Gegen den Strom

3. August 2017
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Alles Klartext

Die aktuelle Polit-PR ist relativ ein­deutig: Am mangelnden ­Erfolg der Elektromobilität ist der Konsument schuld. Dieser rückständige Prolet, der die Segnung der herrlichen Technik einfach nicht akzeptiert und jetzt mit der Lockung niedriger Instinkte, also Geld, dazu gebracht werden muss, sie doch zu wollen. Fakten sind politisch betrachtet natürlich ein Ärgernis – aber vier davon reichen aus, um ­zu erklären, warum die ab­lehnende Mehrheit ­womöglich vorerst noch recht hat:

  1. Nur die Betriebs-Emissionen zu bewerten ist ebenso falsch, wie die Geldwirtschaft auf den Ausgabeschlitz am Bankomaten zu reduzieren – es steckt mehr dahinter. Wegen der Batterien verursacht die Produktion ­eines E-Vehikels eine um so viel höhere Umwelt-Belastung als die eines durchschnittlichen ­Pkw mit Verbrennungs­motor, dass ein Elektro­auto dieses Manko erst nach rund 150.000 emis­sionslos ­gefahrenen Kilometern ausgleicht. Ungefähr die Distanz, bei der die Akkus ausgelutscht sind und gegen neue getauscht werden müssen – also ein Hase-und-Igel-Prinzip, bei dem der Verbrenner ­derzeit immer noch gewinnt.
  2. Bis heute kann niemand genau sagen, wie – oder, noch kniffliger: wohin – die Alt-Akkus später entsorgt werden sollen. Die Lieblings-Legende: ­Sie können filetiert und als kleinere Einheiten in Elektrogeräten, etwa Rasenmähern, verbaut werden, für die ihre schwächere Leistung immer noch ausreicht. Wenn der Elektro-Anteil der weltweiten Pkw-Produktion bald, wie vorgesehen, zumindest 30 Prozent beträgt, würde der Output an Akku-­Rasenmähern im Wiederverwertungs-Kreislauf ­etwa drei Milliarden Stück ergeben – pro Jahr! Mehr, als es auf diesem Planten Haushalte gibt ­­– oder Rasen. Abgesehen davon, dass die Zwischen­lagerung in Elektrogeräten keine Lösung ist.
  3. Die Praxis-Reichweiten sind nach wie vor lächerlich. Sie zu erhöhen, indem die Autos mit so vielen Batterien vollgepackt werden, bis deren Gewicht die Mehrleistung wieder schluckt, ist ein unsinniger Weg. Ein SUV mit zwei Tonnen wird als Straßenzerstörer angefeindet, aber ein noch schwererer Tesla als Heilsbringer verehrt? So armselig wie die Reichweiten, so abschreckend sind auch die tatsächlichen Ladezeiten. Wer Entschleunigung sucht, wünscht sich ein Wochenende auf der Almhütte, aber kein Elektroauto für den Alltag.
  4. Das Argument, dem sich auch die anschließen, an denen Emissions-, Entsorgungs- und Reichweiten-Problematik völlig vorbeigeht: der Spaß-Faktor. Nur schlicht gestrickte Fans halten den E-typischen Beschleunigungs-Schub neuerdings schon für tolles Fahren. Nach 135 Jahren Entwicklung des perfekten Zusammenspiels von ­Motor, Getriebe und Fahrwerk ist der Reiz eines rundum reduzierten Dings überschaubar. Kein Motorsound, Eco-Bereifung, Rekuperation – sie klingen nicht, sie ­liegen schlecht, sie bremsen nur gut.

Vielleicht macht sie gerade Letzteres für die ­gewohnt spaßbefreite Öko-Fraktion so begehrenswert: Es entspricht dem Grad an Unterhaltung, ­­den diese angesichts der ohnehin immer ernsteren ­Lage für angemessen hält. Dieses Diktat zu unterwandern ist dann für die meisten Konsumenten wohl der endgültige Anlass, erst recht weiterhin Autos mit Verbrennungs­motoren zu fahren.

(Kommentar)

Foto: Robert May

3 Kommentare

  1. Wenn man der Politik und den Herstellern in Sachen E-Autos genauso vertrauen darf, wie in Sachen Diesel, wird man wohl besser zu Fuß gehen….

  2. Angemerkt darf noch werden, dass die Ladesituation in der Stadt – und nur da kann derzeit ein E-mobil halbwegs praktikabel aufgrund der geringen Reichweite genutzt werden – eine inakzeptable ist.
    Man braucht schon ein Haus mit Garage in einem Villenbezirk oder einen privilegierten Innenhofparkplatz im verbauten Raum, um nächtens die Batterie vandalensicher laden zu können.
    Verlängerungskabel aus Gemeindebauwohnungen Richtung Parkplatz vor dem Haus (so man einen erwischt) werden wohl nur eine kurze Lebensdauer haben – was jeder Baustellenmonteur uneingeschränkt bestätigen wird – und sind auch wegen der Stolpergefahr unmöglich.
    Und die Lüge mit dem Ökostromanteil in Österreich von über 85% ist eine statistische Lüge, so wie uns dauernd erzählt wird, dass wir in einem der reichsten Länder der Erde leben und uns Alles leisten müssen sollen können – was einer Mindestrentnerin moralisch ziemlich weiter hilft bei der Bewältigung des Alltags.
    Die Stromrechnungen der Anbieter sprechen jedenfalls Klartext: EVN rund 35%, Wienenergie über 60% Stromanteil aus thermischer Energiegewinnung.

  3. Aba geh – der Strom kommt doch eh aus der Steckdose, der stinkt und raucht nicht – ist doch eh alles subba!
    Sollte hier jemand triefende Ironie oder gar Schlimmeres bemerkt haben – das war durchaus beabchsichtigt 😉

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