Großer Test: Toyota GR86

20. Februar 2023
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Tests

FAHRZEUGDATEN

Marke:Toyota
Klasse:Coupé
Antrieb:Hinterrad
Treibstoff:Benzin
Leistung:234 PS
Testverbrauch:8,4 l/100km
Modelljahr:2023
Grundpreis:42.890 Euro

Die Weltmarke Toyota bietet mittlerweile ein einzigartiges Portfolio an An­­triebsarten. Bei den Hybriden (mittlerweile auch mit Ansteck-Option) hat man seit jeher die Nase vorn, auch Wasserstoff wird mit einem Serienauto bespielt. Dazu gibt es neben Elektro noch Diesel bzw. Benziner – und mit dem GR86 ab sofort ein Auto, das Fahrspaß auf die klassische Art definiert: Saugmotor vorne, Hinterradantrieb, Schaltgetriebe – und das im kompakten Coupé-Kleid.

Mit diesen Zutaten trifft der Japaner alles andere als den Zeitgeist – aber mitten ins Herz der Puristen. Das zeigt auch schon der Auftragseingang: Nur 15 Prozent der Kunden greifen zur optionalen Wandler-Automatik, obwohl diese nur 2000 Euro extra kostet und einen Abstandsregel-Tempomat inkludiert. 

Gut so, zwei Pedale wären hier absolut eine Themenverfehlung. Die manuelle Sechsgang-Schaltung ist knackig und kurzwegig, das gekonnt koordinierte Zusammenspiel aus Hand- und Fußbewegungen drohte ja schon in Vergessenheit zu geraten. Dazu kommt ein straffes Fahrwerk und ein schwenkfreudiges Heck, das entweder von der nicht zu ernsten Stabilitätskontrolle eingefangen wird oder von geübten Piloten über die direkte und präzise Lenkung. 

Wie beim Vorgänger GT86 stammt der Motor von Subaru, der aufgebohrte Boxer bietet jetzt freilich mehr Hubraum, mehr Leistung und deutlich mehr Drehmoment. Die Gasannahme ist saugertypisch fein, der Klang könnte jedoch ernsthafter sein – und das trotz Sound-Generator über die Innenraum-Lautsprecher. Doch was soll’s, in Sachen Handling und Agilität ist dieser Toyota ein Hit.

Von den Abmessungen her unterscheidet sich der GR kaum vom GT, wurde aber 50 Prozent steifer, ohne an Gewicht zuzulegen (Dach, vordere Kotflügel und Motorhaube sind schließlich aus Alu). Zulegen konnte das Kofferabteil: um 34 Liter. Dazu sitzt man sogar noch etwas tiefer als beim alten Modell, das vor genau zehn Jahren das Licht der Welt erblickte.

War der 86er damals schon einzigartig, ist er es heute umso mehr. Es gibt tatsächlich keinen echten Konkurrenten am Markt – der Versuch einer Einordnung im Kapitel „Preis & Kosten“ rechts scheiterte kläglich. Am ehesten in Sachen Fahrgefühl und Positionierung ist der neue Toyota-Sportler mit der Hardtop-Version des Mazda MX-5 vergleichbar. Es ist schon erstaunlich, dass gerade die als fade Firmen verschrienen Japan-Her­steller der (alten) Welt zeigen, wie man leistbaren Fahrspaß realisiert.    

Motor & Getriebe – Spontan und dramatisch bulliger als der Vorgänger geht der drehfreudige und relativ hubraumstarke Boxer-Saugmotor zur Sache, jubelt bis 7000 Touren hoch, der Sound ist leider beliebig bis laut. Kurzwegiges, knackiges Schaltgetriebe, eng gestuft, Ganghebel perfekt positioniert. 

Fahrwerk & Traktion – Straffe, gerade noch erträglich komfortable Abstimmung. Sehr agiles Handling über direkt-präzise Lenkung samt kleinem Volant. Sehr ­hoher Kurvenspeed möglich, per Gasstoß ist das Heck jederzeit zu motivieren – die (abschaltbare) Stabilitätskontrolle ist spät, aber doch zur Stelle. Hilfreich bei der Suche nach Grip: die Gewichtsverteilung von 53:47 sowie das elektronische Sperrdifferenzial. ­Bremsen: gut zu dosieren und wirkungsvoll.

Bedienung & Multimedia – Sehr tiefe Sitzposition, die Sport-Möbel geben guten Seitenhalt, ohne zu sehr einzuengen oder zu ermüden. Gute Ergonomie, keine Bedien-Schwächen – das Multimediasystem ist rasch durchschaut, die Sprachsteuerung aber bestenfalls mittelmäßig. Smartphone-Anbindung und -Laden nur kabellos. Minus: keine Parksensoren, kein Regensensor. Genug Ablagemöglichkeiten, Handschuhfach und Türfächer groß genug.  

