

Motor & Getriebe
Fahrwerk & Traktion
Stock & Stein
Cockpit & Bedienung
Innen- & Kofferraum
Dran & Drin
Schutz & Sicherheit
Reichweite & Laden
Preis & Kosten
User-Wertung : Keine Bewertungen bisher!
8

2 Asynchron-Elektromotoren, Spitzenleistung 408 PS (300 kW), Dauerleistung 197 PS (148 kW), max. Drehmoment 760 Nm, 405V- Lithium-Ionen-Akku 80 kWh, Allradantrieb mit fixer Übersetzung, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4761/1884/1623 mm, Radstand 2873 mm, 5 Sitze, Wendekreis
10,6 m, Reifendimension 235/55 R 19 (Testwagen-Bereifung Pirelli Scorpion Verde v 235/ 50 R 20, h 255/45 R 20), Reichweite 340 km, Kofferraumvolumen 500–1460 l, Leergewicht 2495 kg, zul. Gesamtgewicht 2940 kg, max. Anh.-Last 1800 kg, 0–100 km/h 5,1 sec, 60–100 km/h 3,0 sec, Spitze 180 km/h (ab-geregelt), Steuer (jährl.) keine, Werkstätten in Österreich 92 (17 davon E-Partner), Service alle 25.000 km (mind. 1x/Jahr), Norm-/Testverbrauch 19,7/23,5 kWh, Ladedauer bei 7,4 kW (100%) 11 Std, bei 110 kW Gleichstrom (80%) 40 Min

Offroad-Daten: Böschungswinkel v/h 17,6°/ 19,5°, Rampenwinkel 11,6°, Bodenfreiheit 120 mm, Wattiefe k. A.

Sieben Airbags inkl. Knieairbag Fahrer, LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht, Toterwinkel-Assistent, aktiver Spurhalte-Assistent, Headup-Display, Verkehrszeichenerkennung, Klimaautomatik, Audiosystem mit 10,25- Zoll-Touchscreen und USB/AUX-Anschluss, Burmester Surround-Sound mit 13 LS und 590 Watt, Touchpad, Navigation, Bluetooth f. Telefon und Audio, Außenspiegel el. klappbar und autom. abblend, Licht- und Regensensor, teilelektr. Vordersitze, E-Heckklappe mit Sensorsteuerung, adaptive Dämpfer, Aluräder 19 Zoll, Einpark-Automatik, Rückfahrkamera, Tempomat, Alarmanlage, Keyless-Go etc.

Seitenairbags h € 426,–, Fahrassistenz-Paket (Aktiver Abstandsregel-Tempomat mit Verkehrszeichen-Anbindung und Stau-Assistent, aktiver Lenk-Assistent, aktiver Spurhalte-Assistent, aktiver Notstopp-Assistent mit SOS-Funktion, Abbiege- und Kreuzungs-Assistent, aktiver Toterwinkel-Assistent, Ausstiegswarn-Funktion etc.) € 1578,–, Rundumkameras € 576,–, TV-Tuner € 1242,–, Apple CarPlay & Android Audio € 438,–, DAB-Tuner € 312,–, induktives Handyladen € 252,–, Augmented Reality für Navi € 312,–, AMG-Styling-Paket € 1692,–, 230V- Steckdose € 144,–, Lenkrad-Heizung € 324,–, Smartphone als Fahrzeugschlüssel € 126,–, E-Fahrer-/Beifahrersitz mit Memory € 876,–/ 498,–, Sitzheizung v/h je € 408,–, Sitzklimatisierung v € 1350,–, Sonnenrollos Fondtüren € 312,–, E-Glas-Schiebedach € 1314,–, Trenn-Netz € 138,–, Lederpolsterung € 2052,–, Dreizonen-Klima € 738,–, Metallic-Lack ab € 978,–, 20/21 Zoll-Räder ab € 746,–/1878,– etc.

5 Kommentare

  1. Beim jährlich vorgeschriebenen Service zeigt sich, dass auch Batterieautos Wartung brauchen. Na no na, auch ein E-Auto hat Reifen, Bremsen, Radlager, Lenkung und diverse Servo- und Hilfsmotoren, die gecheckt gehören.
    Nur, weil ja vielfach behauptet wird, dass man bei Elektromobilen immense Servicekosten spart, so als würden sie nur aus dem E-Motor bestehen, der wartungsfrei ist.
    Auch heutige Verbrenner bedürfen im Wesentlichen keiner besonderen Wartung – lediglich die Kosten für den Ölwechsel fallen gegenüber einem E-Motor zusätzlich an.

  2. Herr Chefredakteur, bitte welcher Tesla mit einer annähernd gleich großen Batterie kommt denn nur 290 km weit?

  3. Das im Text erwähnte Tesla Model X im letzten Test bei uns (Vergleich mit Porsche Cayenne, Heft 3/2018): Batterie 100 kWh, Verbrauch 39,8 kWh, macht 250 km Reichweite.

    • Ich habe die Ausgaben des Vorjahres bereits in Vakuum verpackt, um sie für die Nachwelt aufzubewahren. Hatte der Tesla diesen Verbrauch auch in der Normrunde?

      • Testverbrauch = Normrunde, also nicht der tatsächliche Verbrauch während des gesamten Tests, der würde bei allen Autos deutlich drüber liegen. Unsere Normrunde beinhaltet 50 Prozent Autobahn, 40 Prozent Landstraße, 10 Prozent Stadt. Für alle Autos gleich, egal ob es für sie ungünstig ist (E-Autos, Plug-In-Hybride) oder nicht. Auf der Autobahn wird natürlich gesetzeskonform gefahren.

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