Erster Test: Opel Corsa

5. Februar 2020
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Aktuelles

Die seit der Familienzusammenführung mit der französischen PSA- Gruppe erschienenen Opel-Modelle hatten es vergleichsweise leicht: Sie waren sämtlich Segment-Neulinge. Der Corsa hingegen blickt auf eine lange Ahnenreihe zurück, in  37 Jahren und fünf Generationen fast 14 Millionen Mal verkauft.

Der Jüngste teilt sich nun die sogenannte Multi-Energy-Plattform mit dem ebenfalls brandneuen Peugeot 208 (siehe Fahrbericht im letzten Heft). Äußerlich gehen die beiden völlig unter­schiedliche Wege: schnittig-aggressiv der Peugeot, un­auf­dring­lich-elegant der Opel.

 

Unter der äußeren Schicht gleichen sich die beiden allerdings wie ein Ei dem anderen. Motoren, Getriebe und ihre angebotenen Kombinationen sind ident, Teilegleichheit herrscht auch bei der Fahrwerks-Kons­truktion – schade, dass hier ­eine günstige Möglichkeit, Differenzierung zu demonstrieren vergeben wurde. Ein paar PS und Newtonmeter auf oder ab bei der einen oder anderen Marke – heute im Prinzip nur ein Software-Klacks – oder kleine unterschiedliche Technik-Details mehr hätten ein ausgezeichnetes Marketing-Instrument ergeben, die nicht völlige Gleichschaltung zu bekunden.

Wohlgemerkt: Das macht den Corsa nicht zu einem schlechten Auto, ganz im Ge­genteil. Gegenüber dem Vor­gänger ist er in der Länge nur geringfügig gewachsen, aber fast fünf Zentimeter niedriger geworden. Das Raumkonzept ist äußerst anspre­chend, man fühlt sich eine Klasse höher unter­gebracht. Die relative Beliebigkeit des Vorgängers ist dahin, der neue Innenraum hat deutlich mehr Schwung und Stil, die Materialien sind durchwegs hochwertig und haptisch ansprechend.

Das Armaturenbrett ist betont harmonisch gestaltet, nicht nur Multimedia-System, sondern auch Bedienelemente sind stark dem Fahrer zugewandt. Armselig ist leider das digitale Instrument ausgefallen: Die Grafik-Darstellung ist an uninspirierter Fadesse nicht zu überbieten – selbst Waschmaschinen bieten heute meist Displays mit mehr Pep. Außer in der Ausstattung GS-Line ist es allerdings optional, was die herkömmlichen Zeiger-Instrumente somit nicht nur zur ansprechenderen, sondern auch zur günstigeren Wahl macht.

Das Motoren-Angebot besteht aus dem Dreizylinder-Benziner aus dem PSA-Regal, ohne Aufladung zu 75 PS und mit zu 100 und 130 PS, dazu einem Vierzylinder Diesel mit 102 PS, ebenfalls von Peugeot. Das schon aufgrund seiner Leistungs­daten wenig verführerische Einstiegs-Aggregat stand für Testfahrten nicht zur Verfügung, bei den ­beiden anderen Benzinern geht die Empfehlung eindeutig Richtung 130 PS-Variante. Wer hauptsächlich im städtischen Umfeld unterwegs ist, wird aber auch mit der 100 PS-Version auskommen. 

Gegenüber den Motoren aus der GM-Ära bieten die kleinervolumigen Dreizylinder-Turbos kaum weniger Elasti­ziät, sind im Lauf aber ­ruppiger. Die etwas indirektere Charakteristik geht auf das Konto der nunmehrigen Ab­gasnormen. 

Beim manuellen Getriebe sind die Schaltwege ein wenig lang, dafür ist die Führung äußerst präzise. Die in der 130 PS-Variante serienmäßige Achtgang- Automatik agiert komfortabel und flott, wer Sport-Modus und manuelle Bedienung über Wippen wählt, bekommt ein er­wei­tertes Spaß-Spektrum serviert: noch direkter agierende Lenkung, schnelle Gangwechsel, ­gute Soundkulisse. Der Diesel wird ab 3000 Touren recht laut, ist in der Leistungsabgabe aber durchaus überzeugend.

Auch in Sachen Fahrwerk verdient sich der kleine Franko-Germane Bestnoten: Der Spagat zwischen Komfort und Sport­lich­keit ist gelungen, die Abstimmung tenden­ziell aber eher straff ausgelegt, die Federwege sind kurz, die Wankbewegungen in den Kurven ansprechend gering.