Innen- & Kofferraum – Bei der Kopffreiheit vorne könnte es Großgewachsene schon zwicken, im Fond haben bestenfalls Kinder Platz. Kofferraum ausreichend groß, aber ziemlich flach, außerdem über kleine Öffnung und hohe Ladekante zu beladen. Zur Erweiterung lässt sich die Fondlehne im Ganzen nach vorne klappen. 

Dran & Drin – Gute, aber keinesfalls überbordende Ausstattung, das eine oder andere Luxus-Feature (etwa Lederpolsterung, Lenkrad-Heizung oder Navigationssystem) könnte einem schon abgehen, Extras gibt es bis auf Sonderlackierungen keine. Sechsgang-Automatik für 2000 Euro extra. Basismodell (nur 17-Zöller, keine Sitzheizung und keine adaptiven Scheinwerfer) um 3300 Euro günstiger

Schutz & Sicherheit – Mittelmäßiges Airbag-Aufkommen, eher dünn bestückt mit Assistenzsystemen. Unverständlich: Adaptiv-Tempomat und Spurhalte-Assistent nur bei der Automatik-Variante verbaut. 

Preis & Kosten – Vom Package her konkurrenzlos, am ehesten kommt noch das größere BMW 220i Coupé hin, das ums selbe Geld mit 184 PS auskommen muss und nur mit Automatik geliefert wird. Der ähnlich große Audi TT ist deutlich teurer und ein Fronttriebler – einen Turbo haben beide Deutsche. Überraschung: Testverbrauch unter der (freilich nicht gerade berauschenden) Werksangabe, obwohl kein Start/Stopp-System verbaut ist. Top: bei Service-Treue bis zu zehn Jahre Garantie. Minus: kurze Service-Intervalle. Gute Werthaltung zu erwarten, zumal der GR86 nur zwei Jahre lang gebaut wird und der letzte seiner Art ist.

Ein Cockpit wie damals – noch dazu mit echter Handbremse. Beim Styling setzt der GR86-Innenraum keine Akzente, verwirrt aber auch nicht in Sachen Bedienung

