Unterhaltungs-Elektronik

28. Mai 2022
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Seit 2005 amüsiert der fesche Alfa 159 in deutschsprachiger Konfiguration bei knapp werdendem Tankvolumen mit der Bordcomputer-Meldung „Ein­geschränkte Auto­nomie“. Hier haben die Mailänder wohl einfach den ersten und für sie naheliegendsten Begriff aus dem Wörterbuch für die Übersetzung von „autonomia“ (ita­lienisch für Reich­weite oder Aktionsradius) genommen – eine Kontrolle durch deutsch­sprachige Kollegen gab es offensichtlich nicht. Und
das just zu einer Zeit, als mit dem Österreicher Herbert Demel der erste Nicht-Italiener am Konzern-Steuer saß – und die Qualität der Produkte auf „deutsches“ Niveau heben wollte.

Doch auch heute erstaunt, zu welch humo­rigen Sprach-Pannen es in multilingualen Welt­konzernen kommen kann. Etwa bei dem in Köln erdachten und in Spa­nien gebau­ten Kuga des US-Konzerns Ford. Der könnte bei Tempomat-Benutzung unerfahrene Piloten im Headup-Display mit der Meldung „Übersteuert“ schrecken, wenn sie aufs Gas steigen. Nein, diese Info deutet nicht auf ein ausbrechendes Heck hin, es ist bloß die un­­geschickte Übersetzung von „overruled“ – und bedeutet, dass der Fahrer das eingestellte Tempo durch Gasgeben kurzfristig ignoriert.

Eine gewisse Lieblosigkeit im Umgang mit der deutschen Sprache zeigen die Designer der Digital-Instrumente in der Franzosen-Limo DS 9. Über dem Tou­renzähler steht „Motordrehza“ (ohne Bin­destrich) und darunter einsam und allein „hl“ (siehe Bild oben). Eine wenig elegante Lösung für ein elegant anmutendes Automobil. Doch auch bei deutschen Konzernen ha­ben bisweilen mäßig be­­gabte Sprach-Athleten das Sagen. Bei einer Fahrt auf der ita­lienischen A14 kündigte das Navi unseres Dauertest-A3 mit einem Warndreieck samt Ruf­zeichen in zehn Kilometer Entfer­nung ein „ausge­fallenes Fahrzeug“ an. Die Ent­täu­schung an Ort und Stelle war groß – kein rarer Ferrari war zu sehen und auch kein seltener Lancia-Klassiker.

Doch nicht nur das geschriebene Wort amüsiert immer wieder in modernen Fahrzeugen, auch das gesprochene. So kann schon mal Erheiterung aufkommen, wenn die Navi-Stimme in Produkten des VW-Konzerns italieni­sche Ortsnamen wie ein stereotypischer deutscher Tourist ausspricht – etwa Venezia oder Udine, ersteres mit F und beides mit Betonung aufs i. Auch die immer beliebter wer­denden Sprachsteuerungen haben es in sich. Wer allein im Auto fährt oder dem Partner am Neben­sitz nichts mehr zu sa­gen hat, kann sich wunderbar mit seinem fahrbaren Untersatz unter­halten – mit besonderer Beto­nung auf „unterhalten“. So hilft bei der münd­lichen Ein­gabe von Naviga­tions­zielen bei fast allen Systemen ein gewisser Sinn für Hu­­mor, um nicht zu schreiben: eine ge­­hörige Portion Geduld und Leidens­fähigkeit.

Dafür reagieren Alexa und ihre FreundInnen auf Fragen und Befehle durchaus witzig und sogar kompetent. Auf „Hey Mercedes, was hältst Du von BMW?“ bekommt man etwa als Antwort: „Sehen ganz nett aus, vor allem im Rückspiegel.“ Überaus verständnisvoll zeigt sich die virtuelle Assistentin in unserem Dau­er­test-Skoda: „Meine Eier sind kalt“ führt da­zu, dass „Laura“ (so nennt Skoda die weibliche Computerstimme in Anlehnung an Firmengründer Vaclav Laurin), ohne verlegen zu werden, die Sitzheizung aktiviert. Das amüsierte auch Kaba­rettist Alex Kristan im Testosteron-dominierten Ben­zin­brüder-Chat. Und der Come­dian ortete bei der Dame im Navigationssystem sogar urologische Kompetenz. Öfters schon wurde nämlich ungefragt „die Rute berechnet“.

Foto: Enrico Falchetto

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