Entscheidungs-Hemmer

23. November 2021
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Alles Klartext

Von seinem SPÖ-Parteigenossen Heinz Fischer soll Langzeit-Bundeskanzler Bruno Kreisky einmal berichtet haben, dass der vor Abstimmungen häufig die Toilette aufsuchte, um so eine Entscheidung pro oder contra zu umgehen. Abgesehen von der Pikanterie, dass diese Einstellung ausreicht, um später das höchste Amt im Staat zu erreichen (wenn das Zitat denn wahr sein sollte): Was des einen Toilette ist, ist des anderen Elektroauto. Dank dessen es Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein schaffte, der Entscheidungsfindung über den jetzigen Lockdown fernzubleiben – sein Batterie-Audi mit angeblich knapp 420 Kilometern Reichweite musste für die nur unwesentlich längere Strecke zum Tiroler Tagungsort zweimal aufgeladen werden.

Nicht, dass sein bisheriges Wirken als Minister Grund zur Annahme gibt, dass seine Anwesenheit irgendwie beitragsvoll gewesen wäre. Aber selbst der zwei Stunden später aus Eisenstadt abgereiste Landeschef Hans Peter Doskozil traf noch vor ihm ein – und tat, was dem verspäteten Minister verwehrt blieb: An der Entscheidung mitwirken. Wer jetzt meint, der hatte einfach nur das falsche E-Auto – nein, hatte er nicht. Nur den falschen Antrieb. Ob auch als Minister wissen wir nicht, auf der Straße in jedem Fall. Selbst wenn ihn eines der Akku-Modelle mit der derzeit höchsten Katalogreichweite von um die 600 Kilometer nach WLTP bewegt hätte, wäre er damit bei Autobahntempo keine 400 weit gekommen. Das E-Auto ist deswegen weder schlecht noch böse – aber für bestimmte Anwendungen derzeit eben ungeeignet und damit auch kein vollwertiger Ersatz für den thermischen Antrieb.

Andererseits empfiehlt es sich anhand dieses Beispiels als eine zwar nicht billige, aber umso sicherere Methode, Menschen die man nicht dabei haben will, anderweitig zu beschäftigen: Mit dem Zuschauen, wie das Auto an romantischen Orten wie einem Asfinag-Rastplatz oder einer Ladestation irgendwo sonst in der Pampa am Stromkabel nuckelt zum Beispiel. Ein anderes vollelektrisches Verkehrsmittel hätte Mückstein übrigens recht zeitnah ans Ziel gebracht – aber für die Entscheidung, die Bahn zu nehmen, war der Minister offenbar nicht zu haben.