Straßenbahn Innenraum

Coronavirus: Lebensretter Auto?

18. März 2020
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Alles Klartext

Wer weiß eigentlich, wie viele Tote öffentliche Verkehrmittel durch die Ansteckung von Menschen auf engstem Raum verursachen? Keiner – und bis vor kurzem hat es auch niemanden interessiert. Diese Frage haben wir lange vor dem Coronavirus einmal gestellt, damals als überzeichnetes Gegenbeispiel – um vorzuführen, wie absurd andererseits die Umrechnung von automobilem Feinstaub auf jährliche Sterbefälle ist. Nun hat uns die Realität also eingeholt.

Denn wer hätte noch vor zwei Wochen gedacht, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter ernsthaft dazu auffordern könnten, aus gesundheitlichen Gründen ausschließlich mit dem Pkw zur Arbeit zu fahren? Schon in guten Zeiten haften auf dem durchschnittlichen Haltegriff in der U-Bahn Substanzen, die selbst im Wischmop eines Swingerclubs nicht vorkommen. Auch wenn nicht alles, was ekelig ist, gleich zur Pandemie wird – mit der sauberen Heilslehre der Öffis ist es wohl für einige Zeit vorüber. Wer meint, Car-Sharing wäre ein guter Kompromiss, ist auch nur in einem etwas kleineren Risikoherd unterwegs – oder desinfizieren Sie den Mietwagen vor jedem Start?

Und falls Sie die nächsten Wochen daheim verbringen müssen, in ihrer Mobilität mehr oder weniger unfreiwillig eingeschränkt sind: Merken Sie sich gut, wie sich das anfühlt. Es ist nämlich die Welt, die Klima-Gretl & Co als goldene Zukunft auserkoren haben. Eine Welt auch, in der alle Menschen von Angebot und Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrmittel abhängig sind – und damit gut steuer- und beherrschbar.

Wenn die Auto-Phobie in ein paar Wochen, nachdem das Coronavirus ausgestanden ist, wieder um die Themenhoheit eifert, dann sollten Sie das vielleicht nicht mehr schweigend hinnehmen. Nicht der besseren Hygiene im eigenen Pkw zuliebe – die ist dann wieder Geschmackssache. Sondern, weil die Freiheit, mit dem Verkehrsmittel Ihrer Wahl zu fahren, wo und wann immer Sie wollen, ein Grundrecht ist. Dessen kurzfristige Einschränkung aus zulässigen Gründen darf sein – eine im weltweiten Maßstab lächerlich geringe CO2-Einsparung ist kein solcher Grund.

(Kommentar)

Foto: balticmedia

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