Land am Strome

24. September 2020
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Alles Klartext

Es ist ein bisschen wie bei einem Labyrinth, in dem wir noch so verschlungene Wege wählen können, am Ende aber immer am gleichen Punkt ankommen. Wenn dieser Irrgarten die Zukunft der Mobilität ist, dann landen wir zuletzt immer bei der Öko-Bilanz-Frage. Der Herkunft des Stroms fällt der Hauptanteil daran zu. Batterie-Autos nuckeln ihn direkt, Wasserstoff wird mit seinem Einsatz hergestellt, um dann selbst wieder in Elektrizität umgewandelt zu werden. E-Fuels machen nur dann Sinn, wenn sie mit Ökostrom produziert wurden. Und egal, welche dieser Antriebsarten die fossilen Brennstoffe eines Tages beerbt – um ökologisch mobil zu sein, brauchen wir sehr viel mehr grüne Energie als bisher.

Österreich ist in diesem Fach ausnahmsweise Musterschüler. Etwa 70 Prozent des heutigen Strombedarfs stammt aus erneuerbaren Quellen – allerdings stagniert dieser Anteil seit längerem. Die Wasserkraft ist so gut wie komplett ausgebaut, und Solaran­lagen lohnen sich nur dort, wo viel Sonne scheint, die Flächen aber nicht für die Land­wirtschaft benötigt werden – was meistens ein Widerspruch ist. Windparks bleiben ein ostösterreichisches Phänomen und dazu ein Symbol für das Schizophrene in unserer Gesellschaft: Wir wollen möglichst alles mit Strom betreiben – aber ärgern uns über Wind­räder, weil sie schiach sind.

Die allgegenwärtige Öko-Kamarilla findet zudem, dass Sprit gar nicht teuer genug sein kann, Strom aber mehr oder weniger nichts kosten sollte – woher er kommen soll, wenn immer mehr davon gebraucht wird, verrät sie uns leider nicht. Vor allem grüner Strom ist werder ein billiges noch ein unbegrenzt verfügbares Gut, sondern das Ergebnis begrenzter Ressourcen-Nutzung. Das gute Gewissen, ihn zu nutzen, sollte die Frage nicht ausklammern, womit der damit steigende Rest auf den Gesamtbedarf aufgefüllt wird.

Das hipste Schlagwort der Öko-Bilanzierer ist CO2-Neutralität. Die ist allerdings in­zwischen Definitionssache. Die EU erklärt etwa per Verordnung ausschließlich die Betriebs-Emissionen eines Fahrzeugs für relevant, um damit dem batterieelektrischen Auto die Räuberleiter zu machen – was die horrenden Umwelteinflüsse der Rohstoff-Gewinnung und -verarbeitung für die Akkus plus ihre Entsorgungsfrage zwar nicht eleminiert, aber erst einmal leugnet. E-Fuels wären immerhin klimaneutral – egal, ob das CO2 dafür aus der Luft stammt oder von industriellen Abgasen.

Der intensive Einsatz von Biomasse – derzeit noch weitgehend ungenutzt – wäre eine weitere Lösung, sowohl für die grüne Stromproduktion als auch die Verwendung ihres CO2-Gehalts zur E-Fuel-Herstellung. Gemeint sind damit landwirtschaftliche Abfälle, Dung, Klärschlamm, Algen, Bio-Müll – wovon es genug gibt, um nicht Gefahr zu laufen, dass findige Staatenführer in entlegenen Gegenden dafür erst wieder Anbauflächen versilbern.

Die Zeiten, in denen es genügte zu wissen, dass der Strom aus der Steckdose, das Geld vom Bankomaten und der Sprit aus der Zapfsäule kommt, sind jedenfalls vorbei. Das zu verstehen wird notwendig sein, wenn das Land am Strom bleiben will.

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