Apollo 17 Blick auf Erde aus dem Weltraum

Coronavirus: Nächste Krise, bitte!

11. März 2020
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Alles Klartext

Jetzt also das Coronavirus. Dabei war doch der Klimawandel für Spätgeborene die große Sache schlechthin – die erste globale Krise ist immer etwas Besonderes und die Aussicht, einem planetaren Kollaps beizuwohnen, schon deswegen erregend.

Wer ein wenig länger auf der Welt unterwegs ist, hat mit der Inflation der Untergangsprognosen leben gelernt. Von der Ölkrise („Nassrasieren spart Energie“) über den dritten Weltkrieg („Alles, alles geht vorbei durch die Pershing II“), Tschernobyl („Lächeln statt strahlen“), das Waldsterben („Erst stirbt der Wald, dann stirbt der Mensch“), das Ozonloch („Unser Fenster ins Jenseits“), den Millenium-Gau („Y2K kommt eh“), die Finanzkrise („Denken ohne Morgen“) bis zur Flüchtlingswelle („Wir schaffen das“) – wobei historisch und hysterisch meist auffallend deckungsgleich sind.

Eine weitere Krisen-Gemeinsamkeit: das Ende der Welt, wie wir sie kennen, herbeizuführen. Immer fundiert verbreitet durch eifrige Warner, wissenschaftlich absolut gesicherte Beweise und Menschen, die sich am liebsten in geistige Quarantäne begeben. Natürlich – jeder Jahrgang hat das Recht auf sein ureigenes Untergangsszenario und will es sich auch keinesfalls nehmen lassen. Was anstellen mit dem Rest des Lebens, wenn es unerwarteterweise doch stattfindet? Und wohin mit dem geliebten Feindbild, wenn es nicht mehr als solches taugt – den Scheichs, den USA, dem Auto, dem Konsum, Bill Gates, den Banken oder Flüchtlingen?

Derzeit ist das Coronavirus im Rennen um den Armageddon-Pokal ganz vorne, auch medial – fast schon eine willkommene Abwechslung zur andauernden CO2-Psychose. So schnell kann’s gehen: Eine Klimademo gilt aktuell eher als Gefährdung der öffentlichen Gesundheit denn als Instrument zur Rettung des Planeten – selbst wenn wetter- oder ferienbedingt wieder nur 50 Leute kommen. Ist das Virus erst weitergezogen, wird das Klima-Thema aber sicher wieder on top sein – vielleicht findet sich sogar eine willkommene Verbindung, etwa dass Viren in NOx besser gedeihen? Da freuen wir uns schon drauf. Oder eben auf die nächste Krise, die uns dann aber ganz sicher ausrottet.

(Kommentar)

Foto: Apollo 17 / National Aeronautics and Space Administration (NASA)

3 Kommentare

  1. Die Entlarvung absoluter Ignoranz.

    War mir bis dato noch nicht bewusst, daß Leute mittlerweile selbst die Ölkrise, den Nuklearwettlauf, das Waldsterben und Tschernobyl leugnen.
    Was kommt als nächstes? Die kritische Hinterfragung, ob die Erde tatsächlich eine Kugel ist. Was wissen wir denn tatsächlich darüber? Die NASA-Fotos sind sicher alle von der amerikanischen Regierung gefälscht.

    Nur bei der Flüchtlingskrise – irgendwie überraschend – Klarsicht und Vernunft: Die Hysterie der Überängstlichen ist tatsächlich unangebracht. Wir könnten das schaffen, wenn wir nur wollten.

    • Ihr Kommentar fußt offenkundig auf einem Missverständnis – eventuell möchten Sie sich den betreffenden Artikel noch einmal und unvoreingenommen durchlesen? Weder werden darin irgendwelche Tatsachen geleugnet noch angedeutet, es könnte sich um Verschwörungstheorien oder sonstige abstruse Tatsachenverdrehungen handeln. Der Inhalt bezieht sich einzig und allein auf die latente Hysterie, die jedes Problem und jede Krise bei bestimmten Menschen erzeugt. Und auf den damit verbundenen Anspruch auf Untergangs-Verkündung. Viele Menschen reflektieren offenbar auf ein gewisses Maß an Schauerromantik und heißen beinahe jedes Thema willkommen, das sich dafür eignet.
      Wie Sie selbst allerdings sehr treffend bemerken: Die Hysterie Überängstlicher ist unangebracht – und hilft auch nie weiter, sondern Besonnenheit, Klärung von Fakten und überlegtes Handeln.

    • Das einzige, was Schwedenkönigs Kommentar entlarvt, ist, daß es bei ihm am sinnerfassenden Lesen hapert. Es sieht ein Blinder, daß es dem Autor nicht ums Leugnen geht, sondern er wundert sich darüber, daß jede neue Krise alle vorhergehenden Krisen aus dem kollektiven Gedächtnis löscht. Und er bemerkt richtig, daß sich sämtliche Krisen im Nachhinein als weit weg vom Weltuntergang herausgestellt haben.
      Was die Flüchtlinge angeht: Engagiert sich der Schwedenkönig in dem Bereich ernsthaft oder hat einen Flüchtling bei sich aufgenommen? Wenn nicht: Woher weiß er, daß „wir das schaffen könnten, wenn wir nur wollten“?

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