Corona & Tripper

23. April 2020
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Corona, Carina – they make your washing cleaner!“ Amüsierte sich das very britische Magazin „car“ auf einer Titelseite über „Autos, die uns so kalt lassen wie Wasch­pulver oder Waschmaschinen“. Diese Toyotas wirkten seelenlos. Dieselben Texter lobten aber Celica und Land Cruiser ebenso wie den MR2. Der Mittelmotor-Zweiflitzer klang nur drüben in Frankreich gar anrüchig nach frisch gedüngter Erde („Merde!“).

In England gab es vom Bausatz-Hersteller Fair­thorpe Technical Exponents bis 1978 einen schneidigen Sport-Roadster im Buggy-Look für die flinke Sechszylinder-Plattform des Triumph GT6: den Tripper (Bild unten). Ein solcher ließ sich 2010 bei einem Ga­­ragenfest in Ebreichsdorf bestaunen. Fahrer und Fahrerin (eine Ärztin) wirkten gesund, sie hatten von ihrem England-Trip einen Tripper mitgebracht. Die unlustige Lustseuche kennt man (wie Frau) in England als G-Wort, behandelbar mit Peniscillin. Besser ist freilich die Verhütung mit Gummis, ein Handschuhfach dafür hat sogar der sonst völlig türlose TX Tripper.

Asiatische Autoseuchen wie Corona gingen Europas Autochefs in den 70er-Jahren an die Nieren. Ausstattung ohne Aufpreiswucher – beim Mercedes Strich 8 wurde die Verbundglasscheibe bis März 1972 als Extra berechnet! Detailverliebtheit. Butterweich schaltbare Getriebe. Mechanik, die auch nach Ablauf der Garantie präzise funktionierte, was am seltensten die Briten hinbekamen. Rosten konnten „die Japaner“ allerdings auch so gut wie Stuttgarter oder Wolfsburger.

„Corona war sein letztes Wort, dann fuhr er im Toyota fort.“

Der Corona (Bild oben), von dem jetzt viel die Rede ist, er war 1971 nicht der erste Japaner in Österreich. Ernst und Friedrich Frey, in Wien mit Motorrädern und Autos von NSU groß geworden, bis die Neckarsulmer 1969 zu Audi kamen – sie führten eine Marke ein, die man als James Bond-Auto kannte. Toyota 1000 nannte Frey den Publica, der (nicht verwandte) Schweizer Importeur Emil Frey taufte ihn Copain für Kumpel. Toyotas C-Dur, neben und nach dem Corona: Corolla, Carina, Celica, Cres­sida, Crown, Cordoba, Corrado (war da einer zu viel oder zwei?), sie ging ebenso ins Ohr wie Starlet und Tercel, Previa und Prius – Avensis nicht glauben! Unvergessen der Held der Arbeitswelt Hiace. Leicht übersehbar der Auris. Das Flaggschiff Century ent­hielt uns Frey vor, dafür bekamen wir 1991 den Lexus, in Japan bekannt als Celsior.

Der Corona steckte Österreichs Autokäufer nur bis 1976 an. Anderswo in der Welt tauchte sein Name zur gleichen Zeit an verschiedenen Typen auf. Nach 44 Jahren und elf Generationen lief er 2001 aus. Ansteckend an Toyotas Corona-Virus blieb of­­fenbar die Überzeugung der Käufer, vom Hersteller ihres Vertrauens nicht verachtet zu werden. Oder über den Tisch gezogen. Toyota produziert zwar seit 1992 in England, Corona gab es aber auch dort schon keinen mehr, als 1990 die angriffige „car“ titelte: „Corolla, Carina…“ Der Corona ist völlig unschuldig. Xundheit!

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