Quo vadis, Europa?

5. August 2021
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Kann es wirklich sinnvoll sein, dass die EU-Politik harte Klimaauflagen nur für uns beschließt, während die übrige Welt mehr oder weniger aufs Klima pfeift? Dies, obwohl die Europäische Union für gerade einmal sieben Prozent des weltweiten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich ist, während es allein die drei größten Emittenten (USA, China, Indien) zusammen auf 50 Prozent bringen.

Es scheint bei uns nicht wenige Menschen zu geben, die glauben, es würde genügen, den Treibhausgas-Ausstoß in Europa zu reduzieren, und schon hätten wir hier weniger Hitze, weniger Trockenheit, weniger Überflutungen etc. Irrtum: Treibhausgase verteilen sich, unabhängig vom Ort ihres Ausstoßes, demokratisch in der Atmosphäre und verweilen dort hunderte Jahre. Ganz im Gegensatz zu Stickoxiden, Rußpartikeln oder Ähnlichem, die primär jenen lokalen Raum belasten, in dem sie emittiert werden und vergleichsweise schnell abgebaut werden.

Das ewige Totschlag-Argument der Grün-Politiker lautet: „Einer muss ja mit den Klimaschutz-Maßnahmen beginnen.“ Da aber das Klima-Problem ein globales ist, sollte die EU-Politik auch nach globalen Allianzen suchen, statt lediglich Nabelschau zu betreiben. Neben dem Verkehr als zweifellos wichtiger Komponente bedarf es schließlich noch einer ganzen Reihe an zusätzlichen Lösungen.

+ Die Bevölkerungsexplosion in Asien und Afrika bremsen. Natürlich nicht mit Gewaltmaßnahmen, sondern durch eine Bildungsoffensive. Aus eigener europäischer Erfahrung wissen wir, dass höhere Bildung automatisch zu einer verringerten Geburtenrate führt.

+ Die Abholzung der Regen­wälder stoppen. Nichts bindet CO2 so effektiv wie Bäume. Aufforsten statt abholzen muss daher die Devise lauten, die wohl nur via beträchtlicher Finanzhilfen zu vermitteln sein wird.

+ Kohlekraftwerke zügig abdrehen und gleichzeitig die zunehmende Lust auf Atomkraft eindämmen.

+ Das Um-die-Welt-Schippern von Billigprodukten erschweren. Beispiel Kleidung: Ein Drittel des jährlich unter umweltfeindlichen und menschenunwürdigen Bedingungen in Asien erzeugten Billig-Gewandes gelangt nie in den Verkauf, ein Drittel der gekauften Ware wird niemals getragen. Und: Die meisten Containerschiffe fahren unter den Flaggen von Panama, den Bahamas oder Liberia – weil dort auf Umweltauflagen, Arbeitnehmerrechte und vor allem auf einen Großteil der Steuern gepfiffen wird.

+ Die Grundschleppnetz-Fischerei stoppen. Diese setzt nämlich – von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt – mehr CO2 frei als der gesamte Luftverkehr.

+ Der weltweiten Massentierhaltung entgegenwirken. Vor allem rund 1,5 Milliarden Rinder emittieren als Wiederkäuer Unmengen am Treibhausgas Methan (de facto unverbranntes Erdgas), das 80-mal klimaschädlicher ist als CO2.

Doch für jene im Gegensatz zu den so forcierten Selbstbeschränkungen effektiven Maßnahmen bräuchte es missionarischen Eifer und EU-interne Einigkeit – für Ersteren geniert sich Europa historisch bedingt, und Zweiteres klingt wie ein Paradoxon.

Foto: Free-Photos/Pixabay

2 Kommentare

  1. Das Kernproblem von Fakten ist, dass sie der Polemik zuwiderlaufen. Es ist viel schwieriger faktenbasierte Lösungen zu erarbeiten, als polemische Schlagzeilen zu produzieren und daraus folgernd Steuern zu lukrieren. Denn abgesehen von den marginalen 7% der gesamten EU retten wir in Österreich alleine das Weltklima. So unter dem Motto: mit jedem Papiersackerl im Obstregal statt einem Plastiksackerl wird die gigantische Plastikmüllinsel im Pacific ein bisserl kleiner. Gell?

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