Waluliso: Klimaaktivismus ohne Hassparolen

13. August 2020
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Alles Klartext

Erinnert sich noch jemand an Waluliso? Ab den frühen 80er Jahren gehörte der 1996 verstorbene Mann mit der weißen Toga, dem Kranz aus Olivenblättern auf dem Kopf und dem Apfel in der Hand zum Wiener Lokalkolorit. Verschroben, viel belächelt, aber immer authentisch. Anstatt Trittbrettfahrer war er Vorreiter der Umweltbewegung – schon in den 70er Jahren sammelte er erfolgreich Unterschriften für die Erhaltung der Donauinsel als Naherholungsgebiet.

Waluliso (sein Name stand für „Wasser, Luft, Licht und Sonne“) liebte die Natur, sprach gern darüber, und irgendwann begannen die Men­schen ganz von selbst, ihm zuzuhören. In seinem Hintergrund arbeitete keine millionen­schwere PR-Agentur, um ihn berühmt und beliebt zu machen. Trotzdem kannte ihn bald jeder, und im Pre-Selfie-Zeitalter war er wohl eine der am öftesten abgelichteten Per­sön­lichkeit des Landes. Und schaffte es damit sogar zu internationaler Aufmerksamkeit – ganz ohne ihn auf Schritt und Tritt begleitende Profi-Fotografen, inszenierten Bildern und gefälligen Meldungen, über x Social Media-Kanäle getrommelt.

Es ist auch nicht bekannt, dass Walulisos Familie aus seinem Tun jemals Kapital ge­schlagen hätte. Falls er überhaupt Verwandte hatte, haben sie sich jedenfalls nicht an börsennotierten Agenturen beteiligt, die Umweltprobleme in bare Münze verwandeln statt sie zu lösen. Im Gegenteil: Waluliso verschenkte sein weniges Geld, weil er der Überzeugung war, es brächte ohnehin kein Glück. Nie hat jemand ein böses Wort von ihm gehört. Die Feststellung, dass Politiker Spekulanten seinen, war schon sein Maxi­mum von Angriffigkeit. So sehr er auch unter der Bedrohung der Natur litt – nie hat er Hassparolen von sich gegeben, zu Panik und Erpressung aufgerufen. Oder die Ge­sell­schaft beschimpft, deren Freiheit ihm ermöglicht hat, zu tun, was er eben tat. Friede war ihm sogar besonders wichtig: „Seid nett zu einander“ lautete seine simple Botschaft.

Waluliso sprach auch immer gerne zu Kindern, die er als die künftigen Bewahrer der Natur sah – anstatt sie als politische Währung in einem künstlich herbeigeführten Ge­nerationen-Clash einzusetzen. Sie bekamen aber nicht schulfrei, um ihm zuzuhören. Und ersparten sich damit den Irrtum, eine von Lehrern und Elternvereinen organisierte Gymnasiasten-Fanmeile für eine Protestbewegung zu halten.

Der immer freundlich lächelnde Friedens-Apostel hat natürlich nie eine Rede vor der Uno gehalten. Von der Polit-Prominenz wurde er auch nicht höflich für das Rezitieren abstruser Forderungen beklatscht, an deren Erfüllung sie ohnehin nicht im Traum den­ken. Er hätte wohl auch von niemandem verlangt, die Welt in eine Art DDR 2.0 umzu­wandeln, damit es endlich alle gleich schlecht haben. Es reichte ihm, Konsum und Ma­terialismus zu belächeln. Kitschig inszenierte, pseudo-klimaneutrale Atlantik-Überque­rungen in Millionen-Yachten wären ihm schon deswegen nie in den Sinn gekommen.

Falls eine posthume Vergabe möglich ist, wäre es angebracht, dass Waluliso den Friedensnobelpreis erhält. Er hat ihn ehrlich verdient.

Foto: TARS631

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