Was fehlt, ist eventuell nur ein Motor mit etwas mehr Punch und Hubraum, mit dem man das volle Potenzial des neuen Corsa auskosten kann. Dessen Einstiegspreis ist gegenüber dem Vorgänger übrigens um 120 ­Euro gesunken, für die vergleichbare 100 PS-Version liegt der Tarif allerdings etwa 1000 Euro höher.

Daten & Fakten

Basispreis in € 14.639,–
Zyl./Ventile pro Zyl. 3/4
Hubraum in ccm 1199
PS/kW bei U/min 75/55 bei 5750
Nm bei U/min 118 bei 2750
Getriebe 5-Gang, man.
L/B/H, Radst. in mm 4060/1745/1433, 2538
Kofferraum/Tank in l 309–1015 / 44
Leergewicht in kg 1055
0–100 km/h in sec 13,2
Spitze in km/h 174
WLTP-Normverbrauch 5,3
CO2-Ausstoß in g/km 123
Basispreis in € 17.589,– (19.739,–)
Zyl./Ventile pro Zyl. 30/4
Hubraum in ccm 1119
PS/kW bei U/min 100/74 bei 5500
Nm bei U/min 205 bei 1750
Getriebe 6-Gang, man. (8-Gang-Aut.)
L/B/H, Radst. in mm 4060/1745/1433, 2538
Kofferraum/Tank in l 309–1015 / 44
Leergewicht in kg 1165 (1165)
0–100 km/h in sec 9,9 (10,8)
Spitze in km/h 188 (188)
WLTP-Normverbrauch 5,4 (5,7)
CO2-Ausstoß in g/km 124 (132)

(Abweichende Werte in Klammer für Version mit Automatik-Getriebe)

Basispreis in € 22.399,–
Zyl./Ventile pro Zyl. 3/4
Hubraum in ccm 1199
PS/kW bei U/min 130/96 bei 5500
Nm bei U/min 230 bei 1750
Getriebe 8-Gang-Aut.
L/B/H, Radst. in mm 4060/1745/1433, 2530
Kofferraum/Tank in l 309–1015 / 44
Leergewicht in kg 1233
0–100 km/h in sec 8,7
Spitze in km/h 208
WLTP-Normverbrauch 5,6
CO2-Ausstoß in g/km 128
Basispreis in € 19.889,–
Zyl./Ventile pro Zyl. 4/4
Hubraum in ccm 1499
PS/kW bei U/min 102/75 bei 3500
Nm bei U/min 250 bei 1750
Getriebe 6-Gang, man.
L/B/H, Radst. in mm 4060/1745/1433, 2538
Kofferraum/Tank in l 309–1015/44
Leergewicht in kg 1165
0–100 km/h in sec 10,2
Spitze in km/h 188
WLTP-Normverbrauch 4,1
CO2-Ausstoß in g/km 107

Wie sich der neue Corsa im direkten Vergleich mit seiner Konkurrenz von Kia, Renault und VW schlägt, haben wir bereits für euch herausgefunden. Den großen Vergleich gibt’s im aktuellen Heft Nr. 1-2 2020!

2 Kommentare

  1. Dieses Auto entspricht dem Zeitgeist – everybodies Darling – wie der neue Golf mit allen möglichen Antrieben versehen – und fad bis zur Unkenntlichkeit. Muss man als Angehöriger einer autoaffinen Gesellschaft gleich W.O. geben? Und sich in die „alter weisser Mann“-Gesellschaft einfügen? Ich glaube nicht, denn diese „alter weisser Mann“-Gesellschaft hat es den jetzigen -utopischen Energie-verbrauchenden Gesellschaften erst ermöglich, ihre kommunistisch-verkleideten Ideologien zu verbreiten. Wir senilen – oder Aüto- verliebten- ewig Gestrigen werden aber trotzdem unserer Freude huldigen: der Fahrt auf die Dopplerhütte zum Spaß, der Fahrt in die Wachau zum Heurigen und der Fahrt an die Adria im Urlaub – ohne ein schlechtes Gewissen zu haben oder jemand Rechenschaft ablegen zu müssen.

    • Also mein Darling ist er definitiv nicht. Allein der zweite Teil des Satzes
      >>>“Gegenüber dem Vor­gänger ist er in der Länge nur geringfügig gewachsen, aber fast fünf Zentimeter niedriger geworden“<<<
      reicht vollkommen aus, um die Karre für mich absolut uninteressant zu machen.
      Aber das entspricht ja dem heutigen Zeitgeist.+
      MfG J

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