Veganes Leder – alles Bio?

31. Dezember 2021
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Früher gab es bei manchen Automarken neben echtem ­Leder auch die Möglichkeit, günstigeres Kunstleder für die Polsterung zu wählen – das sogenannte MB-Tex war ­etwa bei Mercedes an Sitzen von Taxis und Roadstern beliebt, weil abschwaschbar und unempfindlicher gegenüber Feuchtigkeit oder Schmutz.

In vielen trendigen Elektroautos findet dieses Material seit geraumer Zeit eine Renaissance, das aber nicht als ­profaner und pragmatischer Bezugsstoff, sondern vom ­hippen Marketing zeitgeistgerecht zum „veganen Leder“ ­geadelt. Das klingt natürlich viel besser und umweltfreundlicher als Kunststoff, um nicht zu schreiben: Plastik, also mit Erdöl als Basis. Wie würde sich das im Prospekt lesen für Elektroauto-Interessierte, die so gerne in die Schublade zu all jenen gesteckt werden, die bewusst und nachhaltig leben – und sich um das Wohl­befinden unseres Planeten sorgen.

Also den teuren Strom-Flitzer vielleicht doch lieber mit ­einer Echtleder-Polsterung veredeln? Ein Tipp an die Autohersteller: Damit Käufer auch da kein schlechtes Gewissen haben müssen, könnte man das ganz ja getreu dem trendigen Lifestyle als „Bio-Bezugstoff“ vermarkten.

PS: Den Sitzbezugsstoff am Foto nennt der Hersteller „Veloursledersitze mit Applikationen aus veganem Leder“)

Foto: Robert May

2 Kommentare

  1. Dekadenz hat viele Gesichter. Zum seligen Einschlafen mit gutem Gewissen braucht man halt ein Batterieauto mit grüner Nummer und Sitzen aus recycletem Altöl oder Maisstaudengewebe als Viertauto in der Wärmepumpen-geheizten Garage, ein Abendessen mit vegetarischen Bratwürsten, veganem Leberkäse oder Sojalaibchen in der Nullemissionsvilla und ein geboostertes Nachtbussi vom getesteten Partner auf die FMP2-Maske.

  2. Darf ich das so verstehen, dass es vegane Stoffe nur in Elektroautos gibt? Wer kein Leder verwendet trägt übrigens zum Klimaschutz bei. Eh scho wissen: Viehzucht, Methan und so.

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