Pro Tanktourismus

7. Juni 2020
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Die Corona-Krise brachte den grenzüberschreitenden (Privat-)Verkehr vorübergehend zum Stillstand. Mit dem nunmehr in fast ganz Europa startenden Grenzöffnungen wird das Thema Tanktourismus bei uns aber bald wieder so aktuell sein wie in Vor-Corona-Zeiten.

Österreichs Regierung denkt nämlich schon länger darüber nach, den Dieselpreis zu erhöhen. Unser vergleichsweise niedriger Sprittarif bringt eben massiven Tanktourismus, der Österreichs CO2-Bilanz zugeschlagen wird, was künftig mit EU-Strafzahlungen verbunden sein wird.

Allerdings: Der Tanktourismus spült jährlich eine Milliarde Euro in die Staatskasse, während die Strafzahlungen aufgrund von hierzulande tankenden ausländischen Auto- und Lkw-Fahrern zwischen 80 und 400 Millionen Euro pro Jahr kosten würden. Die Verhandlungen zur Strafhöhe laufen derzeit noch – sie wird wohl zwischen 20 und 100 Euro pro Tonne CO2 liegen. Der Tanktourismus bliebe also ein gutes Geschäft für Österreich. Und keines zum Nachteil der Ausländer, da diese ja auch vom günstigeren Tarif profitieren.

Erhöht Österreich die Spritpreise, bleiben die Tanktouristen aus und die Zeche zahlen die heimischen Autofahrer. Und da der Sprit auf jeden Fall getankt und verfahren wird – egal, ob bei uns gekauft oder anderswo –, bringt dieses Spielchen dem Klima genau nichts. Auch das Argument „EU-Strafen zahlen alle Österreicher, teureren Diesel aber nur jene, die ihn tanken“ ist unsinnig, weil Frächter höhere Spritpreise 1:1 an ihre Kunden weitergeben (müssen). Den dann höheren Preis zahlt jeder, der Produkte kauft. Also wir alle.

Unterm Strich bleibt als „Vorteil“, dass Österreich rein auf dem Papier als CO2-Vorzeigeland gelten würde. Als alleiniges Pro-Argument definitiv ungenügend.

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