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Die Weltmarke Toyota bietet mittlerweile ein einzigartiges Portfolio an An­­triebsarten. Bei den Hybriden (mittlerweile auch mit Ansteck-Option) hat man seit jeher die Nase vorn, auch Wasserstoff wird mit einem Serienauto bespielt. Dazu gibt es neben Elektro noch Diesel bzw. Benziner – und mit dem GR86 ab sofort ein Auto, das Fahrspaß auf die klassische Art definiert: Saugmotor vorne, Hinterradantrieb, Schaltgetriebe – und das im kompakten Coupé-Kleid. Mit diesen Zutaten trifft der Japaner alles andere als den Zeitgeist – aber mitten ins Herz der Puristen. Das zeigt auch schon der Auftragseingang: Nur 15 Prozent der Kunden greifen zur optionalen Wandler-Automatik, obwohl diese nur 2000 Euro extra kostet und einen Abstandsregel-Tempomat inkludiert.  Gut so, zwei Pedale wären hier absolut eine Themenverfehlung. Die manuelle Sechsgang-Schaltung ist knackig und kurzwegig, das gekonnt koordinierte Zusammenspiel aus Hand- und Fußbewegungen drohte ja schon in Vergessenheit zu geraten. Dazu kommt ein straffes Fahrwerk und ein schwenkfreudiges Heck, das entweder von der nicht zu ernsten Stabilitätskontrolle eingefangen wird oder von geübten Piloten über die direkte und präzise Lenkung.  Wie beim Vorgänger GT86 stammt der Motor von Subaru, der aufgebohrte Boxer bietet jetzt freilich mehr Hubraum, mehr Leistung und deutlich mehr Drehmoment. Die Gasannahme ist saugertypisch fein, der Klang könnte jedoch ernsthafter sein – und das trotz Sound-Generator über die Innenraum-Lautsprecher. Doch was soll’s, in Sachen Handling und Agilität ist dieser Toyota ein Hit. Von den Abmessungen her unterscheidet sich der GR kaum vom GT, wurde aber 50 Prozent steifer, ohne an Gewicht zuzulegen (Dach, vordere Kotflügel und Motorhaube sind schließlich aus Alu). Zulegen konnte das Kofferabteil: um 34 Liter. Dazu sitzt man sogar noch etwas tiefer als beim alten Modell, das vor genau zehn Jahren das Licht der Welt erblickte. War der 86er damals schon einzigartig, ist er es heute umso mehr. Es gibt tatsächlich keinen echten Konkurrenten am Markt – der Versuch einer Einordnung im Kapitel „Preis & Kosten“ rechts scheiterte kläglich. Am ehesten in Sachen Fahrgefühl und Positionierung ist der neue Toyota-Sportler mit der Hardtop-Version des Mazda MX-5 vergleichbar. Es ist schon erstaunlich, dass gerade die als fade Firmen verschrienen Japan-Her­steller der (alten) Welt zeigen, wie man leistbaren Fahrspaß realisiert.    [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row][vc_row][vc_column width="1/2" css=".vc_custom_1446571503268{padding-top: 5px !important;}"][vc_column_text el_class="testkategorien"]Motor & Getriebe - Spontan und dramatisch bulliger als der Vorgänger geht der drehfreudige und relativ hubraumstarke Boxer-Saugmotor zur Sache, jubelt bis 7000 Touren hoch, der Sound ist leider beliebig bis laut. Kurzwegiges, knackiges Schaltgetriebe, eng gestuft, Ganghebel perfekt positioniert.  Fahrwerk & Traktion - Straffe, gerade noch erträglich komfortable Abstimmung. Sehr agiles Handling über direkt-präzise Lenkung samt kleinem Volant. Sehr ­hoher Kurvenspeed möglich, per Gasstoß ist das Heck jederzeit zu motivieren – die (abschaltbare) Stabilitätskontrolle ist spät, aber doch zur Stelle. Hilfreich bei der Suche nach Grip: die Gewichtsverteilung von 53:47 sowie das elektronische Sperrdifferenzial. ­Bremsen: gut zu dosieren und wirkungsvoll. Bedienung & Multimedia - Sehr tiefe Sitzposition, die Sport-Möbel geben guten Seitenhalt, ohne zu sehr einzuengen oder zu ermüden. Gute Ergonomie, keine Bedien-Schwächen – das Multimediasystem ist rasch durchschaut, die Sprachsteuerung aber bestenfalls mittelmäßig. Smartphone-Anbindung und -Laden nur kabellos. Minus: keine Parksensoren, kein…

6.6

FAZIT

Attraktiver analoger Anachronismus für Fahr-Fans, die gerne selbst alles in die Hand nehmen.

Motor & Getriebe
Fahrwerk & Traktion
Bedienung & Multimedia
Innen- & Kofferraum
Dran & Drin
Schutz & Sicherheit
Preis & Kosten
User-Wertung : Keine Bewertungen bisher!
7

B4, 16V, 2387 ccm, 234 PS (172 kW) bei 7000/min, max. Drehmoment 250 Nm bei 3700/min, Sechsgang-Getriebe, Hinterradantrieb, Scheibenbremsen v/h (bel.), L/B/H 4265/ 1775/1310 mm, Radstand 2575 mm, 4 Sitze, Wendekreis 10,8 m, Reifendimension 215/40 R 18, Tankinhalt 50 l, Reichweite 595 km, Kofferraumvolumen 276 l, Leergewicht (EU) 1368 kg, zul. Gesamtgewicht 1670 kg, max. Anh.-Last –, 0–100 km/h 6,3 sec, 60–100 km/h (im 4./5. Gang) 6,0/7,3 sec, Spitze 226 km/h, Steuer (jährl.) € 1728,92, Werkstätten in Österreich 141, Service alle 15.000 km (mind. 1x/Jahr), WLTP-Normverbrauch kombiniert 8,8 l, Testverbrauch 8,4 l ROZ 98, CO2 (Norm/Test) 200/193 g/km

Front-, Seiten- und Kopfairbags vorne, Knieairbag Fahrer, Notbrems-Assistent, Tempomat, Toterwinkel-Warner, aktives Hinterachs-Sperrdifferenzial, Berganfahrhilfe, Licht- sowie Regensensor, Rückfahrkamera, el. klappbare Außenspiegel, adaptive LED-Scheinwerfer mit Fernlicht-Automatik, digitale Instrumente, Multimediasystem mit 8 Zoll-Touchscreen und 6 LS, DAB-Tuner, Sprachsteuerung, Android Auto & Apple CarPlay, Teilleder/Velours-Polsterung, Zweizonen-Klimaautomatik, Sitzheizung v, schlüsselloser Zugang, Aluräder 18 Zoll etc.

Metallic- oder Sonderlack ab € 450,–