Hotelparkplatz voll mit Autos

Trend 2020: Urlaubszeit ist Autozeit

10. Juli 2020
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Alles Klartext

Schrumpfende Zulassungszahlen, immer mehr Leute fahren Rad, Öffis auf dem Vormarsch, das Automobil ein Auslaufmodell. Wer das glaubt, ist selbst schuld. Weniger werden tatsächlich nur die Neuwagen-Käufe, die Leute weichen dafür verstärkt auf Gebrauchte aus – der Pkw-Bestand in Österreich ist 2019 fast eineinhalb mal mehr gewachsen als die Bevölkerung. Wogegen die Steigerung bei den mit Rad oder Öffis zurückgelegten Wegen in den vergangenen Jahren einfach nur gleich hoch oder sogar geringer ausfiel als das Bevölkerungswachstum. Einziger echter Gewinner ist auch hier mit saftigen Zuwächsen das Auto.

Die Diskussion, ob dieser Umstand nun gut oder bedenklich ist, bleibt wie eh und je überflüssig: Er ist Fakt und damit Ausdruck des mehrheitlichen Bürgerwillens zum Thema Mobilität – dem die Politik im Sinne des Demokratiegedankens eigentlich zu entsprechen hätte anstatt ihn eifrig zu negieren oder überhaupt gleich zu bekämpfen.

Nicht wegzureden ist die Abkehr von öffentlichen Verkehrsmitteln jedenfalls in der Urlaubszeit – in Corona-Zeiten noch mehr als früher. Den bisherigen Mix aus Gästen, die mit dem Flugzeug kommen, Bahn- und Auto-Reisenden gibt es so gut wie nicht mehr. Der Pkw ist praktisch die einzig verbliebene Wahl – was Hoteliers teilweise vor unerwartete Probleme stellt: Die Garagen und Parkplätze reichen vielerorts nicht mehr aus, sie waren nie für 100 Prozent mit dem Auto anreisende Gäste gedacht. Flexible Tourismus-Gemeinden helfen mit den nun so gut wie leeren Bus-Parkplätzen aus. Für die Umwelt ist diese Verschiebung zum Pkw übrigens unbedenklich: Kaum jemand fährt allein in den Urlaub, die CO2-Bilanz einer mit zwei bis vier Personen im Fahrzeug unternommenen Reise ist alles andere als anrüchig, dazu kommt nach wie vor der weitgehende Entfall der Flug-Emissionen.

Einen automobilen Verlierer gibt es dabei aber dennoch: Die Shuttle-Vans der großen Hotels stehen ungenutzt herum – einige Betreiber berichten sogar, sie hätten in dieser Saison noch keinen einzigen ihrer Gäste vom nächstgelegenen Bahnhof oder gar Flughafen abgeholt. Falls jemand also demnächst Bedarf an einem Familien-Fahrzeug aus pfleglichem Vorbesitz hat, zahlt es sich eventuell aus, die Gebrauchtwagen-Börsen im Auge zu behalten.

Foto: Günther Effenberger

1 Kommentare

  1. Das Problem ist das grundsätzliche Denken. Statt „sowohl als auch“ wird von den politischen Hardlinern nur mehr die Parole „entweder/oder“ propagiert, um dann bei natürlich entstehender Gegenwehr die Spaltung des Landes zu beklagen. Warum nicht mit dem Auto einfach und unkompliziert zum Ziel in der Natur um dort Mountain zu biken oder zu Wandern, warum nicht mit dem Auto in die Stadt fahren, wenn man einen voluminösen Einkauf vor hat, warum nicht mit dem Auto in den Urlaub, wenn man umfangreiches Freizeitgerät mitnehmen möchte? Selbstverständlich Öffis in der Stadt, um in der Innenstadt zu flanieren oder zum Heurigen zu fahren. Das Eine schließt das Andere nicht aus, sondern ergänzt es. So soll pluralistische Gesellschaft im 21. Jhdt. funktionieren und nicht mit Zwangsvorschreibungen, Verboten und auf Neid basierter Aufhetzung wie im Mittelalter.

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